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Schumann at Pier2

„... oder Järvi macht einen Witz“

In der Rubrik "Ein Anruf bei..." hat das Klassikmagazin Crescendo ein Interview mit Christian Berger veröffentlicht. Das Interview zum Nachlesen gibt es hier.

Hallo, Herr Berger. Wobei stören wir Sie gerade?

Im normalen Leben bin ich Redakteur der Deutschen Welle. Da bereite ich gerade unseren Konzertfilm „Schumann at Pier 2“ nach und die große Kino-Präsentation vor.

So ein Zufall, genau darüber möchten wir mit Ihnen sprechen - ein unkonventionelles Filmprojekt, richtig?

Ja, ein Konzertfilm mit Paavo Järvi und der Kammerphilharmonie Bremen. Vor zwei Jahren hatten wir schon einen Film gemeinsam gedreht: „Das Beethoven-Projekt“, wo wir das Orchester und den Dirigenten porträtiert haben. Nun wollten die Musiker unbedingt wieder einen Film machen und damit die Schumann-Sinfonien vorstellen.

Dann geht‘s in diesem Film also weniger um die Bremer Musiker als um die Musik von Robert Schumann?

Richtig - um die Musik, aber auch um Robert Schumann selbst. Es ist aber dennoch kein biografischer Film, vielleicht fünf bis zehn Prozent Biografie und der Rest ist Musik. Wir haben versucht, eine Fernsehproduktion zu dieser Musik zu machen, die man im normalen Konzert so nicht machen kann. ..

...heißt konkret?

...wir haben eine Studioproduktion mit Publikum produziert. Im „Pier 2“ im Hafen von Bremen, das seit einigen Jahren als Veranstaltungsort für Rock- und Popkonzerte genutzt wird. Es ist eine Industriehalle. Dort steht ein alter Kran, die Wände sind schmucklos. Deswegen haben wir besonders mit Licht gearbeitet: Für jede Sinfonie haben wir eine eigene Grundfarbe gewählt...

...die dann auch mit der Musik harmoniert?

...das ist die Absicht! Die Frühlingssinfonie ist eher grün, die Rheinische blau, die zweite Sinfonie ist rot. Wir haben für jeden Satz – insgesamt sind es 17 – ein Motiv gewählt, das abstrakt, aber von der Musik inspiriert ist. Es soll den Charakter der Musik aufgreifen, ohne von der Musik abzulenken. Wir wollten einen modernen Look erzeugen.

Auch, indem Sie Musiker im Film integrieren, wie der Trailer ahnen lässt?

Ja, der Film hat drei Ebenen: Einmal das Konzert mit Publikum. Dann die Orchesterprobe, die am gleichen Ort aufgenommen wurde, aber optisch ganz anders aussieht. In der Probensituation sind wir die Beobachter: Oft wird nur Musik gespielt, manchmal gibt es Diskussionen, oder Paavo Järvi macht einen Witz. Die dritte Ebene sind Gespräche mit acht Musikern. Wir haben charakteristische Stellen der Musik rausgesucht, und die Musiker etwas dazu erzählen und die Stellen vorspielen lassen

Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet? Haben Sie mit der Partitur dagesessen und Schumann studiert?

Tatsächlich habe ich mich mit meinem Regieassistenten hingesetzt, und wir haben anhand der Partitur Kamerapläne gemacht. Wir haben acht Kameras! Jeder Kameramann muss jederzeit wissen, was zu tun ist.

Paavo Järvis Witze - erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung?

Wir waren Abendessen, und er sagte: „Have fun with Wladimir Putin and classical music!“ (lacht) Paavo hasst nichts mehr, als mit Putin verglichen zu werden, weil er ihm so ähnlich sieht. Aber er machte einen Gag draus. Das ist typisch für ihn: Er wirkt auf den ersten Blick sehr ruhig, aber er ist sehr selbstironisch, ein absoluter Glücksfall für uns: Er vergisst die Kamera, hat keine Scheu, das zu erzählen, was ihm durch den Kopf geht. Außerdem hat er eine sensationelle Mimik vor der Kamera – er hat einen tollen Ausdruck, ist einfach ganz er selbst: Paavo Järvi.

Interview: Anna Novák