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Aktuell Deutschland

Odenwaldschule stellt Insolvenzantrag

Die krisengeschüttelte Odenwaldschule steht kurz vor dem endgültigen Aus. Wie der Trägerverein mitteilte, wurde jetzt ein Insolvenzantrag gestellt. Damit erlischt wohl auch der letzte Funken Hoffnung für die Schule.

Noch im Mai hatte sich die Privatschule optimistisch zur eigenen Zukunft geäußert. Man habe die für den Weiterbetrieb erforderliche Summe von 2,5 Millionen Euro auftreiben können, teilten Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper und die Vorstandsvorsitzende des Trägervereins, Christiane Streitz, in Heppenheim mit. Anfang des Jahres erst hatte der Trägerverein ein komplett neues Leitungsteam für die Odenwaldschule vorgestellt, das einen Neuanfang starten und neues Vertrauen in das Konzept der Schule schaffen sollte.

Dazu wird es nicht kommen. Die Mai-Gehälter hätten nicht mehr gezahlt werden können, die Zahl der Schüler sei mit rund 80 auf einen Tiefststand gesunken, so der Trägerverein. Das aktuelle Schuljahr solle aber "klar und geordnet" zu Ende gebracht werden, so der Trägerverein.

Jahrzehntelanger Missbrauch

Die in Südhessen gelegene Odenwaldschule hatte vor fünf Jahren durch einen Missbrauchsskandal international Schlagzeilen gemacht. In den 1970er und -80er Jahren war es an dem Internat zu sexuellen Übergriffen von Lehrern gegen Schüler gekommen. Maßgeblich daran beteiligt war der damalige Schuldirektor Gerald Becker, der bis dahin als renommierter Pädagoge galt. Becker starb 2010, ohne strafrechtlich zur Verantwortung gezogen worden zu sein.

Zwar hatte es 1998 nach dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle eine Untersuchung gegeben, die strafrechtliche Aufarbeitung war jedoch 1999 von der Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen Verjährung eingestellt worden. Erst elf Jahre später strengte die seit 2007 amtierende Schulleiterin Margerita Kaufmann eine erneute Untersuchung der Missbrauchsfälle an. Ein Abschlussbericht nannte mindestens 132 Betroffene.

Prominente Ehemalige

Die Odenwaldschule galt lange Zeit als eine der bekanntesten deutschen Reformschulen. Sie wurde 1910 von Paul Geheeb gegründet und stellt das Lernen in der Gemeinschaft in den Vordergrund. Lehrer und Schüler lebten in einer Art von Wohngemeinschaften zusammen.

Zu den ehemaligen Schülern des Internats gehören zahlreiche Prominente wie Schriftsteller Klaus Mann, Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit , der Verleger Konstantin Neven DuMont, der Manager Wolfgang Porsche und die Unternehmerin Beate Uhse. Auch einer der Söhne des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker war hier Schüler.