Obama ruft Präsidentschaftsbewerber zur Mäßigung auf | Aktuell Amerika | DW | 12.03.2016
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Aktuell Amerika

Obama ruft Präsidentschaftsbewerber zur Mäßigung auf

Angesichts der Gewaltausbrüche im US-Vorwahlkampf hat sich Präsident Obama eingeschaltet. Derweil gingen die Proteste gegen Auftritte des umstrittenen Präsidentschaftsbewerbers Trump weiter.

Barack Obama bei der Benefiz-Veranstaltung in Dallas, Texas (Foto: dpa)

Barack Obama bei der Benefiz-Veranstaltung in Dallas, Texas

US-Präsident Barack Obama hat die Bewerber um seine Nachfolge aufgerufen, ihren Ton bei Wahlkampfauftritten zu mäßigen. Sie sollten sich in ihren Reden und Debatten auf Vorschläge konzentrieren, wie es dem Land noch besser als bisher gehen könnte - und nicht auf "Beleidigungen und Pausenhof-Pöbeleien ", sagte Obama während einer Benefizveranstaltung in Texas.

Nicht gebraucht würden zudem die "Verdrehung von Tatsachen und die Spaltung entlang der Linie von Rasse und Glauben" - "und ganz gewiss nicht Gewalt gegen andere Amerikaner", fuhr der US-Präsident fort.

Donald Trump setzte seine Kampagne in Ohio fort (Foto: Reuters)

Donald Trump setzte seine Kampagne in Ohio fort

Am Vortag hatten sich Gegner und Anhänger des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump in Chicago eine gewaltsame Auseinandersetzung geliefert. Kurz zuvor hatte Trump angesichts der großen Menge Protestierender seine Wahlkundgebung in der Stadt wegen Sicherheitsbedenken abgesagt. Danach zeigten Fernsehbilder, wie sich Menschen im Gedränge schubsten und prügelten.

Trumps Rivalen im republikanischen Vorwahlrennen gaben dem Multimilliardär eine Mitschuld an dem Vorfall. Er habe mit provozierenden Äußerungen ein "giftiges Klima" geschaffen, sagte der Gouverneur von Ohio, John Kasich. Der texanische Senator Ted Cruz erklärte, wer einen Wahlkampf führe, der zur Gewalt ermuntere, "schafft ein Umfeld, das diese Art von hässlichem Diskurs fördert". Auch der Senator von Florida, Marco Rubio, sagte, Trump habe mit spalterischer Rhetorik Zorn und Wut geschürt.

Ein Trump-Gegner in Chicago (Foto: EPA)

Ein Trump-Gegner in Chicago

Hunderten Demonstranten war es am Freitagabend gelungen, in die Veranstaltungshalle in Chicago einzudringen. Manche von ihnen zerrissen Wahlkampfschilder Trumps. Fünf Demonstranten wurden nach Polizeiangaben festgenommen, zwei Sicherheitskräfte bei den hitzigen Auseinandersetzungen verletzt, wie der Nachrichtensender CNN berichtete. Auch vor der Halle versammelten sich zahlreiche Demonstranten.

Trump selbst machte Anhänger des demokratischen Bewerbers Bernie Sanders für die Proteste verantwortlich. Den Senator aus Vermont bezeichnete Trump in Ohio als "unseren kommunistischen Freund". Trump twitterte, es habe sich um "organisierte Proteste" gehandelt. Viele der Demonstranten seien Schläger, und ihr Verhalten habe Amerika nur noch mehr "Energie zugeführt". Bereits zuvor hatte er die Absage seines Auftritts in Chicago verteidigt. "Ich wollte nicht, dass jemand verletzt wird", sagte er CNN.

Weitere Proteste gegen Trump

Die Proteste gingen auch am Samstag bei Trumps Auftritten im Bundesstaat Ohio weiter. Während einer Rede Trumps in Dayton versuchte ein Mann, auf die Bühne zu springen. Er wurde von Beamten des Secret Service, der Trump schützt, überwältigt und abgeführt. Wenig später unterbrachen Dutzende Protestierende eine Rede Trumps in Cleveland. Wachleute führten sie aus dem Saal.

Am Abend wurde er bei einem Wahlkampfauftritt in Kansas City (Missouri) immer wieder von Demonstranten unterbrochen. Er nannte sie schließlich "Müll" und drohte damit, von nun an jeden von ihnen zu verklagen. "Nehmt sie fest" forderte er zunehmend gereizt und irritiert von den Sicherheitsbeamten im Raum. Seinen Anhängern versprach er: "Wir werden das Land von diesen Leuten zurückerobern." Auch vor dem Veranstaltungsgebäude demonstrierten Hunderte gegen Trump. Es kam zu vereinzelten Zusammenstößen mit der Polizei und mehreren Festnahmen. Dem Sender CNN zufolge war die Lage zu einem Zeitpunkt so angespannt, dass die Polizei Tränengas einsetzte.

Bei den Demokraten führt Hillary Clinton (3. v. l.) (Foto: AP)

Bei den Demokraten führt Hillary Clinton (3. v. l.)

In den vergangenen Tagen hatte sich die Stimmung auf Trumps Veranstaltungen zunehmend aufgeheizt. So schlug einer seiner Anhänger am Mittwoch einem schwarzen Studenten mit der Faust ins Gesicht. Trump selber sagte zu diesem Vorfall, das Publikum habe zurückgeschlagen, "davon sollten wir noch ein bisschen mehr sehen". In einem anderen Fall sagte er über einen Protestierenden, er würde ihm am liebsten ins Gesicht boxen. In diesem Zusammenhang erinnerte er an "alte Tage", an denen solche Störer auf einer Trage aus dem Saal gebracht worden wären.

Trump ist derzeitiger Spitzenreiter im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, bei den Demokraten führt Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Sie gewann nach CNN-Angaben am Samstag Vorwahlen auf den nördlichen Marianen-Inseln und damit vier weitere Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag im Sommer. Bei den Republikanern gewann Cruz 66,3 der Stimmen. Auf dem zweiten Platz landete der Senator Marco Rubio aus Florida mit 19,5 Prozent, wie US-Medien berichteten. Trump konnte lediglich 7,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Damit gewann Cruz neun Delegiertenstimmen für den republikanischen Parteitag auf sich, Rubio und Trump jeweils einen. In Guam - wie die Marianen ein US-Territorium - legte der Cruz um einen Delegierten zu.

stu/wl (afp, dpa, rtr)

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