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Oh Gott, oh Gott!

Wer oder was Gott ist, darüber wird philosophiert, erbittert gestritten und werden Kriege geführt. All das liegt der Sprache natürlich fern. Sie geht Wege, die so unergründlich sind wie die Wege des Herrn selbst.

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Oh Gott, oh Gott!

Gott ist das Absolute, das ganz Andere, etwas, das jenseits jeder menschlichen Vorstellung und Erfahrung liegt. Gut, diese Definition ist ziemlich abstrakt, aber so oder ähnlich wird die Bedeutung des Wortes „Gott“ im Lexikon beschrieben. „Gott“ oder „ein Gott“ ist allmächtig, übernatürlich, unsterblich und unbegreiflich. Da kommen wir der Sache schon näher. Doch wie ist das Wort „Gott“ entstanden?

Gott: die Wortherkunft

Bevor das Gebiet des heutigen Deutschland christianisiert wurde, gab es im Germanischen das Wort  „*guþ“. Es ist vermutlich eine Abstraktbildung mit ableitendem „t“ zu dem indogermanischen Wort „gheu“, das so viel bedeutet wie „gießen“, besonders bei Opferhandlungen. Übertragen wurde es dann auf einen Gott, zu dessen Ehren ein derartiges Opfer stattfand.

Keramischer Kernos aus Phylakop (Marie-Lan Nguyen)

Trankopfer gab es nicht nur bei den Germanen, sondern auch bei Griechen und Römern

Dieser Gott war ursprünglich weder männlich noch weiblich. Denn vor der Christianisierung gab es mehrere Götter – auch weibliche. Erst danach stand „Gott“ als Bezeichnung für den Christengott: ein Mann.

Ab sofort gab es dann auch nicht mehr mehrere Götter, sondern nur noch einen Gott. Vorher war „Gott“ eine Beschreibung, jetzt war es ein Name. Jetzt hieß es nicht mehr „der Gott“, sondern nur noch „Gott“.
 

Grüß Gott!

Ein Mann mit Trachtenhut (picture-alliance/dpa/P. Kneffel)

In Bayern sagt man „Grüß Gott“

Jenseits von religiösen Zusammenhängen, also von „Gotteshaus“, „Gottesdienst“ oder  „Gotteslob“, ist das Wort „Gott“ immer wieder in der deutschen Sprache anzutreffen. Am häufigsten in den Gegenden, wo man zur Begrüßung nicht „Guten Tag!“ oder „Hallo!“ sagt, sondern „Grüß Gott!“.

Das gilt vor allem im sogenannten oberdeutschen Sprachraum, also in Süddeutschland, Österreich und mit einer leichten Abwandlung auch in der Schweiz. Dort heißt es allerdings „Grüezi!“.

„Grüß Gott!“ ist hierbei eine Abkürzung von „Grüß dich Gott!“. Das bedeutet nicht, dass der so Angesprochene von Gott selbst gegrüßt werden soll. Die Grußformel stammt mal wieder aus dem Mittelalter. Im Mittelhochdeutschen gab es das Verb „grüezen“, das hieß unter anderem auch „segnen“. „Grüß Gott!“ ist also eine Kurzform von „Möge dich Gott segnen!“.

Wenn du ihn siehst …

Diese Bedeutung dürfte auch in Süddeutschland den meisten Menschen unbekannt sein. Im Norden reagiert man gerne mit leichtem Befremden auf diese oft als sehr fromm empfundene Grußformel. Deshalb wird auf „Grüß Gott!“ schon mal mit: „… wenn ich ihn sehe. Und wenn nicht, seine Frau!“ geantwortet.

In Gottes Namen

Barack Obama schwört auf die Bibel, neben ihm seine Frau Michelle (picture-alliance/Zumapress/M. Gail)

Auch Barack Obama schwor bei seiner Amtseinführung auf die Bibel

Gott wird – oder eher wurde – in der deutschen Sprache gern verwendet, wenn es galt, etwas zu bekräftigen. Wenn Minister, Richter oder Beamte einen Eid leisten, heißt es im Text: „… so wahr mir Gott helfe“ oder „Ich schwöre bei Gott“. Allerdings kann auf diese christlich geprägten Formeln inzwischen verzichtet werden; auch werden sie langsam unüblich.

In der Alltagssprache ist die Anrufung Gottes allerdings noch weit verbreitet. Wer etwas schrecklich findet, sagt „um Gottes Willen!“, manchmal auch „um Himmels Willen!“. Auch der Ausruf „Oh Gott!“ für ungläubiges Staunen ist üblich. Wenn etwas nicht klappt, dann heißt es: „Herrgott noch einmal!“. Und ein Seufzer der Erleichterung geht oft mit einem „Gott sei Dank!“ einher.

Gottverfluchter Mist und göttliche menschliche Götter

FIFA Gala zur Wahl des Weltfußballers Cristiano Ronaldo (Reuters/R. Sprich)

Für viele ist der Portugiese und mehrfache Fußballer des Jahres, Cristiano Ronaldo, ein Fußballgott

Obwohl es in der Bibel heißt: „Du sollst nicht fluchen, den Namen Gottes nicht verunehren“, macht genau das anscheinend besonders viel Spaß.

Ob nun „Herrgott noch einmal!“, „gottverdammich“, „gottverfluchter Mist!“ oder das bayrische „Herrgottsakra!“: mit dem Wort „Gott“ flucht es sich besonders schön.

Es gibt aber auch das Gegenteil. Etwas sehr Schönes ist „göttlich“, und wer etwas besonders gut kann, ist auf seinem Gebiet ein Gott – etwa ein Fußballgott, ein Gitarrengott oder ein Sexgott.

Aussterbende Redensarten

Je mehr Gott aus dem Alltag der Menschen verschwindet, desto weniger werden die eigentlich zahlreichen Redensarten, die sich auf Gott beziehen, genutzt. Viele von ihnen sind ein Ausdruck davon, dass man Gott vertrauen soll und sich selbst nicht so wichtig nehmen soll. Es heißt zum Beispiel: „Gottes Wege sind unergründlich“ oder „Der Mensch denkt und Gott lenkt“.

Auch Ausdrücke wie „Mein Schicksal liegt in Gottes Hand“ oder „Der Herrgott wird’s schon richten!“ klingen im 21. Jahrhundert ziemlich antiquiert.

Um Gottes Willen!

Ob man es nun bedauert oder nicht: Sprachlich gesehen ist Gott auf dem Rückzug. Okay, es gibt noch die „Götterspeise“ und den „Gottmodus“ im Computerspiel. Doch wenn eines Tages von den vielen göttlichen Wörtern nur noch das Chat-Akronym „Omg“ übrig ist, dann könnte man schon mal ausrufen: „Um Gottes Willen!“

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