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Aktuell Amerika

Obdachlose protestieren gegen Folgekosten der Fußball-WM

Tausende obdachlose Arbeiter haben in der brasilianischen Metropole São Paulo ein Gelände beim Fußball-WM-Stadion Arena Corinthians besetzt. Auf einer Brachfläche im Stadtteil Itaquera errichteten sie ein Protest-Lager.

"Die WM-Investitionen in Itaquera kommen nicht jenen zugute, die sie am dringendsten bräuchten", hieß es in einer Mitteilung des Arbeiterverbands. "Während über eine Milliarde Reais (323 Millionen Euro) in das Stadion investiert werden, haben Tausende Familien keinen Wohnraum in Itaquera." Die Familien lebten unter widrigsten Bedingungen, weil der Stadionbau den Immobilienmarkt angeheizt habe und sie die Mieten nicht mehr bezahlen könnten. In der Arena Corinthians findet am 12. Juni das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft statt, der Gastgeber Brasilien spielt dann gegen Kroatien.

Erst Ende April war es in der Millionenstadt zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Etwa 1000 Obdachlose gingen in dem WM-Spielort auf die Straße, um gegen Verzögerungen beim Bau neuer Wohnungen und anderer Projekte in der Metropolregion zu protestieren. Nach Angaben der Stadtverwaltung fehlen in der Elf-Millionen-Stadt etwa 700.000 Wohnungen. Aus dem Demonstrationszug seien Steine auf Sicherheitskräfte geworfen worden, zudem seien Reifen und Abfall in Brand gesetzt worden, teilte die Polizei mit. Daraufhin hätten die Einsatzkräfte die Demonstranten mit Tränengas auseinandergetrieben.

Kritiker werfen der brasilianischen Regierung vor, viel Geld in Prestigeprojekte wie die Fußball-WM zu stecken und notwendige Ausgaben für Bildung und Gesundheit sowie die Infrastruktur zu vernachlässigen. Seit Mitte vergangenen Jahres gab es immer wieder teils gewalttätige Proteste gegen die hohen Kosten für das Fußballturnier. Die wiederholten Ausschreitungen in mehreren Städten weckten inzwischen Zweifel am Sicherheitskonzept zur WM. Die Regierung verspricht eine sichere Weltmeisterschaft und will während des Turniers vom 12. Juni bis 13. Juli rund 170.000 Polizisten, Soldaten und private Sicherheitskräfte einsetzen. Die Sicherheit außerhalb der WM-Stadien ist Staatssache.

Rousseff stellt sich zur Wiederwahl

Derweil wurde bekannt, dass sich Dilma Rousseff erneut um das Präsidentenamt in Brasilien bewirbt. Ihre regierende Arbeiterpartei (PT) bestimmte sie auf einem Parteikongress in São Paulo zur Kandidatin für die Abstimmung am 5. Oktober, wie das Nachrichtenportal G1 berichtete. Tausende Anhänger brachen in Jubel und Rufe aus wie: "Eins, zwei, drei - Dilma noch einmal".

Rousseff hatte im Januar 2011 die Nachfolge von Luiz Inacio Lula da Silva angetreten, der mit ihr an der Parteiversammlung teilnahm. Lula war zwei Mandate lang, von 2003 bis 2010, im Amt und hatte in den Umfragen bis zum Schluss hohe Beliebtheitswerte. Damit sieht es bei Rousseff derzeit weniger gut aus. Seit Jahresbeginn kämpft sie mit sinkenden Umfragewerten. Zwar bleibt sie weiter die Favoritin für die Wahl im Oktober, doch ist ihre Beliebtheit von 43,7 Prozent im Februar auf 37 Prozent im April eingebrochen.

Es könnte daher eine Stichwahl zwischen den beiden bestplatzierten Bewerbern geben. Rousseffs Hauptkontrahenten, der Sozialdemokrat Aécio Neves und der Sozialist Eduardo Campos, legten jeweils um mehrere Prozentpunkte auf 21,6 beziehungsweise 11,8 Prozent zu.

kle/sti (dpa, afp, ape, afpe)