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Politik

'Obama würde die Hand nach Europa ausstrecken'

Ex-US-Senator Sam Nunn hat den hessischen Friedenspreis erhalten. Im Interview mit DW-WORLD.DE spricht der Berater Barack Obamas über den Kampf gegen die nukleare Bedrohung und über die zukünftige Außenpolitik der USA.

Nunn sitzt in einem Sessel, spricht und hebt die linke Hand (Quelle: AP)

Sam Nunn warnt vor Massensvernichtungswaffen

Der altgediente konservative Demokrat aus dem US-Bundesstaat Georgia ist Mitbegründer der Nichtregierungsorganisation "Nuclear Threat Initiative", die sich für eine Friedenssicherung durch den Abbau von nuklearen, chemischen und biologischen Waffen einsetzt. Sam Nunn wurde für sein Engagement mehrmals für den Friedensnobelpreis nominiert, und am Mittwoch (11.06.2008) erhielt er in Wiesbaden den hessischen Friedenspreis. Nunn unterstützt seit April dieses Jahres den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und berät ihn in außen- und sicherheitspolitischen Fragen.

Nunn warnt unermüdlich. 60 Jahre lang habe man einen nuklearen Angriff vermeiden können. Doch das sei harte Arbeit auf beiden Seiten des eisernen Vorhangs gewesen – und eine Menge Glück. Der Terrorismus und die Feindschaft zwischen Indien und Pakistan seien die größten Gefahren. Und das Risiko, dass Nuklearwaffen heute eingesetzt würden, nehme zu. Nun sei es dringend notwendig, besser mit anderen Staaten zu kooperieren, um der Gefahr zu begegnen. Insbesondere die Beziehungen des Westens zu Russland seien entscheidend.

DW-WORLD.DE: Senator Nunn, Sie setzen sich weltweit gegen die Gefahr nuklearer Waffen ein. Sollten auch die USA ihr Arsenal reduzieren?

Zwei Soldaten schauen nach unten in ein offenes Loch; die große Klappe aus Stahl ist weit geöffnet. (Quelle: AP)

Immer noch eine Gefahr - Silo einer russischen Interkontinentalrakete

Sam Nunn: Wir haben viel zu viele Atomwaffen. Und auch die Russen haben viel zu viele Atomwaffen. Alle Atommächte müssen sich überlegen, wie viele sie eigentlich brauchen. Aber genauso wichtig wie die Anzahl der Waffen ist, wie diese Waffen aufgestellt werden. Das heißt, wie schnell sie abgefeuert werden können und wie viel Zeit beide Seiten haben, gegebenenfalls auf einen Alarm zu reagieren. Was ich dringend erreichen möchte, sind Diskussionen zwischen Militärs und zwischen Politikern auf höchster Ebene über die Frage, wie wir uns gegenseitig längere Warnzeiten geben können. Ziel ist, dass der russische und der amerikanische Präsident mehr als nur ein paar Minuten haben, um zu entscheiden, ob sie auf einen Alarm, der ein Fehlalarm sein könnte, mit dem Abfeuern ihrer Waffen reagieren. Ich denke nicht, dass irgendwer einen Erstschlag erwartet. Es gibt keinen Warschauer Pakt und keine Sowjetunion mehr und keine riesigen Panzerarmeen. Aber was den operativen Status unserer Streitkräfte betrifft, haben wir das noch nicht maßgeblich berücksichtigt.

Bush und Putin stehen in legerer Kleidung auf einem Steg. (Quelle: AP)

Nur oberflächlich gute Beziehungen? Bush und Putin bei einem Treffen im April 2008

Heißt das, dass die Beziehungen zwischen den USA und Russland weniger gut sind, als es die Präsidenten Bush und Putin demonstrieren?

Viele Dinge, auf die sich Präsident Bush und Präsident Putin geeinigt haben, wurden auf institutioneller Ebene nicht umgesetzt. Grundsätzlich muss sich Russland entscheiden, und auch die NATO muss sich entscheiden: Wollen wir Russland als Teil des europäisch-atlantischen Sicherheitsgebildes haben? Wenn wir das wollen, müssen wir uns mit Russland zusammensetzen und über diese Themen reden - herausfinden, welche Sicherheitsprobleme es gibt, auf diese Probleme eingehen, gegenseitige Rückversicherung geben, Treffen der Militärs abhalten. Der NATO-Russland-Rat ist dafür eingerichtet worden. Der hat eine Weile funktioniert, aber nun funktioniert er ganz offenbar nicht mehr. Ob es um Energiesicherheit geht, um generelle Sicherheitsfragen oder um die Raketenabwehr - was auch immer das Thema ist, es geht in keine sehr konstruktive Richtung.

Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews:

Sam Nunn über Deutschland als Brückenbauer und die Absichten der US-Präsidentschaftskandidaten

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