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Deutschland

OECD: Wenig Migranten im öffentlichen Dienst

Die Integration der Kinder von Zuwanderern hat in Deutschland in der letzten Dekade große Fortschritte gemacht, so eine OECD-Vergleichsstudie. Nur ein Sektor hinkt hinterher - peinlich vor allem für die deutsche Politik

Trotz Bildungserfolgen beommen Migranten im öffentlichen Dienst seltener eine Chance Foto: Waltraud Grubitzsch

Trotz Bildungserfolgen beommen Migranten im öffentlichen Dienst seltener eine Chance

Deutschlands Integrationsverweigerer sitzen auf Chefsesseln im öffentlichen Dienst. Zu diesem Schluss kommt eine OECD-Studie, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach nimmt Deutschland im Vergleich der 34 OECD-Mitgliedsstaaten bei der Beschäftigung von Zuwandererkindern im öffentlichen Dienst einen "traurigen Schlussplatz" ein, sagte Studienleiter Thomas Liebig: "In keinem anderen Land sind die Nachkommen von Migranten im öffentlichen Sektor so stark unterrepräsentiert wie in Deutschland“. 2008 arbeiteten demzufolge Zuwandererkinder gerade einmal halb so oft als Ärzte, Lehrer oder Beamte wie ihre 15- bis 34-jährigen Altersgenossen ohne Migrationshintergrund (siehe Grafik). Nur in Luxemburg, Belgien und Dänemark konnten die Statistiker eine ähnlich große Diskrepanz bei der Beschäftigungssituation in der öffentlichen Verwaltung und in öffentlichen Schulen, Krankenhäusern und Sozialdiensten feststellen.     

Zuwanderer im deutschen Arbeitsmarkt angekommen

Diese Beschäftigungslücke von Migranten im öffentlichen Dienst sei besonders deshalb alarmierend, weil hiervon eine Signalwirkung in die gesamte Gesellschaft ausgesandt werden könnte, betont Liebig. "Als Lehrer, Ärzte oder Richter können Migranten Vorbilder sein für andere." Mehr Migranten in Diensten des Staats, das würde jene positiven Trends verstärken, die vor allem im Bildungsbereich festzustellen seien. So stieg der Anteil der Hochqualifizierten unter den Neuzuwanderern laut Studie in der letzten Dekade um fünf Prozent an. "Die Neuzuwanderer sind heute wesentlich qualifizierter als sie es noch vor zehn Jahren waren". Besonders vorbildlich zeige sich dieser Bildungsschub in Deutschland, Dänemark, Luxemburg und den Niederlanden. In Deutschland haben heute zwölf Prozent mehr Neuzuwanderer einen Hochschulabschluss als noch vor zehn Jahren.

Ein Bildungsfortschritt, der sich positiv auf die Beschäftigungsraten für Migranten auswirke. 2010 lag die Beschäftigungsquote unter Migranten demnach im Schnitt bei 65 Prozent, also nur noch zwei Prozent weniger als bei Menschen ohne Migrationshintergrund im erwerbsfähigen Alter. Besonders gut seien Migranten in Deutschland in der Privatwirtschaft als Arbeitskräfte angekommen. In den OECD-Statistiken sind Kinder von Zuwanderern hier sogar leicht überrepräsentiert, nicht zuletzt im Vergleich zum öffentlichen Dienst.Vor allem hier zeige sich, schlussfolgert Liebig, dass ein hoher formaler Bildungsstand für sich genommen bei Zuwanderern noch keine Erfolgsgarantie darstelle.

Integration im öffentlicher Dienst sträflich vernachlässigt

Hat sie eine Chance, wenn sie selbst einmal Lehrerin werden will? Foto: Bernd Thissen

Hat sie eine Chance, wenn sie selbst einmal Lehrerin werden will?

Als eine der Hauptursachen für die schlechte Integration von Zuwandererkindern in den öffentlichen Dienst in Deutschland sehen die Experten der OECD vor allem den mangelnden politischen Willen an. "Da hat man sich bis vor wenigen Jahren einfach nicht richtig drum bemüht", kritisiert Liebig die vielen verschiedenen Aktionspläne der Bunderregierungen, die alle dieses Thema sträflich vernachlässigt hätten. "Erst im letzten nationalen Integrationsplan hat man dieses Versäumnis erkannt, erste Maßnahmen eingeleitet.“ Andere Länder hätten dagegen frühzeitig die Leuchtturmfunktion des öffentlichen Dienstes für eine gelungene Integration erkannt. Besonders fortschrittliche Integrationskonzepte hätten sich Norwegen, Belgien und Niederlande auferlegt, um so Migranten in der Breite der Gesellschaft sichtbarer zu machen. “Hier hängt Deutschland doch sehr stark zurück, was deshalb besonders bedauerlich ist, weil der Staat hier selbst einen Einfluss hat".   

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