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Amerika

Obama fördert Wissenschaft

Barack Obama gilt als einer der wissenschafts-freundlichsten US-Präsidenten aller Zeiten. Er hat angekündigt, dass künftig mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Forschung investiert werden sollen.

Forscher im Labor (Foto: AP)

Milliarden Dollar sollen künftig in die US-amerikanische Forschung fließen

Barack Obama lässt keinen Zweifel daran: Mit seinem Bekenntnis zur Wissenschaft ist es ihm ernst. Als erstes engagierte er ein wissenschaftliches, mit Nobelpreisträgern besetztes "Dream Team". Zu diesem Dream Team gehört zum Beispiel Steven Chu, Nobelpreisträger für Physik. Er wurde Energieminister.

Das nächste wichtige Signal folgte, als Barack Obama sein 787 Milliarden Dollar schweres Paket zur Förderung der maroden US-Wirtschaft präsentierte. Darin gibt es auch einen Posten von 21,5 Milliarden Dollar für Wissenschaft und Forschung.

Eingelöste Versprechen

Chu, im Hintergrund Obama (Foto: AP)

Nobelpreisträger Steven Chu wurde von Obama zum Energieminister ernannt

Alan Leshner ist Chef der "American Association for the Advancement of Science" - der amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft. Die Politik Obamas findet er vorbildlich: "Es kann beinahe jeder sagen, dass er Wissenschaft mag. Wer mag Wissenschaft nicht? Doch Versprechen einzulösen, das ist etwas ganz anderes", so Leshner.

Auch im Kongress sei Wissenschaft nun wichtig, hat er beobachtet. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, betone in jeder wichtigen Rede: "Im Mittelpunkt steht die Wissenschaft, Wissenschaft, Wissenschaft, Wissenschaft." Vier Mal sagte sie es. "Ich zähle natürlich jedes Mal mit, ob sie dabei das Wort Wissenschaft nicht einmal vergisst", erzählt Leshner. "Die Folge all dessen ist, dass es nun auch Geld gibt."

"Wir brauchen gute junge Leute"

Pelosi im Kongress (Archivfoto: AP)

Im Kongress betont Sprecherin Pelosi immer wieder die Förderung der Wissenschaft

Das Geld kommt gerade zur rechten Zeit. 70 Prozent aller Nobelpreisträger sind Amerikaner. Die meisten der weltweit besten 40 Universitäten sind in den Vereinigten Staaten. Doch dieser Forschungsvorsprung schien in den letzten acht Jahren gefährdet, erklärt der in Wien geborene Eric Kandel. Er ist Nobelpreisträger und Neurowissenschaftler an der Columbia Universität. “Viele gute Leute, die ursprünglich in die USA kommen wollten, sind in Europa geblieben oder in andere Länder gegangen. Die Chinesen sind nach Kanada, nach Deutschland, nach England gegangen. Wir haben Leute verloren", bedauert Kandel. "Und wir brauchen doch gute junge Leute aus anderen Ländern."

Wissenschaftliche Integrität

US-Forscher ärgerte besonders die Politisierung der Wissenschaft unter Ex-Präsident George W. Bush. Wissenschaftler im Staatsdienst standen unter Druck, ihre Berichte so zu formulieren, dass sie nicht den Industrie-Interessen widersprachen, die vom Weißen Haus favorisiert wurden.

Umso größer war nun die Begeisterung, als Barack Obama wissenschaftliche Integrität ausdrücklich zu einer der Hauptpunkte in seiner Wissenschaftspolitik erklärte: "Das war das erste Mal, dass Wissenschaftler einen Präsidenten bejubelten und vor Begeisterung gepfiffen haben", erinnert sich Alan Leshner. "Es war grandios. Ich habe übrigens auch gepfiffen."

Es war kein Zufall, dass Barack Obama auf derselben Veranstaltung auch das von George Bush erlassene Verbot staatlicher Stammzellforschung aufhob.

Unsichere Zukunft

Obama unterzeichnet den Erlass zur Stammzellenforschung (Foto: AP)

Obama unterzeichnet den Erlass zur Stammzellenforschung

Ende April 2009 kündigte der Präsident schließlich an: Mindestens drei Prozent des Bruttoinlandproduktes sollen künftig in Forschung und Innovation investiert werden. Derzeit geben die USA dafür knapp 2,6 Prozent aus. Die drei Prozent-Marke ist übrigens auch das Ziel der 27 EU-Staaten, deren Schnitt zusammengenommen bei rund 1,8 Prozent liegt.

Die Forscher in den USA hören solche Versprechen gern. Doch trotzdem ist allen bewusst: Angesichts der prekären Wirtschaftslage können sich Prioritäten jederzeit verschieben. "Es besteht immer die Gefahr, dass Geldströme nur für kurze Zeit fließen", sagt Alan Leshner. "Das ist der Grund, warum viele staatliche Stellen, wie das National Institute of Health – das Nationale Gesundheits-Institut - und das Energieministerium einen großen Teil der Gelder für den Aufbau von Infrastruktur nutzen. Und nicht nur deshalb, weil neue Gebäude, neue Schiffe und neue Labors kurzfristig Arbeitsplätze schaffen, sondern weil sie eine wichtige Investition in die künftige Forschungstätigkeit darstellen."

Große Herausforderung

Bei aller Freude über die Aufbruchsstimmung ist sich Alan Leshner eines bewusst: Die Wissenschaftsbegeisterung des Präsidenten hat nun auch die Forscher selber ins Rampenlicht gerückt. Und, so Leshner weiter, jetzt müssten die Wissenschaftler zeigen, was sie können. Denn mit viel Geld werde auch die Verantwortung größer.

Autorin: Madeleine Amberger

Redaktion: Anna Kuhn-Osius

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