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Amerika

Oh Amerika!

Eine neue Posse im Einreise-Bürokratie-Wahn der USA: Künftig sollen alle Touristen bei ihrer Einreise zehn Dollar bezahlen. Aber das ist noch gar nichts: Wehe dem, der versucht, ein normales Studenten-Visum zu bekommen.

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Landen dort böse deutsche Studentinnen?

Oh Amerika, du Traum meiner schlaflosen Nächte. Du Ausgeburt der Freiheit, Offenheit und Grenzenlosigkeit. Es sei denn natürlich, man ist Feind der Freiheit, Guantanamo-Anwärter, nordkoreanischer Kommunismus-Held - oder man ist Student...

Bürokratie über allem

Harmlose deutsche Studentin sucht den Weg in die USA. Von wegen einfach in den Flieger. Denn da ist ja immer noch die amerikanische Bürokratie - und die ist schlimmer als die Deutsche. Sie ist schlimmer als der Versuch auf Serbokroatisch einen biometrischen Reisepass im Einwohnermeldeamt von Bad Salzuflen zu bekommen - denke ich zumindest. Denn eines haben sie alle kapiert in der große Maschinerie des Studenten-für-ein-Semester-ins-Ausland-schleusen: Man kann damit Geld machen.

Impfattest und Bankbescheinigung

Hürde und Abzocke Nummer 1: Der Sprachtest. Hast du den bestanden, kommt du in die heiße Behörden-Phase: Die Uni überflutet dich mit schätzungsweise 86 seitenlangen Emails, was du alles einzureichen hast. Zum Beispiel eine Impfbescheinigung über sämtliche Kinderkrankheiten, fehlt nur noch die Katzengrippe und die Hundestaube.

Und eine Bankbescheinigung auf Englisch, dass deine Eltern 14.000 US-Dollar auf dem Konto haben. Überhaupt kein Problem, wenn man den Sparkassechef bestochen hat - sonst: Ein Drama. Oder haben wir nicht etwa alle 14.000 US-Dollar auf dem Konto?

Drama um ein Visum

Erst wenn das alles formvollendet, mit Datum, und - das ist jetzt kein Scherz - notariell beglaubigt ist, kommen die Visumsunterlagen. Und der Spaß beginnt von neuem...

Online die Überweisungsberechtigung der Visumsbearbeitungsgebühr beantragen: 74 Euro weg.

Biometrisches Foto machen lassen, bittre aber im amerikanischen Format, fünf mal fünf Zentimeter. Der Fotograf freut sich und nimmt dir 20 Euro ab - weil es so ein Sonderformat ist.

Dreitausendfünfhundertfünfundachtzig Formulare mit kruden Namen ausfüllen wie DSX-350-Mi. Bisher dachte ich, so lauten nur die Seriennummern von Nokia-Handys…

Hotline zur Botschaft

Symbolbild Telefon

Und dann das Highlight: Termin machen bei der amerikanischen Botschaft. Über eine 0900-Hotline-Nummer. 1,89 Euro pro Minute. Das Geld rinnt einfach so weg. Eine noch nicht mal freundliche Automatenstimme erzählt mir sechs Minuten lang in der Warteschleife, was ein Visum ist und wie ich es beantrage.

Nach sechs Minuten meldete sich ein Typ. Ich halte an mich, schreie nicht: "Termin schnell!" Ich rede nur schneller. Muss meinen Namen buchstabieren, alle Vornamen, verfluche meine Eltern, das sie sich nicht für einen entscheiden konnten. "Bitte den Namen noch mal wiederholen." … "Oh ein Systemfehler, bitte bleiben sie kurz in der Leitung." … "Oh, ich habe Ihren Namen falsch eingegeben, bitte wiederholen sie ihn noch einmal." Adresse, Geburtstag, Geburtsort. Bodymaße vielleicht auch noch? Reisepassnummer, Reisepassausstellungsdatum… Der Typ an der anderen Seite der Leitung wurde gut geschult, er spricht so langsam, dass ich das Gebührenrattern förmlich hören kann. Und dann wieder "ein Systemfehler…bitte warten".

Nach zehn Minuten die Frage: "Welchen Termin hätten Sie denn gerne?" Ich stelle mir vor, wie ich den Callcenter-Mann langsam mit seinem Headset erwürge…und dabei die amerikanische Nationalhymne singe.

Zu Hause bleiben!

Sollte ich jemals wieder auf die Idee eines Auslandaufenthaltes kommen, bleibe ich in Europa. Ich geh nach Holland. Oder noch besser ist da Deutschland. Denn, wie ich von einem amerikanischen Austauschstudenten an der Uni erfahrne habe, ist er für sein Auslandssemester einfach mal eingereist.

Sein Visum gab's dann später, ganz entspannt, mit einem liebevollen Stempel auf dem Einwohnermeldeamt in Paderborn.

So einfach geht das…

Autorin: Anna Kuhn-Osius

Redaktion: Anne Herrberg