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China

Obergrenze für Luftmesswerte in China

Im vom Smog geplagten China schafft die App "Air Matters" Durchblick. Sie zeigt die aktuellen Werte der Luftmessung an. Doch jetzt darf sie nur die genormte Obergrenze zeigen, auch wenn die Luft schlechter ist.

Mundschutz und Luftreiniger waren in China noch nie so gefragt wie zurzeit. Zu Jahresbeginn galt wochenlang in weiten Teilen Chinas Smog-Alarm der höchsten Stufe "rot". Gesundheitsschädliche Atemluft macht Millionen Menschen das Leben schwer. Für diese Woche wird nach einer kurzen Verschnaufpause in den Provinzen um die Hauptstadt Peking erneut Luftverschlechterung angesagt.

Wohin man (theoretisch) fliehen kann, um bedenkenlos ein- und ausatmen zu können, erfahren bisher mehr als neun Millionen Menschen über ihr Smartphone. Mit der App "Air Matters", die zwei chinesische Jungunternehmer entwickelt hatten und 2011 auf den Markt kam, können User sich weltweit über die von anderen Usern ermittelten Luftverschmutzungswerte informieren und austauschen. So wird etwa die Konzentration von Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid und Schwefeldioxid an den gemessen.

Zu Jahresbeginn erreichte die zwei Firmengründer ein Schreiben von der Umweltbehörde einer chinesischen Provinz. Sie wurden aufgefordert, eine "Obergrenze für die Messwerte" zu programmieren. Zur Begründung hieß es, die angezeigten Werte entsprächen nicht der staatlichen Norm.

Willkürliche Obergrenze für gemessene Luftverschmutzung

In der Tat ist es so, dass der in China gültige Luftqualitätsindex sechs Stufen hat. Die höchste Stufe „rot" endet auf der Skala bei der willkürlich gesetzten Obergrenze "500". Hierbei handelt es sich um eine Vergleichszahl, nicht um eine physikalische Einheit, die beispielsweise etwas über Partikelkonzentrationen aussagt. Bei entsprechend hohen Schadstoffkonzentrationen ergeben sich höhere Indexwerte, die jedoch offiziell nicht verbreitet werden. Auch die App "Air Matters" hatte zunächst die regierungsamtliche Vorgabe von "500" als höchstmöglichen Wert im chinesischen Luftqualitätsindex übernommen. Das führte aber zu Unmut bei den Usern. 

"Von dort, wo die Luftqualität in der ersten Januarwoche am schlechtesten war, hatten uns User geschrieben, dass die programmierte Obergrenze zu Intransparenz führe. Uns wird unterstellt, dass wir uns an Regierungsvorgaben halten", sagte Firmengründer Wang Jun der Deutschen Welle. "Deshalb wir die künstlich eingeführte Obergrenze aus unserer App entfernt."

"Freundliches Schreiben der Umweltbehörde"

Das Ergebnis: Air Matters zeigte am 4. Januar vielerorts eine deutlich schlechtere Luftqualität als die offiziell verordnete Obergrenze von 500. Der Spitzenwert betrug in der zentralchinesischen Provinz Shaanxi 871. "Sofort klingelte es bei uns. Am anderen Ende der Leitung war eine Umweltbehörde, die uns 'freundlich' bat, die Rechner auf den alten Zustand zurück zu programmieren", so Wang. "Und später wurde uns der Brief mit demselben Inhalt amtlich zugestellt." Welche Behörde der Absender war, wollte Firmengründer Wang Jun der Deutschen Welle nicht verraten.

Zhang Bin, der Co-Gründer von Air Matters, schrieb am Mittwoch auf seinem Mikroblog: "Die Umweltbehörden wollen erreichen, dass unsere Daten mit den amtlichen übereinstimmen. Dass sie uns deswegen einen Brief schreiben, ist neu." Die Mitteilung der App-Entwickler rief in den sozialen Netzwerken sarkastische Reaktionen hervor. "Wir brauchen keine Messwerte. Frag einfach deinen Hals, ob die Luft gut ist", schrieb einer. "Löst man im Lande keine Probleme, wird der Fragensteller erledigt", meinte ein anderer.

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