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Deutschland

Oder-Deiche bisher stabil

In den brandenburgischen Gebieten an der Oder steigt die Flut und mit ihr die Sorge, dass die Deiche doch nicht halten. Für den Landkreis Oder-Spree wurde die höchste Alarmstufe ausgerufen. Und die Pegel steigen weiter.

Hilfskräfte verstärken einen Deich mit Sandsäcken (Foto: apn)

Die Pegel an der Oder steigen weiter

"Jetzt kriegt man langsam den Ernst der Lage mit. Das wird das zweithöchste Hochwasser, das die Oder in historischer Zeit erlebt hat", sagte der Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes, Matthias Freude. Allerdings seien die Deiche besser als noch bei der sogenannten Jahrhundertflut 1997. Auch die Helfer seien besser eingespielt.

Nach dem Ausrufen der höchsten Hochwasser-Alarmstufe vier am südlichen Abschnitt der Oder in Brandenburg steigen die Pegel weiter - inzwischen allerdings etwas langsamer. Für Frankfurt an der Oder und den Kreis Märkisch-Oderland galt zunächst noch die Alarmstufe zwei. Für Donnerstagabend (27.05.2010) erwarten die Behörden den Flutscheitel in Ratzdorf.

Eine mobile Hochwasserschutzwand wird an der Oder im brandenburgischen Ratzdorf errichtet (Foto: dpa)

Eine mobile Hochwasserschutzwand soll Ratzdorf vor der Flut schützen

Noch kein Katastrophenalarm

Am Nachmittag wurde in Ratzdorf im Landkreis Oder-Spree eine Wasserhöhe von 6,23 Metern erreicht. Bei der großen Flut von 1997 waren es in Ratzdorf 6,91 Meter gewesen.

Der Katastrophenstab wies darauf hin, dass das Ausrufen der höchsten Alarmstufe nicht mit einem Katastrophenalarm gleichzusetzen sei. Die Verantwortlichen seien lediglich aufgerufen, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. Mehr als 100 Deichläufer kontrollierten rund um die Uhr die Oder-Deiche. Sie sollen beschädigte Stellen melden, damit diese umgehend repariert werden können. In mehreren Städten wurden Sandsäcke an die Bewohner verteilt. In Frankfurt an der Oder haben viele Bewohner ihre Häuser damit bereits gegen das Hochwasser gerüstet, so etwa an der Alten Oder, einem Seitenarm des Stroms.

Platzeck bricht seinen Urlaub ab

Die Hochwasser führende Oder nahe Ratzdorf (Foto: dpa)

Einige Deichabschnitte im brandenburgischen Oder-Gebiet gelten als gefährdet

Sorgen bereiten den Behörden vor allem alte Deiche in der Neuzeller Niederung und ein im Bau befindlicher Deich in Brieskow-Finkenheerd bei Frankfurt an der Oder. Beide Deichabschnitte gelten als Schwachstellen. Seit Mittwochabend verstärkten Helfer einen Deichasbschnitt an der Neuzeller Niederung um bis zu 15 Zentimeter. Rudn 170 Einsatzhelfer schleppten 11.000 Sandsäcke auf den Deich. In der Nähe von Vogelsang im Landkreis Oder-Spree wurde ein Biberbau mit 2.500 Sandsäcken verbaut.

Ministerpräsident Matthias Platzeck brach seinen Urlaub ab und besuchte von Frankfurt/Oder aus mit einem Schlauchboot die Hochwassergebiete. Der Lage an der Oder sei ernst, sagt er. "Wir stehen zwar derselben Gefahr gegenüber wie 1997, haben aber das Gefühl, besser gewappnet zu sein." Platzeck lobte ausdrücklich die Kooperation mit Polen. "Die Arbeit mit den polnischen Nachbarn ist eien andere als vor 13 Jahren", sagte er am Deich bei Fürstenberg.

Umweltministerin Anita Tack sagte, sie sehe keinen Anlass zu großer Sorge. "Alle Prognosen sagen, dass die Werte von 1997 nicht erreicht werden. Das gibt uns die Sicherheit, dass die Deiche halten." Die Linken-Politikerin betonte, das Land sei auf das Hochwasser sehr gut vorbereitet. So seien für 220 Millionen Euro an der Oder die Deiche nach modernen Techniken gebaut oder saniert worden.

Krankenhaus im polnischen Slubice geräumt

Überschwemmungsgebiete in Polen (Foto: AP)

Überschwemmungsgebiete in Polen

Besonders schwierig ist die Lage in Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice, die zahlreiche tiefliegende Bezirke hat. Bürgermeister Ryszard Bodziacki rief die Bewohner auf, die Stadt während des Hochwassers möglichst zu verlassen. Ein Krankenhaus wurde vorsorglich evakuiert. Auch zwei Dörfer in der Nähe wurden geräumt. Die Stadt Frankfurt sicherte Slubice zu, Sandsäcke zu liefern.

Die Lage in den polnischen Hochwassergebieten an der Weichsel beruhigte sich derweil. Der Scheitel floss inzwischen in die Ostsee ab.

"Alles ist unter Kontrolle", meldete Polens Innenminister Jerzy Miller in Warschau. Wachsamkeit sei aber weiter gefragt, weil die extrem lange Flutwelle die Dämme geschwächt habe. Wegen Seuchengefahr gilt für die Weichsel ein Badeverbot.

Autorin: Ursula Kissel/Reinhard Kleber (dpa, apn)
Redaktion: Martin Schrader/Hajo Felten

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