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Politik

Obama trifft überraschend in Bagdad ein

Nach dem Abschluss seiner Europareise ist US-Präsident Obama überraschend im Irak gelandet. Dort möchte er amerikanische Truppen besuchen. Sein Chefberater wertete die achttägige Europareise als Erfolg.

Präsident Obama wird vom US-Oberkommandierenden im Irak, Ray Odierno, begrüßt (Foto: AP)

Obama wird vom US-Oberkommandierenden im Irak, Ray Odierno, begrüßt

Von der Türkei aus flog US-Präsident Barack Obama nicht nach Hause, sondern zu einer nicht angekündigten Visite in den Irak. Die Präsidentenmaschine "Air Force One" traf am Dienstag (07.04.2009) auf dem Flughafen von Bagdad ein. Es ist der erste Irak-Besuch Obamas seit seinem Amtsantritt als Präsident.

Gesprächsbedarf mit der irakischen Führung

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, der Präsident werde amerikanische Truppen besuchen und mit dem irakischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki sprechen. Die Entscheidung zu dem Abstecher nach Bagdad sei gefallen, weil es Gesprächsbedarf mit der irakischen Führung gebe und Obama den Einsatz der amerikanischen Soldaten würdigen wolle. Wenige Stunden vor Obamas Ankunft war in einem schiitischen Viertel der Hauptstadt eine Bombe explodiert. Diese tötete mindestens neun Menschen.

Obama plant in den kommenden Monaten einen umfangreichen Abbau der US-Truppen im Irak. Im Februar hatte er bekannt gegeben, dass bis Ende August 2010 zunächst die Kampftruppen der USA heimkehren sollen. Derzeit sind mehr als 140.000 amerikanischen Soldaten in dem arabischen Land stationiert.

Ziel Obamas: Annäherung an den Islam

Obama und Erdogan in der Blauen Moschee (Foto: AP)

Obama und Erdogan in der Blauen Moschee in Istanbul

Mit dem Abflug aus Istanbul war die achttägige Europareise Obamas zu Ende gegangen. Chefberater David Axelrod bezeichnete sie am Dienstag als "großen Erfolg und enorm produktiv". Sie habe schon jetzt das internationale Ansehen der USA nachhaltig verbessert. Axelrod verwies insbesondere auf die Schaffung einer neuen Vertrauensbasis mit Russland und China. Es sei von besonderer Bedeutung, dass nun wieder neue Abrüstungsgespräche begännen. Obama sei es zudem gelungen, die beschädigten bilateralen Beziehungen zu manchen Verbündeten wie zum Beispiel der Türkei wieder zu reparieren.

Zum Abschluss seines Türkei-Besuchs hatte sich Obama abermals für ein besseres Verhältnis des Westens zur islamischen Welt eingesetzt. Vor türkischen Studenten in Istanbul sagte er, er wolle "ein neues Kapitel" in den beiderseitigen Beziehungen aufschlagen. Den gleichen Tenor hatte seine Rede am Vortag vor dem türkischen Parlament. "Die USA sind nicht in einem Krieg mit dem Islam", sagte Obama in Ankara. Vielmehr setze er sich für eine tiefere Partnerschaft mit den Muslimen ein. Diese Gemeinsamkeit sei auch wichtig im Kampf gegen Extremisten und Terroristen, die die ganze Welt bedrohten.

"Türkei soll EU-Mitglied werden"

Die Präsidenten Obama und Gül (Foto: AP)

Obama auf einer Pressekonferenz mit seinem türkischen Kollegen Gül

Zugleich machte sich Obama nochmals für den Beitritt der Türkei zur Europäischen Union stark. "Die USA unterstützen nachdrücklich die Bemühungen der Türkei, Mitglied der EU zu werden", sagte er. Die Türkei sei mit mehr als nur einer Brücke über den Bosporus mit Europa verbunden. Sie teile mit Europa seit Jahrhunderten eine gemeinsame Geschichte, Kultur und Wirtschaft. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor bereits zurückhaltend auf den Appell des US-Präsidenten reagiert. Es gebe unterschiedliche Auffassungen, ob es eine privilegierte Partnerschaft oder einen Beitritt der Türkei zur EU geben solle, sagte Merkel.

Vor seinem Besuch in der Türkei hatte Obama am G20-Gipfel in London, am NATO-Gipfel in Baden-Baden und Straßburg und am EU-USA-Gipfel in Prag teilgenommen. Auf dem Prager Hradschin warb er für eine Welt ohne Atomwaffen. Zugleich gelang es ihm, die Bedenken der Türkei gegen den designierten NATO-Generalsekretär Anders Forgh Rasmussen zu zerstreuen. (mm/kle/je/dpa/ap/rtr/afp)

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