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Aktuell Welt

Oberster Hüter des Glaubens

Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ist von Papst Benedikt zum neuen Präfekten der Glaubenskongregation ernannt worden. Wird es mit ihm eine von vielen Laien gewünschte Modernisierung der Lehrmeinung geben?

Mit "gutem Schwung" will Müller seine neuen Aufgaben anpacken und brach schon am frühen Morgen in den Vatikan auf. Dort übernimmt der 64-Jährige eines der wichtigsten Ämter der katholischen Kirche. Denn die Kongregation für die Glaubenslehre soll die Glaubens- und Sittenlehre in der katholischen Kirche fördern und schützen. Müller folgt auf den amerikanischen Kardinal William Joseph Levada (76), der aus Altersgründen zurücktrat.

Verantwortlich für Dialog mit der Piusbruderschaft

Mit seinem neuen Amt wird Müller, der fünf Sprachen fließend spricht, unter anderem auch automatisch Präsident der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei", die für den Dialog mit der traditionalistischen Piusbruderschaft verantwortlich ist. Diese hatte sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) abgespalten, weil sie unter anderem Ökumene und Religionsfreiheit ablehnen. Nach dem Wunsch des Papstes soll die umstrittene Organisation wieder in die katholische Kirche eingegliedert werden.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wünschte Müller für sein neues Amt "eine glückliche Hand". Der profilierte Theologe habe beste Voraussetzungen, "um die neuen Aufgaben in der Kongregation für die Glaubenslehre auszufüllen."

Wichtige Personalentscheidung des Papstes

Der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Albert Schmid, sprach von der wichtigsten Personalentscheidung für die Weltkirche im bisherigen Pontifikat von Benedikt XVI. Müller sei "mit seinem natürlich virilen Glauben, seinem weltpolitischen Verantwortungsbewusstsein ... eine Idealbesetzung in diesen schwierigen römisch-vatikanischen Zeiten."

Im Kreis der deutschen Bischöfe war Müller bislang Vorsitzender der Ökumene-Kommission und damit Gesprächspartner für die Protestanten. Deren Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber schätzt den neuen vatikanischen Glaubenshüter als gesprächsbereit und offen: "Luther ist für Müller kein Fremdwort."

Furcht vor Stagnation

Auch die romkritische Reformbewegung "Wir sind Kirche" gratulierte. Sie beklagte aber, Müller trete in vielen Bereichen "für eine Profilierung der offiziellen römisch-katholischen Lehrmeinung ... und nicht für eine Versöhnung" ein.

Es sei zu befürchten, dass der Erzbischof darauf hinwirken werde, Reforminitiativen in der ganzen Weltkirche zu bekämpfen. Es werde sich schnell zeigen, ob mit Müller ein Neudenken der Gottesfrage möglich sei oder ob es eine dogmatische Stagnation gebe.

uh/gmf (kna,dapd,epd)