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Kultur

Ohne Beton läuft nichts

Offiziell begannen die Bauarbeiten für das Berliner Holocaust-Mahnmal vor einem Jahr. Doch die Bagger haben sich bisher nicht bewegt.

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Modell des Mahnmals von Peter Eisenman

15 Jahre hat die Vorbereitung gedauert. Nach heftigen Diskussionen, einem spannenden Wettbewerb und einer noch spannenderen Phase der Veränderungen des eigentlich preisgekrönten Siegerentwurfes von Peter Eisenman, sollte im September 2002 mit dem Bau begonnen werden. Die offizielle Homepage der Mahnmal-Stiftung kündigt noch jetzt den Start für den "Sommer 2002" an.

Doch vor dem tatsächlichen Baubeginn liegen die Tücken des deutschen Vergaberechts bei öffentlichen Aufträgen. Wer dieser Tage an dem 19 000 Quadratmeter großen Gelände neben dem Brandenburger Tor vorbeikommt, sieht, dass er nichts sieht. Kein Bagger rührt sich.

Aber 2004 soll alles fertig sein, der Termin stehe fest. Das behaupten zweckoptimistisch und sehr bestimmt der Berliner Bausenator Peter Strieder und die Geschäftsführerin der auftraggebenden Stiftung "Mahnmal für die ermordeten Juden Europas", Sibylle Quack.

Fehler im Vergabeverfahren

Doch eine Betonfirma hat alles gestoppt. Das Mahnmal wird bekanntlich aus ungefähr 2700 Betonstelen bestehen, die ein gigantisches Gräberfeld evozieren sollen. Ein so großer Auftrag muß öffentlich ausgeschrieben werden. Um die Angelegenheit zu beschleunigen, wollte die Berliner Bauverwaltung ein nicht offenes Auswahlverfahren durchziehen.

Schritt für Schritt siebte die Behörde dabei in Absprache mit dem Architekten Eisenman aus den Bewerbungen die ihrer Meinung nach ungenügenden Angebote aus. Doch eine Baufirma, die auf diese Weise aus dem Verfahren ausscheiden sollte, legte Beschwerde ein und bekam Recht.

Gegen diesen Entscheid der so genannten Vergabestelle (eine beim Justizsenat eingerichtete Schiedsstelle) vom 29. Juli 2002 hätte die Berliner Bauverwaltung im Auftrag der Mahnmal-Stiftung natürlich klagen können.

Doch ein solcher Verwaltungsgerichts-Prozess hätte sich wahrscheinlich in die Länge gezogen. Mit einem Jahr Bauverzögerung wäre mindestens zu rechnen gewesen. "Das wollten wir auf keinen Fall riskieren. Da ist eine Neuauflage des ganzen Vergabeverfahrens der sinnvollere Weg", meint die Geschäftsführerin der Stiftung, Sibylle Quack gegenüber DW-WORLD.

So dachte wohl auch Berlins Baussenator Strieder (SPD), der im Sommer kurzerhand das angefochtene Auswahlverfahren ganz auflöste und ein neues, diesmal europaweites Verfahren ankündigte.

Erleichterung über die Blamage?

Richtig unglücklich mit der Neuauflage und Änderung der Ausschreibung ist überraschenderweise niemand. "Die im alten Verfahren eingegangenen Angebote waren zu hoch und es waren zu wenige", so Sibylle Quack. Denn die Stiftung hat nur 27 Millionen Euro für alle Arbeiten zur Verfügung, mehr darf es am Ende nicht kosten. Fast alle Angebote lagen indes weit darüber, bin hin zur doppelten Summe.

Nun wird europaweit nach Baufirmen gesucht, die Vorgaben sollen noch genauer ausformuliert werden als bisher, "und wir verlangen nun größte Transparenz", so Sibylle Quack im Gespräch mit DW-WORLD. "Ich muss mich doch darauf verlassen können, dass es eine Bauverwaltung ordentlich durchführt".

Also doch leise anklingende Zweifel an den Fähigkeiten der Berliner Verwaltung, wo die Bauverwaltung nicht weiß, womit sie bei der Schiedsstelle der Kollegen vom Justizressort scheitert? Die Sprecherin des Berliner Bausenators Strieder, Petra Roland, meinte gegenüber DW-WORLD: "Unsere Juristen meinen, sie hätten vor Gericht gute Chancen gehabt." Doch die Zeit, die man für einen neuen Wettbewerb brauche, sei eben kürzer, als das Warten auf ein Gerichtsurteil.

Diese nach außen hin demonstrierte Selbstsicherheit wird allerdings durch die vielen Äußerungen relativiert, die im Grunde genommen Erleichterung über das nun größere und offene Auswahlverfahren durchblicken lassen.

Am 14. November wird das Kuratorium der Mahnmal-Stiftung über die neue Ausschreibung beraten. Nur wenn diesmal alles gut geht, könnte dann im nächsten Frühjahr tatsächlich mit dem Bau begonnen werden.

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