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Wirtschaft

Oberster UN-Klimaschützer Yvo de Boer geht

Yvo de Boer kämpfte fünf Jahre an der Spitze des UN-Klimasekretariats gegen eine weitere Erderwärmung. Erfolg hatte er nicht. Jetzt wirft er das Handtuch.

Der Leiter des UN-Klimasekretariates Yvo de Boer (Foto: AP)

Yvo de Boer: Er habe Angst wie die WTO zu werden und ergebnislos immer weiter zu machen

Die wirklichen Lösungen müssten von der Wirtschaft kommen, das ist die Meinung von Yvo de Boer, und die Regierungen müssen dafür den notwendigen politischen Rahmen setzen.

Der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer in Kopenhagen

Klimakonferenz in Kopenhagen wird von Experten als Mißerfolg bewertet

Erst vor zwei Monaten hatte der Leiter des UN-Klimasekretariats miterlebt, wie die Weltklimakonferenz in Kopenhagen scheiterte – der politische Rahmen also nicht entstand. Nun meint er: "Die Zeit ist reif für mich", kündigt seinen Rücktritt zum 1. Juli an und wechselt nach fünf Jahren im Amt in die Privatwirtschaft. Eine neue Herausforderung hofft er künftig bei der Unternehmensberatung KPMG zu finden – als globaler Berater für Klima und Nachhaltigkeit. Außerdem wird er für mehere Universitäten arbeiten. Seine Entscheidung habe allerdings nichts mit dem enttäuschenden Ausgang von Kopenhagen zu tun, sagte de Boer in einem Interview.

Autoritärer Diplomat, der Emotionen zeigt

De Boer, ein Mann mit harten Gesichtszügen und einem scharfen Blick war vom früheren UN-Chef Kofi Annan für den Posten ausgewählt worden, weil Annan von de Boers Entschlossenheit beeindruckt war. Er habe bei ihm ein echtes Entsetzen über Gefahren, die ein Klimawandel mit sich bringen kann, gesehen - so Annan damals. Und er traute dem Niederländer zu, auch in verworrenen Situationen den Durchblick zu behalten. Besonders in den großen Klimaverhandlungen war de Boer in der Tat einer der wichtigsten Verhandlungsführer und Strippenzieher. Gemeinsam mit dem jeweiligen Gastgeber saß er auf dem Podium, versuchte die Meinungen aus den 192 Staaten zusammenzuführen und auf dieser Basis ein Abschlussdokument zu erstellen.

Yvo de Boer bricht auf der Klimakonferenz in Bali in Tränen aus (Foto: dpa)

Yvo de Boer bricht in Bali in Tränen aus

Obwohl er als guter Diplomat wahrgenommen wurde, konnte er sich auch von seiner autoritären Seite zeigen. "Hier kommt keiner raus, wenn nicht eine politische Antwort auf die wissenschafltichen Erkenntnisse formuliert wird", drohte er auf der vorletzten großen Klimakonferenz in Bali den Ministern. Damit erreichte er, das Bali nicht völlig scheiterte, sondern zumindest ein Aktionsplan erstellt wurde. De Boer zeigte damals aber auch Verletzlichkeit: Als ein Chinese ihm vorwarf, zwei wichtige Sitzungen gleichzeitig anberaumt zu haben, brach er in Tränen aus.

Historische Schuld bei den Industrieländern

Was aber ist die grundlegende Position dieses Mannes, der versucht hat alle noch so verschiedenen Seiten zusammenzubringen? Nach de Boers Meinung trägt die reiche Welt eine historische Schuld und die muss erst mal wettgemacht werden. Erst danach können Länder wie Indien oder China zum Handeln verpflichtet werden. Diese Meinung hielt ihn jedoch nicht davon ab, beispielsweise in Indien Druck auszuüben und zu erklären, dass die Entwicklungsländer nicht alles auf den Rest der Welt schieben dürfen. Kritik äußerte er aber auch unbefangen an den Industrieländern: "Was bisher auf dem Tisch liegt, reicht absolut nicht aus, um die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu beschränken", sagte er kurz vor der Klimakonferenz in Kopenhagen und zögerte nicht, gleich auch noch Barack Obama direkt zu kritisieren.

Erfolg oder Misserfolg?

Was heißt für so einen Mann Erfolg? Es müsse "Schwarz auf Weiß" festgelegt werden, wieviel Prozentpunkte weniger CO2 Emissionen die Indstriestaaten bis 2020 haben werden. Und: China und Indien müssen sich ebenfalls klar auf Klimaschutzanstrengungen festlegen.

Ein Delegierte schaut sich auf der Klimakonferenz in Kopenhagen einen überdimensionalen Globus an, die die Erderwärmung simuliert (Foto: AP)

Simulierte Erderwärmung auf der Kopenhagener Klimakonferenz

Das ist bislang nicht passiert. Auch die meisten Experten kritisieren die Kopenhagener Absichtserklärung, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, als unzureichend. Eigentlich hätte ein neues Klimaabkommen das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll ablösen sollen.

Und Misserfolg?

"Ich habe Angst davor, dass wir eine zweite WTO werden, die ergebnislos immer weitermacht - dann stecken wir tief im Dreck," sagt dazu de Boer. Mit seinem Rücktritt hat er nun die Konsequenzen gezogen und kämpft an anderer Front weiter gegen eine Erwärmung des Klimas.

Die Zeit nach de Boer

Sitz des UN Klimasekretariates in Bonn (Foto: dpa)

In einem alten Schloss in Bonn residiert das Klimasekretariat

Das Klimasekretariat mit Sitz in Bonn übernimmt bei den Klimaverhandlungen eine wichtige Rolle. Seine rund 450 Mitarbeiter sammeln weltweite Emissionsdaten, prüfen von den Vereinten Nationen organisierte Klimaschutzprojekte und sie behalten im Auge, ob der Kyoto-Vertrag eingehalten wird. Außerdem sammeln sie sämtliche Forderungen, die von den Staaten in den Verhandlungsprozeß eingebracht werden. Jedes Jahr treffen sich die 192 Vertragsstaaten zu den Weltklimagipfeln, um über konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz zu diskutieren. Fünf Monate nachdem de Boer seinen Platz im UN-Klimasekretariat geräumt hat, werden sich die Mitgliedstaaten in Mexiko zu einem weiteren Klimagipfel treffen, um ein neues Abkommen zur Reduzierung der Treibhausgase in Angriff zu nehmen.

Autor: Insa Wrede

Redaktion: Henrik Böhme

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