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Kultur

Ohne die Guten

Die Bundesliga startet wieder. Nach den endlosen Diskussionen um Finanzkrisen und Schwarzgelder wird es auch Zeit, dass der Ball wieder rollt, meinen die Fans. Doch es verspricht langweiliger zu werden. Eine Polemik.

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Endlich wieder Fußball ...

Es ist eines der vielen Rituale des Fußballs: Die alljährliche Kür des Meisterschaftsfavoriten durch die Bundesliga-Trainer. Dieses Mal fiel die Wahl eindeutig aus. 14 der 18 Übungsleiter sehen die Münchner Bayern am Ende vorn - die anderen vier enthielten sich der Stimme. Die Frage nach dem Meister scheint sich schon im Voraus erledigt zu haben - man wird sich damit abfinden müssen.

Wenig Hoffnung für Romantiker

Und der Kampf um die Plätze? "Geld schießt keine Tore" lautet eine der klassischen Fußballweisheiten. Sie wird auch durch ständige Wiederholung nicht richtiger. In den vergangenen beiden Spielzeiten wurden die ersten fünf Plätze der Abschlusstabelle von den gleichen Mannschaften besetzt, nur in unterschiedlicher Reihenfolge: Bayern München, Dortmund, Leverkusen, Berlin, Schalke. Es sind die am Abstand reichsten Vereine der Liga.

Zufall? Hoffentlich, wird der Fußballromantiker sagen. Unwahrscheinlich, sagt der Analytiker. Das Gefälle zwischen oben und unten ist deutlich steiler geworden. Die großen Clubs sind in der Boom-Phase überproportional reicher geworden und die Kirch-Krise verstärkt diesen Trend nun noch - schließlich machten bei den Kleinen die nun fehlenden Fernsehgelder bisher oft mehr als die Hälfte des Etats aus. Bei den reichen Clubs wie etwa dem amtierenden Meister Borussia Dortmund schlagen die TV-Gelder gerade mal mit fünf Prozent zu Buche. "Die Schere zwischen arm und reich wird immer weiter auseinandergehen" befürchtet nicht nur Ansgar Schwenken, Geschäftsführer des VfL Bochum.

Von grauen und Kirchen-Mäusen

Doch nicht nur wegen sinkender Einnahmen verspricht auch der Existenz-Kampf der Habenichtse öder als noch in der Vorsaison zu werden. Einen Husarenritt eines finanzschwachen Vereins in höhere Tabellenregionen wird es nach übereinstimmender Expertenmeinung in dieser Saison nicht geben. Mit dem 1.FC Köln hat sich zudem eine der exzentrischsten Diven nach Liga Zwei verabschiedet, ohne den FC St. Pauli fehlt ein richtiger Alternativ-Verein und mit dem SC Freiburg ist schlicht "das Gute" ("taz") abgestiegen.

Wie blass wirken gegen dieses Trio die Aufsteiger: Bielefeld und Hannover erfreuen sich höchstens regional bedingter Leidenschaften, dazu kommt noch Bochum. Bochum! Und ob denn nun am Ende der Saison die Aufsteiger wieder absteigen oder es Nürnberg, Rostock und Cottbus erwischt, dürfte ernsthaft nur jene erschüttern, die ihr Herz unglücklich an einen dieser Clubs verloren haben.

Ein Spiel wie vor 30 jahren

Bei den Fans ist die Beliebtheit der Bundesliga jedoch weiter ungebrochen. 291.000 Dauerkarten wurden vor dem Saisonstart verkauft, ein neuer Besucherrekord liegt im Bereich des Möglichen. Und als hätte es die Kirch-Krise nie gegeben, bläht Sat.1 seine Jubel-Show "ran" wieder auf schwer erträgliche zwei Stunden auf.

Allen Fußball-Nostalgikern, denen die galoppierende Kommerzialisierung den Spaß zu vergällen droht, sei allerdings empfohlen den siebten Spieltag am letzten Wochenende im September vorzumerken. Bochum wird da gegen Werder Bremen antreten. Eine Fußballdelikatesse im engeren Sinne ist nicht zu erwarten, dafür jedoch ein Spiel wie schon seit 30 Jahren nicht mehr. Ein Spiel zweier Mannschaften ohne Werbung auf der Brust. Beide Vereine haben keinen Trikotsponsor gefunden.

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