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Afghanistan

Offensive der afghanischen Taliban treibt Tausende in die Flucht

Die radikal-islamischen Aufständischen haben im Norden Afghanistans weitere Gebiete eingenommen. Viele Zivilisten versuchen, sich vor den Kämpfen zwischen Extremisten und Regierungstruppen in Sicherheit zu bringen.

Hunderte Familien mit Kindern seien in der Nähe der nordafghanischen Stadt Kundus auf der Flucht vor den Taliban, berichtet der norwegische Flüchtlingsrat, der in der Stadt ein Büro unterhält. Wie die Helfer weiter mitteilten, sind zwei Bezirke in der Provinz Kundus besonders betroffen. Einer davon, der Bezirk Kal-e-Sal, sei inzwischen vollständig unter Kontrolle der Taliban. Im Distrikt Chanabad dauerten die Kämpfe an.

Taliban-Kämpfer hätten sein Haus in der Ortschaft Ak Tapa von der einen Seite beschossen, die Sicherheitskräfte von der anderen, sagte Rahman Gerdi den norwegischen Flüchtlingshelfern nach seiner Flucht in die Stadt Kundus. Eine Granate habe seinen Garten getroffen. "Wir haben alles zurückgelassen", beklagte der 29-Jährige, der mit Frau und zwei Töchtern aus dem Bezirk Kal-e-Sal geflohen ist. "Ich habe Angst, dass nun alles geplündert wird." Abdul Karim sagte den Helfern nach seiner Flucht nach Kundus, die Taliban hätten ihn aufgefordert, sein Haus zu verlassen und keine Schwierigkeiten zu machen.

Nach Angaben eines Polizeisprechers in Kundus hatten sich die Sicherheitskräfte am Samstag nach mehr als 24-stündigen schweren Kämpfen aus Kala-i-Sal zurückgezogen, um weitere zivile und militärische Opfer zu vermeiden. Die Taliban erklärten, sie hätten die Polizeizentrale des Bezirks, die Residenz des Gouverneurs und alle Checkpoints der Sicherheitskräfte unter ihrer Kontrolle.

Im Zuge ihrer diesjährigen sogenannten Frühjahrsoffensive, die die Taliban am 28. April starteten, hatten die Aufständischen ihre Angriffe in der Provinz Kundus verstärkt. Hauptziele seien die ausländischen Truppen im Land, deren militärische Infrastruktur sowie "die Vernichtung ihrer einheimischen Söldner". 

Die Taliban sind wieder erstarkt, seit der US-geführte NATO-Kampfeinsatz in Afghanistan Ende 2014 in einen Ausbildungseinsatz umgewandelt und die ausländischen Truppen reduziert wurden. In der Provinz Kundus, wo bis 2013 auch die deutsche Bundeswehr stationiert war, gelang es ihnen 2015 und 2016 vorübergehend die gleichnamige Provinzhauptstadt zu erobern.

qu/se (dpa, afpe)