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Politik

"Ohne den Westen ginge es Ägypten heute noch schlechter"

Peter Philipp (Foto: DW)

Deutsche und westliche Politiker und Geschäftsleute hatten bei Verhandlungen mit totalitären Staaten immer eine patente Erklärung parat, warum man trotz der Zustände dort mit diesen Regimen rede: Isolation und Boykott hätten doch noch nie Veränderung gebracht, sagten sie. Die Entwicklungen in Osteuropa wurden zum Kronzeugen für die Rechtfertigung ihres Handelns und Wandelns, etwa mit China oder - lange Zeit zumindest - mit dem Iran oder den meisten totalitären Regimen in der arabischen Welt, auch und besonders Ägypten.

Es wäre zu einfach, solche Argumente nur als Feigenblatt für die Geldgier von Geschäftemachern abzutun, auch im Fall Ägyptens. So wenig der Umgang des Regimes mit westlichen Prinzipien von Demokratie und Freiheit gemein hatte, so groß die Armut breiter Schichten im Land auch weiterhin ist. Ohne enge Kontakte und Beziehungen zum Ausland wären die Zustände dort sicher noch viel schlechter, auf rein wirtschaftlichem wie auch gesellschaftlichem Gebiet. Die Tourismus-Industrie etwa ist der größte Devisenbringer und Arbeitsplatz-Beschaffer. Selbst wenn die Haupt-Nutznießer natürlich die reichen Besitzer sind und nicht das einfache Personal.

Und die jetzt so oft beschworene "Facebook-Revolution" beweist doch auch auf ihre Weise, welch weiten Weg das Land gemacht hat. Vor Jahren noch schien die arabische Welt das Computer-Zeitalter verschlafen zu haben. Heute gehört Ägypten mit zu den Führern. Zum Beispiel gibt es überall Internet-Cafés, in denen sich unter anderem zehnjährige Schulschwänzer treffen und - unbewusst vielleicht - mehr lernen als im Unterricht.

Nun macht all dies nicht wett, dass das Ausland zu den negativen Dingen im Lande nichts, auf jeden Fall aber zu wenig gesagt und getan hat. Generell spielte hier sicher auch die Idee eine Rolle, das Regime Hosni Mubaraks sei ein zuverlässiger Partner gegen islamistischen Terrorismus. Und nicht nur Deutschland war natürlich gerne bereit, Mubarak dafür zu belohnen, dass er am Frieden mit Israel festhielt, den sein Vorgänger Sadat geschlossen hatte. Und wofür dieser von Extremisten ermordet wurde.

Autor: Peter Philipp
Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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