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Amerika

Obamas Wirtschaftslotse geht von Bord

Wenige Wochen vor den US-Kongresswahlen verliert US-Präsident Barack Obama einen weiteren Top-Berater: Der Ökonom Larry Summers tauscht seinen Sitz im Kabinett gegen einen Lehrstuhl an der Uni.

Obamas Wirtschaftsberater Larry Summers (Foto: AP)

Nicht unumstritten: Obamas scheidender Wirtschaftsberater Larry Summers

Nachrichten wie diese dürften für Barack Obama zur Unzeit kommen: Mitten im Kampf gegen die Rezession und kurz vor den Zwischenwahlen erklärte Lawrence Summers, der ökonomischer Chefberater des US-Präsidenten seinen Rücktritt. Der als enger Vertrauter des Staatschefs geltende Wirtschaftswissenschaftler kündigte an, zum Jahresende an die Eliteuniversität Harvard zurückzukehren. Er werde jedoch künftig in einer Expertengruppe mitwirken, die den Präsidenten in wirtschaftlichen Fragen berät.

Damit verliert Barack Obama innerhalb weniger Wochen ein drittes wichtiges Mitglied seines Wirtschaftsteams. Anfang August musste er bereits mit Christina Romer die Leiterin seines Wirtschaftsrates ziehen lassen. Kurz zuvor hatte auch der oberste Haushalts-Aufseher des Weißen Hauses, Peter Orszag, seinen Job an den Nagel gehängt.

Kritik an ruppigem Umgangston

US-Medien sprechen von einem empfindlichen Schlag für den Präsidenten kurz vor den Kongresswahlen. Wirtschaftsfragen wie die flaue US-Konjunktur und die anhaltende hohe Arbeitslosigkeit sind die Hauptthemen des Wahlkampfes. Am 2. November wählen die US-Bürger alle Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel des Senats neu.

US-Präsident Barack Obama bei einer Pressekonferenz vor dem Weißen Haus im Juni 2010 (Foto: AP)

"Der Präsident muss vor den Wahlen zeigen, dass er etwas tut."

Gleichzeitig vermuten Beobachter, dass der US-Präsident mit einer öffentlichkeitswirksamen Neubesetzung seines Teams Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen will. Die Wirtschaftspolitik der US-Regierung und namentlich Larry Summers waren zuletzt wiederholt in die Kritik geraten. Dem Wirtschaftswissenschaftler wurde auch innerhalb seiner eigenen Demokratischen Partei ein ruppiger Umgangston und zu große Nähe zur Wall Street vorgeworfen.

Wechselt Obama bewusst mitten im Fluss die Pferde?

Mit Summers Rückzug eröffnet sich für Obama die Chance auf einen personellen Neubeginn. "Obama muss vor den Wahlen zeigen, dass er etwas tut", sagt gegenüber DW-WORLD.DE Stormy Mildner, Expertin für US-Innenpolitik bei der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Der US-Präsident müsse das Signal setzen, dass er auf die Kritik in der Bevölkerung reagiert. Somit seit es nicht unwahrscheinlich, dass sich Obama "bewusst von einigen Personen getrennt hat", vermutet Mildner.

In einer Stellungnahme würdigte Obama Larry Summers als einen der entscheidenden Köpfe, die das Land aus der schwersten Rezession seit den 1930er Jahren führte. Die Krise sei jedoch noch nicht überwunden, sagte der Präsident. Viel Arbeit stünde noch ins Haus. Summers arbeitete seit rund zwei Jahren für die Obama-Regierung. Bereits unter dem ehemaligen Präsidenten Bill Clinton war er Finanzminister. Zuvor war Summers Chefökonom der Weltbank.

Autor: Sven Töniges (mit dpa, rtr)

Redaktion: Mirjam Gehrke