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Amerika

Obama will nicht alleine handeln

Obamas neue Afghanistan-Strategie hat viele gute Seiten. Die Welt würde gut daran tun, ihm auf diesem Weg zu folgen, und die NATO-Länder müssen nun auch ohne Aufforderung handeln, meint Christina Bergmann.

Symbolbild Kommentar (Foto: DW)

Es wird nicht schnell gehen und nicht leicht sein. Mit dieser nüchternen Erkenntnis hat der US-Präsident zweierlei getan: den Krieg, den er von seinem Vorgänger geerbt hat, zu seinem eigenen erklärt, und die Öffentlichkeit auf Verluste vorbereitet, die es mit Sicherheit geben wird. Anders als im Irak, wo er einen Abzug der Truppen angeordnet hat, hält Barack Obama den Einsatz in Afghanistan aber für gerechtfertigt, ja für notwendig. Und die Welt würde gut daran tun, ihm auf diesem Weg zu folgen.

Christina Bergmann (Foto: DW)

Denn die El Kaida-Terroristen und damit auch die Taliban sind eine Bedrohung für alle Nationen. El Kaida mordet in New York genauso wie in London, Madrid und Bali. Die Terroristen töten Juden, Christen und Muslime. Und sie haben sich in den letzten Jahren offensichtlich in die Grenzregion von Afghanistan und Pakistan zurückgezogen. Barack Obama hat ihnen jetzt mit einer umfassenden Strategie den Krieg erklärt. Dabei hat er aus den Fehlern seines Vorgängers im Irak gelernt.

Mehr Soldaten und mehr Ausbildung

Der Präsident folgt den Anfragen seiner Generäle und schickt mehr Soldaten in den Kampf. Aber er sorgt auch dafür, dass die Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte verstärkt wird. Die afghanische Armee soll so schnell wie möglich in die Lage versetzt werden, selbst im Land für Sicherheit zu sorgen. Die Erkenntnis, dass ein Krieg gegen Terroristen nicht mit militärischen Mitteln allein zu gewinnen ist, war ebenfalls überfällig. Wer bei Bombenangriffen ständig Unschuldige tötet, kann nicht auf die Solidarität der Zivilisten hoffen. Doch ohne die geht es nicht - auch das hat der Irakkrieg gelehrt.

Ein richtiger Schritt ist ebenfalls, Afghanistan und Pakistan als eine Problemregion anzusehen und beide Regierungen in die Pflicht zu nehmen. Auch eine Überprüfung der Strategie in kurzen Abständen ist vernünftig. Allerdings kommt es wie immer auf die praktische Umsetzung an. Doch das ist es nicht allein, was über Erfolg und Misserfolg dieses Krieges entscheiden wird.

Neu: Absprache mit Partnern

Obama hat sich, so ist zu hören, in noch nie dagewesenem Umfang bei der Erarbeitung der Strategie mit Alliierten und den betroffenen Ländern abgesprochen und den einen oder anderen Vorschlag übernommen. Er ist bereit zu führen, aber er will nicht alleine handeln. Denn er weiß, dass die USA diesen Krieg nicht allein gewinnen können. Sie sind auf die Unterstützung der Alliierten angewiesen. Vor allem die NATO-Staaten müssen sich nun darauf besinnen, dass sie einem militärischen Bündnis angehören und keinem Friedens-Corps.

Großbritannien hat bereits die Entsendung von mehr Soldaten angekündigt. Frankreich will 150 Polizeiausbilder schicken. Das ist nicht viel angesichts 4000 amerikanischer Militärtrainer, aber in einer Allianz ist jeder Beitrag willkommen, das betont auch die US-Regierung. Wichtig dabei ist, dass die NATO-Mitgliedstaaten sich nicht auf das Argument zurückziehen, die US-Regierung hätte sie nicht um Hilfe gebeten. Das wird sie auch nicht tun, wenn sie eine Abfuhr riskiert.

Die Regierungen, und dazu gehört auch Deutschland, müssen auch ohne Aufforderung handeln und selbst abschätzen, welchen Beitrag sie zu diesem Krieg leisten können, wollen und müssen. Denn es ist nicht vergessen, dass die Attentäter vom 11. September aus Hamburg kamen und die Geheimdienste auch in Deutschland vor Anschlägen warnen. Die Freiheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt.

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Julia Elvers-Guyot