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Amerika

Obama verteidigt Moschee am Ground Zero

US-Präsident Obama hat sich erstmals in die hitzige Debatte um den geplanten Bau einer Moschee am Ground Zero in New York eingeschaltet. Er stärkte den Befürwortern den Rücken und stieß damit auf teils heftige Kritik.

Die Baustelle an Ground Zero in New York (Foto: dpa)

Im Fokus der Kritik: Der geplante Moschee-Bau am Ground Zero

In einer Ansprache zum muslimischen Fastenmonat Ramadan verteidigte US-Präsident Barack Obama am Freitagabend (13.08.2010/Ortszeit) das Vorhaben, eine Moschee nahe des Ground Zero zu errichten. Eine Nation, die auf Religionsfreiheit gegründet sei, müsse das zulassen, sagte Obama im Weißen Haus. "Als Bürger und als Präsident glaube ich, dass Muslime dasselbe Recht wie alle anderen in diesem Land haben, ihre Religion auszuüben."

"Unerschütterliche" Religionsfreiheit

US-Präsident Barack Obama (Archivfoto: AP)

Für den Moschee-Bau: Barack Obama

Das schließe auch das Recht auf den Bau eines Gotteshauses auf Privatgrund in Manhattan ein, solange es örtlichen Gesetzen entspreche, sagte der Präsident. Gerade weil es um "heiligen Boden" gehe, gelte es, die amerikanischen Werte hochzuhalten, betonte Obama. "Dies ist Amerika, und unser Bekenntnis zur Religionsfreiheit muss unerschütterlich sein."

Über das Bauvorhaben am Standort des bei den Anschlägen vom 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers wird in den USA seit Wochen heftig debattiert, weil die Anschläge von Islamisten verübt wurden. Damals starben fast 3000 Menschen.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg unterstützt das Projekt, von dem sich die Befürworter erhoffen, dass es zu einer besseren Verständigung zwischen dem Westen und der muslimischen Welt beiträgt. Er lobte nun auch Obamas Eintreten für die Religionsfreiheit. Gegner des Moschee-Baus sprechen hingegen von einem "Schlag ins Gesicht" und argumentieren, das Bauvorhaben verletze die Erinnerung an die Opfer der Terroranschläge. Einer Umfrage zufolge sind 68 Prozent der US-Bürger gegen eine Moschee nahe Ground Zero.

Republikaner attackieren Obama

Bauarbeiten am Ground Zero (Archivfoto: AP)

Bauarbeiten am Ground Zero

Bisher hatte sich der US-Präsident aus der Debatte herausgehalten. Noch in der vergangenen Woche hatte sein Sprecher Robert Gibbs erklärt, Obama wolle sich an "lokalen Entscheidungsprozessen" nicht beteiligen. Dass er sich nun doch zu Wort meldete, stieß bei der konservativen Opposition, aber auch bei Angehörigen der Opfer des 11. Septembers auf Empörung.

Der republikanische Gouverneurskandidat im Staat New York, Rick Lazio, warf Obama vor, den New Yorkern nicht zuzuhören. "Angesichts von mehr als 100 Moscheen in New York City ist dies keine Frage von Religion, sondern von Sicherheit", sagte er nach Angaben der Zeitung "New York Times". Der Ansicht des republikanischen New Yorker Kongressabgeordneten Peter King zufolge "missbraucht" die muslimische Gemeinde ihre Rechte und "beleidigt unnötig" viele Menschen mit dem Moschee-Bau. "Unglücklicherweise hat der Präsident aus politischer Korrektheit klein beigegeben", sagte King.

Debra Burlingame, die Vertreterin mehrerer Familien von Opfern der Terroranschläge, warf Obama vor, er habe "Amerika an der Stelle verlassen, wo vor neun Jahren das Herz Amerikas gebrochen wurde". Burlingames Bruder war einer der Piloten, deren Passagiermaschinen von den Terroristen entführt und in die Türme des World Trade Centers gesteuert wurde.

Die Anschläge vom 11. September: Ein zweites Flugzeug nähert sich dem World Trade Center, während einer der Türme bereits brennt (Foto: AP)

Bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 starben knapp 3000 Menschen

Angst vor Ausschreitungen: Ramadan-Ende am 11. September

Das geplante muslimische Zentrum soll nur wenige Straßenblocks vom früheren Standort des World Trade Centers entfernt entstehen. Neben einer Moschee ist auch ein interreligiöser Treffpunkt, eine Sportanlage, ein Theater und ein Restaurant geplant. Die Einrichtungen sollen den Plänen zufolge allen Menschen unabhängig ihrer Religion offenstehen, um zu demonstrieren, dass sich die Muslime als Teil der amerikanischen Gesellschaft sehen.

Muslimische Verbände kritisierten im Zuge der heftigen Debatte um die geplante Moschee eine zunehmende Islamfeindlichkeit in den USA. Mehr und mehr entwickle sich ein "islamfeindliches Klima", immer öfter gebe es vor Moscheen Demonstrationen anti-islamischer Gruppierungen, sagte Edina Lekovic, eine Sprecherin des muslimischen Interessenverbandes MPAC.

Weil in diesem Jahr das Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan auf den Jahrestag der Anschläge vom 11. September falle, habe ihre Organisation aus Angst vor Ausschreitungen gegen Muslime und Moscheen die Polizei bereits um erhöhte Wachsamkeit gebeten.

Autorin: Ursula Kissel (dpa, apn, afp)
Redaktion: Walter Lausch

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