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Wirtschaft

Oh, wie schön ist Panama!

Es ist eine lateinamerikanische Erfolgsgeschichte. 100 Jahre nach seiner Eröffnung hat sich der Panamakanal von einem Militär-Projekt der USA in ein Symbol für den wirtschaftlichen Aufstieg Panamas verwandelt.

"Natürlich feiern wir den 100. Geburtstag. Doch für uns ist dieses Jubiläum nicht so wichtig wie die Rückgabe des Kanals an Panama am 31. Dezember 1999", erklärt Francisco Miguez, stellvertretender Finanzchef der staatlichen Kanalverwaltung ACP (Autoridad del Canal de Panamá).

Der Grund für das wachsende Selbstbewusstsein in Panama ist die wirtschaftliche Erfolgsbilanz der Wasserstraße zwischen Pazifik und Atlantik. Während 1995 unter der amerikanischen Aufsicht gerade einmal 200.000 Container den Kanal passierten, sind es heute fünf Millionen Stück pro Jahr.

Als erstes Schiff fuhr das Paketboot "Ancona" am 15. August 1914 mit 200 Passagieren durch die 80 Kilometer lange Wasserstraße. Seitdem hängt die Wirtschaft des kleinen mittelamerikanischen Landes mit seinen 3,8 Millionen Einwohnern am Tropf des Kanals.

Rund eine Milliarde US-Dollar werden nach ACP-Angaben jährlich aus den Gewinnen des Geschäftes in den Staatshaushalt überwiesen. Bis zum Jahr 2025 sollen die Zuwendungen auf vier Milliarden Dollar anwachsen.

Nutzung auf unbestimmte Zeit

Während der US-Administration spielten betriebswirtschaftliche Kriterien eine untergeordnete Rolle. 1902 kauften die USA die Pläne für den Bau des Panamakanals von einer französischen Auffanggesellschaft. 1903 besetzten US-Truppen das Gebiet und handelten einen Staatsvertrag aus, der die Nutzung der Kanalzone auf unbestimmte Zeit festschrieb.

Während der Bauarbeiten zwischen 1905 und 1914 starben rund 6000 Menschen an Unfällen und Krankheiten. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor der Kanal seine geostrategische und wirtschaftliche Bedeutung, weil sich die Transportkosten von der West- zur Ostküste in den USA durch den Ausbau von Straßen und Eisenbahnlinien verringerten.

Bauarbeiten am Panamakanal (Foto: AP Photo/Arnulfo Franco)

Expansion: Der Panamakanal ist zurzeit die größte Baustelle der Welt

"Die USA hätten ihre Administration verbessern und den Kanal wesentlich früher als 1999 an Panama zurückgeben müssen", erklärt Noel Maurer, Professor an der Havard Business School. In seinem Buch "The Big Ditch" (Der große Graben) hat Maurer die Geschichte des Kanals aus US-amerikanischer Perspektive untersucht.

Unter der Aufsicht von Panama entwickelte sich die Schiffspassage ab dem Jahr 2000 zu einem globalen Knotenpunkt. 144 internationale Seefahrtsrouten führen durch den Kanal, die größten Nutzer sind China, USA, Ecuador und Chile.

Ein Kanal, der Berge versetzt

Zum hundertjährigen Geburtstag lautet die Devise:

Expansion

. Es scheint, als wollte Panama testen, ob der Kanal, der bereits jetzt als achtes Weltwunder gilt, für ein weiteres Wunder taugt. Rund fünf Milliarden Dollar fließen in den Ausbau, der eigentlich zum Jubiläum abgeschlossen sein sollte, nun aber erst Ende 2015 fertig wird.

Berge wurden gesprengt, Zufahrten ausgeschachtet und riesige Schleusentore auf dem Grund des Wassers montiert. In Zukunft sollen auch Frachter der sogenannten Post-Panamax-Klasse mit bis zu 14.000 Standardcontainern die Wasserstraße passieren.

Damit nicht genug. Francisco Miguez von der Kanalverwaltung kündigte im Gespräch mit der DW an, schon jetzt über den Bau eines vierten Schleusensystems nachzudenken. "Wir sind dabei, die Nachfrage und die technischen Anforderungen zu prüfen", so Miguez. "Obwohl die dritte Schleuse noch nicht fertig ist, denken wir schon an die nächste Stufe".

Bisher sind die Ausbauarbeiten von dem Konsortium "Grupo Unidos por el Canal" (Gupc) ausgeführt worden, denen Firmen aus Spanien, Italien, Belgien und Panama angehören. Künftig will auch China bei der Erweiterung mitmischen.

China expandiert in Mittelamerika

Der Baukonzern "China Harbour Engineering Company" (CHEC) bekundete erst in der vergangenen Woche (08.08.2014) sein Interesse "an allen Entwicklungsprojekten des Panamakanals in den kommenden Jahren, insbesondere an der Entwicklung, Konstruktion und Finanzierung des vierten Schleusensystems mitzuwirken".

Auch im Nachbarland Nicaragua verfolgen chinesische Firmen große Pläne. Nach Medienberichten will dort die chinesische Firma "Hong Kong Nicaragua Canal Development" (HKND) einen 278 Kilometer langen Kanal zwischen Pazifik und Atlantik bauen lassen. Rund 50 Milliarden Dollar soll das

umstrittene Mammutprojekt

kosten, für das mindestens 400.000 Hektar Urwald abgeholzt werden müssen.

Nicaraguas Präsident Daniel Ortega und der chinesische Unternehmer Wang Jing unterzeichnen Vertrag für Bauvorhaben des Nicaragua-Kanal (Foto: Inti Ocon/AFP/Getty Images)

Großer Kanal, große Zukunft? Nicaraguas Präsident Daniel Ortega (l.) und der chinesische Unternehmer Wang Jing verkünden den Bau des "Gran Canal de Nicaragua"

Der Plan stößt bei Experten auf große Skepsis. "Ich glaube nicht, dass China wirklich einen neuen Kanal bauen will, das Projekt ist einfach zu überdimensional", meint Wirtschaftsprofessor Noel Maurer. "Wahrscheinlich geht es den Chinesen nur darum, sich die Rechte für eine Freihandelszone zu sichern, die ebenfalls Bestandteil des Vertrags mit Nicaragua sind."

Finanzfachmann Francisco Miguez von der Kanalverwaltung hält das Mammutvorhaben schlicht für utopisch. "Die jetzige Nachfrage wird vom Panamakanal perfekt abgedeckt. Wir bezweifeln, dass dieses ehrgeizige und riskante Projekt sich jemals als rentabel erweisen wird", kommentiert er das Konkurrenzvorhaben.

Doch Utopien haben ein langes Leben. Schließlich vergingen 385 Jahre, bis die Pläne für den Panamakanal, die erstmals 1529 im Auftrag von Kaiser Karl V. ausgearbeitet wurden, in die Praxis umgesetzt wurden. Für ein neues Weltwunder hätte Nicaragua also noch viel Zeit.

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