1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Offensive gegen Kandahar

Der Krieg gegen das Taliban-Regime in Afghanistan tritt in eine entscheidende Phase. Die USA setzten erstmals massiv Bodentruppen ein, der Norden Afghanistans ist fast völlig unter der Kontrolle der Nordallianz.

default

US-Marinesoldaten auf dem Weg nach Afghanistan

Sieben Wochen nach dem Beginn der Luftangriffe auf Afghanistan haben die USA ein größeres Kontingent von Marineinfanteristen in Südafghanistan stationiert. Ein Feldflugplatz nahe der Stadt Kandahar dient dabei als Brückenkopf für die kommenden Operationen. Über 1000 Soldaten der USA sind dort im Einsatz, um möglicherweise die Führung der Taliban, Osama bin Laden und Angehörige der Terrororganisation Al Kaida zu verhaften oder zu töten. Zudem soll die Stadt Kandahar, die das Zentrum der Taliban-Bewegung ist, erobert werden. Laut verschiedenen Berichten aus dem Kampfgebiet kam es bereits zu Gefechten mit Taliban-Truppen, die sich dem Stützpunkt näherten. Sie wurden von US-Kampfhubschraubern beschossen. Auch die Stadt selbst wurde bereits aus der Luft angegriffen. Wie Anwohner berichten, habe auf dem Flugplatz bis vor wenigen Tagen noch der persönliche Hubschrauber von Taliban-Oberhaupt Mullah Omar gestanden.

Taliban-Revolte nahezu beendet

Die Revolte im Gefangenenlager bei der nordafghanischen Stadt Masar-i-Scharif ist so gut wie niedergeschlagen. Laut Fernsehberichten befanden sich nur noch etwa ein Dutzend Gefangener im Aufstand. Amerikanische und britische Spezialeinheiten waren in das Lager eingedrungen. Am Sonntag hatten sich dort über 600 Taliban dem General der Nordallianz, Dostum, ergeben und anschließend den Waffenstillstand gebrochen. Mit Handgranaten töteten sie ihre Bewacher, auch ein Reporter des deutschen Fernsehens geriet in das anschließende Feuergefecht. Seither wurden mehr als 100 Kämpfer der Nordallianz- und über vierhundert gefangene Taliban getötet. Die USA bombardierten die Festung massiv aus der Luft.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden fünf US-Soldaten nahe der Festung durch eine fehlgeleitete Bombe verletzt. Sie seien nach Usbekistan geflogen worden und sollten zur medizinischen Versorgung zum US-Stützpunkt in Ramstein gebracht werden.

Russische Einheit in Kabul gelandet

Für Aufsehen sorgte eine russische Einheit, die in der Nacht zum Dienstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul angekommen ist. Die 90 Mann starke Einheit gehöre zum russischen Ministerium für Katastrophenschutz und habe die Aufgabe, ein Lazarett aufzubauen und die russische Botschaft wieder benutzbar zu machen, sagte ein Angehöriger der Truppe. Es handele sich nicht um eine Armeeeinheit. Sie schlug ein Lager auf einem freien Platz hinter der deutschen Botschaft auf. Zwölf Jahre nach dem Abzug der sowjetischen Besatzungstruppen aus Afghanistan verbreitete sich die Nachricht über die Landung der russischen Einheit wie ein Lauffeuer. Laut der Nordallianz war die Landung abgesprochen gewesen.

Die Sowjetunion war Ende 1979 nach Afghanistan einmarschiert. Damit begannen 22 Jahren Krieg und Bürgerkrieg, in denen das Land zerstört wurde.