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Amerika

Obama nimmt Kurs auf das Weiße Haus

Barack Obama hat den ersten Schritt getan für seine Präsidentschaftskandidatur. Er gilt als der erste afro-amerikanische Kandidat mit echten Chancen. Jetzt heißt es für ihn: Geld sammeln.

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Er will da rein: Obama vor dem Weißen Haus am 5. Januar 2007

Das Rennen hat früh begonnen. Der 44. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Nachfolger von George W. Bush wird im November 2008 gewählt. Und es verspricht ein besonders heißer Wahlkampf zu werden: Der Amtsinhaber darf kein drittes Mal antreten. Die Karten werden neu gemischt: bei den Republikanern wie bei den Demokraten.

Frühstart in den Wahlkampf

Am Dienstag (16.1.2007) hat Barack Obama seinen Willen zur Kandidatur öffentlich gemacht. Er hat ein Sondierungskomittee ins Leben gerufen, um für seinen geplanten Wahlkampf Spenden zu sammeln und Planungspersonal anzuheuern. Überraschend kommt seine Ankündigung nicht. In den vergangenen Wochen hat er während einer Redentour seine Popularität in den Staaten getestet, in denen in diesem Jahr die ersten Vorwahlen stattfinden. Obama ist nicht der erste afroamerikanische Bewerber um das Präsidentenamt, aber er ist der erste, dem echte Chancen beigemessen werden. Es ist kein Zufall, dass er seine Entscheidung einen Tag nach dem Gedenktag an Martin-Luther-King publik machte.

USA Senator Barack Obama in Chicago Martin Luther King Tag

Vor einem Foto von Martin Luther King, 15. Januar 2007

Aber sind die USA reif für einen schwarzen Präsidenten? Manfred Berg, Professor für amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg, ist da skeptisch. Er erinnert an das Verbot ethnischer Mischehen, das in manchen US-Bundesstaaten erst 1967 aufgehoben wurde. "Das ist nicht lange her", gibt Berg zu bedenken. Politikwissenschaftler Christian Hacke von der Universität Bonn glaubt auch, dass es zu früh ist für einen solchen Schritt. Es gäbe noch zu große Vorbehalte in der US-amerikanischen Gesellschaft.

Stimme der Versöhnung und des Ausgleichs

Aber genau gegen diese will Harvard-Absolvent Barack Obama kämpfen. In flammenden Reden wirbt er für einen neuen Konsens in den USA: "Es gibt nicht ein liberales und ein konservatives Amerika, es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika. Es gibt nicht ein schwarzes und ein weißes Amerika, ein Amerika der Latinos und eines der Asiaten – es gibt die Vereinigten Staaten von Amerika." Es ist seine ungewöhnliche Biografie, die solche Sätze vor dem Vorwurf des Banalen schützt.

Politisches Naturtalent

Sein kenianischer Vater hat an der Eliteuniversität Harvard Ökonomie studiert. Seine weiße Mutter stammt aus einer Farmerfamilie in Kansas. Aufgewachsen ist der heute 45-Jährige vor allem bei seinen Großeltern mütterlicherseits auf Hawaii. Als Jugendlicher lebte Obama einige Jahre in Indonesien. Er studierte in New York und Chicago, wo er sich als Streetworker in Schwarzen-Vierteln engagierte. Während seines Jurastudiums war er Herausgeber der renommierten Harvard Law Review. 1996 wurde er in den Senat von Illinois gewählt. 2004 schaffte er es in den Senat in Washington.

Barack Obama vereint in sich viele Widersprüche der amerikanischen Gesellschaft. Daher propagiert er eine Politik jenseits der Lager. Die US-Gesellschaft ist in vielen Fragen tief gespalten - nicht zuletzt wegen des verlustreichen Irakkriegs. Anders als seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton, war er von Anfang an gegen den Irakkrieg.

Wenig Erfahrung, viel Charisma

USA Irak Rede Präsident George Bush Reaktionen Barack Obama

Obama äußert sich zum Irakkrieg, 10. Januar 2007

Politikwissenschaftler Christian Hacke vermisst trotzdem ein klares politisches Programm. "Er muss zu vielen großen Fragen Stellung beziehen. Sein Profil ist noch zu schwach", sagt Hacke. Er ist verwundert, dass Obama sich schon als relativ junger Mann um eine Präsidentschaftskandidatur bemüht. "Er ist noch kein gestandener Politiker. Und er läuft Gefahr, sein Potenzial zu verspielen", mahnt Hacke.

Es ist noch lange hin bis zur Wahl, das Feld ist noch offen. "Obama muss den Spagat schaffen zwischen seiner afroamerikanischen Identität und einer Positionierung, die dem bürgerlichen Establishment entgegen kommt," sagt Amerika-Experte Manfred Berg.

Hillary Clinton - nur eine der vielen Konkurrenten

Nationalen Umfragen zufolge liegt die Popularität Hillary Clintons, mit deren Kandidatur fest gerechnet wird, etwa zwanzig Prozentpunkte über Obamas. Für die Kandidatur sind aber die Werte der Staaten wichtig, in denen die Vorwahlen stattfinden werden. Der Gewinner dieser Testwahlen wird von der Partei zum Kandidaten gekürt. In den betreffenden Staaten Iowa und New Hampshire liefern sich Clinton und Obama ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Und das obwohl in diesen Staaten nur wenig Schwarze leben.

Für den Nachwuchsstar heißt es nun Spendensammeln. Nur wenn er ausreichend finanzielle Unterstützung erhält, erfüllt er die rechtlichen Voraussetzungen für eine Kandidatur. Das Ergebnis des Foundraising spiegelt auch seinen Rückhalt in der Bevölkerung wider. Abhängig davon hat sich Obama am Dienstag ein Hintertürchen offen gelassen, von dem nicht alle Anwärter Gebrauch machen: Wenn er mit dem Inhalt des Spendentopfes zufrieden ist, wird am er 10. Februar seine Kandidatur endgültig bestätigen.

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