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Politik

Obamas Angebot an Iran lässt hoffen

Irans Präsident Ahmadinedschad hat das Gesprächsangebot von US-Präsident Obama nicht grundsätzlich abgelehnt. Damit hat er den Ball geschickt ins Feld der Amerikaner zurückgespielt, kommentiert Peter Philipp.

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Die neuen Töne aus Washington scheinen im Nahen und Mittleren Osten auf erste positive, wenn auch teilweise noch vorsichtig zurückhaltende Reaktionen zu stoßen. Vor allem im Iran: Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagierte prompt auf die erneute Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, er sei bereit, mit Teheran direkte Gespräche aufzunehmen. Man begrüße den Willen zum Wechsel, meinte Ahmadinedschad, wolle aber erst einmal sehen, ob es sich hierbei um wirkliche Politik oder nur Taktik handelt. Der iranische Präsident hat damit auch seinerseits die Tür zu einem iranisch-amerikanischen Dialog geöffnet. Wenigstens einen Spalt breit.

Dialog statt Konfrontation

Philipp Peter (Quelle: DW)

Nahost-Experte Philipp Peter

30 Jahre nach der Islamischen Revolution scheint selbst bei iranischen Hardlinern die Einsicht durchzusickern, dass Dialog besser ist als Konfrontation. Zumindest aber, dass Diplomatie besser ist als die allzu oft praktizierte Politik der gegenseitigen Verteufelung und Beschuldigungen. Es wäre äußerst unklug gewesen, Obama die Tür ins Gesicht zu schlagen, viele hatten aber genau dies von Ahmadinedschad erwartet, dem Lieblings-Buhmann des Westens.

Gleichwohl kann es nicht überraschen, dass der iranische Präsident seine Bedingungen stellt für einen Dialog mit Washington: Die USA müssten sich für ihre "Verbrechen der Vergangenheit" gegenüber dem Iran entschuldigen, sie sollten ihre Truppen aus aller Welt abziehen und aufhören, sich überall einzumischen, sie sollten schließlich auch ihre Unterstützung für Israel einstellen.

Entschuldigung nötig

Ernst zu nehmende amerikanische Iran-Experten plädieren seit langem dafür, dass Washington sich für den von der CIA betriebenen Umsturz von 1953 entschuldigt, am besten auch für die Unterstützung, die man zu Beginn des ersten Golfkrieges Saddam Hussein gab. Nur eine solche Geste könne das Klima in den gegenseitigen Beziehungen verbessern helfen.

Was den Rückzug aus dem Irak betrifft, so bedarf Obama wohl kaum der Aufforderung Ahmadinedschads. Und auch in Afghanistan hat er sicher nicht vor, länger zu bleiben als unbedingt nötig. Was immer dies letztlich konkret bedeuten mag. Im Fall Israel allerdings wird die Forderung des iranischen Präsidenten sicher kein Gehör finden im "neuen Washington": Die Beziehungen zwischen den USA und Israel werden sicher nicht einer Annäherung zwischen Washington und Teheran geopfert werden.

Wandel in Israel und Palästina?

Aber auch auf diesem Bereich könnte sich nun aber ein langsamer Wandel abzeichnen: Die erste Reise des neuen Nahost-Beauftragten George Mitchell wird zumindest von arabischer Seite begrüßt: Zeigt sie doch, dass der neue US-Präsident sich tatsächlich um eine Lösung der brennenden Probleme kümmern will. So begrüßten nicht nur Ägypter, sondern selbst Sprecher von Hamas die Mitchell-Mission als positiven Schritt. Die Hamas-Sprecher bedauerten nur, dass Washington auch weiterhin nicht bereit sei mit ihnen zu sprechen.

In Israel wiederum ist trotz aller freundlichen Worte das unterschwellige Gefühl nicht zu überhören, dass die "goldenen Zeiten" der bedingungslosen Unterstützung durch Washington unter George W. Bush der Vergangenheit angehören.

Eine bessere Zukunft gestalten

Aus diesen ersten Ansätzen kann noch keine umfassende Regelung abgeleitet werden. Aber – und dies ist eigentlich das Erstaunlichste bei allem – man könnte sich fast ein Beispiel nehmen an der Reaktion Ahmadinedschads – abgesehen wohlgemerkt von seiner unverändert feindseligen Haltung gegenüber Israel. Manchmal kommt eben doch die Zeit, über Wut, Bitterkeit und Träume der Vergangenheit hinwegzugehen, um eine bessere Zukunft zu erlangen. Ohne dass das gleich die eigene Selbstaufgabe bedeutet: Natürlich kann jeder mit eigenen Vorstellungen und Forderungen in einen Dialog eintreten. Diese dürfen aber nicht unüberwindbare Bedingungen sein und nicht auf die Zerstörung oder totale Erniedrigung der anderen Seite abzielen.

Hamas und Israel könnten hieraus eine Lehre ziehen, natürlich auch die USA und der Iran. Zwischen Washington und Teheran jedenfalls scheint der Ball nun geschickt ins Feld der Amerikaner zurückgespielt worden zu sein.

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