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Asien

Offene Fragen nach Fährunglück

Technische Probleme oder Kollision mit einem Felsen - noch gibt es verschiedene Vermutungen, was zum Untergang der Fähre "Sewol" geführt haben könnte. Einige Überlebende wollen eine Explosion gehört haben.

"Es gab einen lauten Knall, und dann bekam das Schiff Schlagseite", erinnert sich ein Überlebender des Fährunglücks gegenüber der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. "Im Bauch des Schiffes waren Restaurants und Geschäfte untergebracht, und dort befanden sich Menschen." Menschen, die dann in einer tödlichen Falle saßen - so wird befürchtet. Noch ist nicht klar, wie viele der mehr als 470 Passagiere und Besatzungsmitglieder bei dem Unglück ums Leben gekommen sind. Zunächst war von etwas mehr als 100 Vermissten die Rede, später aber korrigierte die südkoreanische Regierung diese Zahl deutlich nach oben. So gelten mittlerweile fast 300 Menschen offiziell als vermisst, darunter viele Jugendliche. Denn mehr als die Hälfte der Passagiere waren Schüler, unterwegs zu einem Ausflug.

Die auseinandergehenden Angaben seien nicht darauf zurückzuführen, dass die Behörden das Ausmaß der Katastrophe herunterspielen wollten. Es habe vielmehr logistische Gründe, meint Lars-André Richter, Vertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul. "Es sind mindestens drei verschiedene Parteien an der Rettungsaktion beteiligt: Fischer, Marine und Küstenwache. Niemand weiß genau, wieviele Passagiere beispielsweise von Privatleuten in ihren Booten gerettet werden konnten."

Undatiertes Bild der südkoreanischen Fähre im Wasser (Foto: REUTERS/Yonhap)

Die Unglücksfähre wurde 1994 in Japan gebaut

Technisches Versagen oder Kollision?

Auch, warum die 30 Kilometer westlich von Seoul ausgelaufene Fähre "Sewol" umkippte und sank, ist derzeit noch unklar. Das Schiff war unterwegs zur Ferieninsel Cheju, als es in Seenot geriet. Bei der Suche nach den Ursachen konzentriere man sich nach südkoreanischen Medienangaben vor allem auf zwei mögliche Theorien, so Richter gegenüber der Deutschen Welle. "Zum Einen könnte es technisches Versagen gewesen sein. Es gab Augenzeugenberichte von Überlebenden, die einen Knall gehört haben. Das könnte darauf hindeuten, dass es im Maschinenraum zu einer Explosion gekommen ist." Eine Explosion, bei der die Außenwand der Fähre beschädigt wurde - wodurch dann das Wasser eintreten konnte.

Daneben gibt es die Vermutung, dass es unter Wasser zu einem Zusammenstoß mit einem Felsen gekommen sein könnte. "Die geologische Situation vor Ort gilt als schwierig. Der Meeresgrund an dieser Küste ist sehr flach", erklärt Lars-André Richter von der Naumann-Stiftung. Es sei denkbar, dass das Schiff durch starke Strömungen zu nah an den Küstenbereich geschwemmt worden sei, wobei die Fähre nach derzeitigem Wissensstand von einem "erfahrenen Kapitän" gesteuert wurde. Einige Nachrichtenagenturen berichten zudem über schlechte Wetterverhältnisse und Nebel.

Falsche Einschätzung der Situation?

Helfer mit Mundschutz trägt in eine Decke gewickeltes, gerettetes Mädchen (Foto: REUTERS/Hyung Min-woo/Yonhap)

Tödlicher Schulausflug: An Bord der Fähre waren mehr als 300 Kinder und Jugendliche - unterwegs zur Ferieninsel Cheju

Überladen war die Unglücksfähre vermutlich nicht. Das 1994 in Japan gebaute Schiff war für mehr als 900 Passagiere und über 130 Autos zugelassen. Es sollen weniger als 500 Menschen und etwa 150 Autos an Bord der Fähre gewesen sein. Noch stehen die Rettungs- und Bergungsarbeiten im Mittelpunkt. Doch nach ihrem Abschluss könnten unangenehme Fragen aufkommen, glaubt Lars-André Richter. "Nach hiesigen Medienberichten haben Überlebende zu Protokoll gegeben, dass es - nachdem bereits klar war, dass etwas nicht stimmte - Anweisungen von Seiten der Besatzung gab: Die Passagiere sollten demnach zwar ihre Rettungswesten anziehen, aber ansonsten nichts unternehmen."

Vielleicht habe man so verhindern wollen, dass sich fast 500 Menschen gleichzeitig bewegen und das Schiff noch mehr Schlagseite bekomme, vermutet Richter. "Aber wenn man diesen Zeugenaussagen glauben kann, dann wurde die Dramatik der Situation offenbar nicht erfasst." Eine Fehleinschätzung mit dramatischen Folgen. "Das könnte dazu geführt haben, dass die Menschen sich nicht an Deck und in die Rettungsboote gerettet haben, sondern dort geblieben sind, wo sie von eindringenden Wassermassen erfasst wurden."

Die südkoreanische Regierung reagierte betroffen auf das schwere Fährunglück. Es werde alles daran gesetzt, Überlebende zu retten und Vermisste zu finden, ließ die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye über einen Sprecher mitteilen.

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