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Wirtschaft

OECD und Weltbank überbieten sich in düsteren Prognosen

Die Weltbank erwartet 2009 erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg ein Schrumpfen der Weltwirtschaft. Die OECD ist noch pessimistischer und rechnet mit einem Minus von 2,7 Prozent.

Ortsschild Rezession Symbolbild

Die Prognosen für die Weltkonjunktur werden immer düsterer: Laut Weltbank schrumpft die globale Wirtschaft in diesem Jahr um 1,7 Prozent und damit zum ersten Mal überhaupt seit dem Zweiten Weltkrieg. Vor knapp zwei Wochen hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) noch ein Minus zwischen 0,5 und einem Prozent vorausgesagt. Der Welthandel werde in diesem Jahr um mehr als sechs Prozent einbrechen - so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr, heißt es im Wirtschaftsausblick der Weltbank, der am Dienstag (31.03.2009) in Washington vorgelegt wurde. In der Eurozone wird die Wirtschaft der Studie zufolge sogar um 2,7 Prozent schrumpfen.

Zwar sei bereits im kommenden Jahr eine moderate Erholung möglich, aber dieser Ausblick sei "höchst ungewiss", räumte die Weltbank ein. Sie rechnet für 2010 mit einem weltweiten Wachstum von 2,3 Prozent. In der Eurozone sieht die Organisation im kommenden Jahr lediglich ein schwaches Plus von 0,9 Prozent. Hingegen könnten die USA, der Ausgangspunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise, dann schon wieder um solide zwei Prozent zulegen.

Besonders Entwicklungsländer betroffen

Symbolbild Rezession Finanzkrise Weltwirtschaft Foto: dpa Grafik DW/Olof Pock 10.12.2008

Steil nach unten geht es laut OECD und Weltbank

Die globale Konjunkturmisere trifft der Studie zufolge auch die Schwellen- und Entwicklungsländer hart: Für sie erwartet die Weltbank in diesem Jahr nur noch ein deutlich gebremstes Wachstum von 2,1 Prozent. Dort sei 2010 aber schon mit einer Verdopplung auf 4,4 Prozent zu rechnen. Am stärksten werden laut Weltbank die Ärmsten unter dem Konjunkturabsturz leiden. Sie würden "noch verwundbarer als zuvor", sagte Weltbank-Chefökonom Justin Yifu Lin. Der Abzug von Kapital, der Absturz der Börsen und schlechtere Bedingungen auf den Kreditmärkten hätten das Investitionswachstum in Schwellen- und Entwicklungsländern praktisch zum Stillstand gebracht.

Auch die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung kommt zu ähnlich düsteren Prognosen. Besonders auf Deutschland kommen nach Einschätzung der OECD harte Zeiten mit wieder mehr als fünf Millionen Arbeitslosen zu. Die Wirtschaftslage werde sich wegen des drastischen Rückgangs der Exporte voraussichtlich weiter verschlechtern, heißt es in einem zum G20-Weltfinanzgipfel in London vorgelegten Sonderbericht der Organisation. "Unserer Prognose zufolge wird die Arbeitslosenquote auf 11,5 Prozent im Jahr 2010 steigen und damit die Marke von fünf Millionen Arbeitslosen übertreffen", sagte OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel in Paris. Die Rezession werde weltweit erhebliche gesellschaftliche Auswirkungen haben.

Für die Eurozone rechnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Jahr 2009 mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 4,1 Prozent. Die USA müssen mit einem Einbruch von 4,0 Prozent rechnen. Japans Wirtschaft könnte laut OECD um 6,6 Prozent abstürzen. "Der Konjunktureinbruch ist noch viel intensiver als wir ihn im November vorausgesehen haben", räumte Hebbel ein. "Die Weltwirtschaft befindet sich heute inmitten der tiefgreifendsten Rezession, die wir zu unseren Lebzeiten gesehen haben." Alle 30 OECD-Mitgliedstaaten seien betroffen.

Welthandel schrumpft um 13 Prozent

Symbolbild Deutschland Wirtschaft Rezession Fallender Index vor der Deutschland Flagge DW-Montage

In Deutschland bald wieder mehr als fünf Millionen Arbeitslose?

Angesichts der tiefsten und umfassendsten Rezession seit mehr als 50 Jahren wird laut OECD der Welthandel in diesem Jahr um mehr als 13 Prozent einbrechen. Die globale Wirtschaftsleistung sinkt in diesem Jahr um 2,7 Prozent, glaubt die OECD - das ist noch einmal um einen Prozentpunkt pessimistischer als die jüngste Weltbank-Prognose. Auch in den großen Schwellenländern werde sich das Wachstum verlangsamen. Die Ökonomen gehen davon aus, dass erst im kommenden Jahr infolge der von der Politik Konjunkturmaßnahmen eine Erholung beginnt.

Laut OECD werden die von den Regierungen ergriffenen Konjunkturmaßnahmen die Wirtschaftsleistung durchschnittlich um rund 0,9 Prozent in den Jahren 2009 und 2010 erhöhen. In den USA und Australien dürften die Maßnahmen in den beiden Jahren das Bruttoinlandsprodukt um mehr als ein Prozent höher ausfallen lassen. Wie effektiv die Maßnahmen sein werden, hängt laut Wirtschaftsausblick auch von deren Timing ab: Die Ökonomen empfehlen den Ländern, die dafür Spielraum haben, für 2010 über einen weiteren Impuls nachzudenken. Unter den großen Industrieländern (G-7) wären das vor allem Deutschland und Kanada. Angesichts des erwarteten drastischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit sollte der Schwerpunkt zusätzlicher Aktionen auf arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen liegen.

Weltbank gegen Abschottung der Märkte

Containerschiff Bild: DW-TV Made in Germany 2.12.2008

Schrumpfender Welthandel: Containerschiffe sind immer seltener ausgelastet

Weltbank-Präsident Robert Zoellick rief die G20-Staaten vor ihrer Konferenz am Donnerstag in London zu globalen Lösungen auf. Die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer müssten sich entschieden gegen eine Abschottung der Märkte als Folge der Krise stellen. "Dies ist nicht die Zeit für engstirnige nationale oder gar regionale Antworten", sagte Zoellick in London laut Redemanuskript.

Zwar erwartet die Weltbank schon im nächsten Jahr wieder ein Wachstum von 2,3 Prozent - doch diese Annahme werde von "extremen Unsicherheiten" durch eine Vielzahl von Einflüssen in Frage gestellt, hießt es in dem Papier weiter. Sollten die Probleme des Finanz- und Bankensektors andauern, könne es 2010 durchaus auch zu einem Nullwachstum oder gar zu einem weiteren Jahr mit schrumpfender Wirtschaftsleistung kommen. (we/ul/dpa/ap)