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Asien

Obama blickt verstärkt auf Pakistan

Schon im US-Wahlkampf kritisierte Barack Obama die damalige Strategie der USA für Südasien. In den ersten Monaten seiner Präsidentschaft hat Barack Obama deswegen seinen Blick vor allem auf Pakistan gerichtet.

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Barack Obama nimmt die unsichere Situation in Pakistan ins Visier

Von Pakistan aus unterwandern Extremisten Afghanistan, und die Aufständischen in Afghanistan tragen mit zur Instabilität in Pakistan bei. Die neue US-Strategie für die Region will diesem Zusammenhang Rechnung tragen und hat dabei ein klares Ziel: die Terrororganisation El Kaida zu spalten, aufzulösen und zu besiegen. US-Außenministerin Hillary Clinton gab an, vor allem verhindern zu wollen, dass El Kaida-Mitglieder sich unbeschadet in Teilen Afghanistans oder Pakistans zurückziehen können.

Hauptaugenmerk auf Pakistan

Gewalt in Pakistan Paramilitärs in Quetta

Ist Pakistans Armee bei der Bekämpfung von Extremisten überfordert?

Dabei richtet sich das Augenmerk der Experten derzeit vor allem auf Pakistan. "Afghanistan ist schwierig, aber wir wissen, was dort zu tun ist. Pakistan ist wesentlich schwieriger," resümiert John Nagel, Präsident des "Center for a New American Security". "Pakistan hat etablierte Strukturen, die aber nicht geeignet sind, um den Bedrohungen zu begegnen, denen das Land jetzt gegenüber steht." Das pakistanische Militär, so Nagel, sei zwar in der Lage, einen Gegner aus einem Gebiet zu vertreiben. Aber die Soldaten könnten das Gebiet nicht halten und dort auch keine sichere Infrastruktur aufbauen. Im Kampf gegen Aufständische seien aber alle drei Fähigkeiten gefragt. Wichtigster Punkt sei deshalb, die pakistanische Armee dazu auszubilden, die Aufständischen erfolgreich zu bekämpfen. Das, sagt Nagel, sei ein Lernprozess, den die US-Armee in den letzten Jahren durchmachen musste und dem sich nun die pakistanische Armee gegenübersieht.

"Bunkermentalität" als Haupthindernis

Diese mangelnde Durchsetzungsfähigkeit sei auch der Grund, so Lisa Curtis von der Heritage Foundation, dass die pakistanische Regierung den Taliban eher beschwichtigend entgegentrete. So kämen dann Pakte wie im Swat Valley zustande, wo den Taliban im Austausch für einen Friedensschluss die Einführung der Scharia gestattet wurde. Ein weiteres Problem, so Curtis, sei die Auffassung der pakistanischen Regierung, dass die größte Bedrohung von Indien ausgehe. Es gebe die Tendenz, die Schuld bei Außenstehenden zu suchen, in Indien oder den USA, anstatt nach innen zu schauen und zu überlegen, was im eigenen Land getan werden kann. Diese "Bunkermentalität", so Curtis, sei das größte Hindernis, das beseitigt werden müsse.

Scharia Einführung im nordpakistanischen Swat-Tal

Islamisten feiern die Einführung der Scharia im Swat-Tal

Sorgenfalten in Washington

Auch US-Präsident Barack Obama zeigte sich schon desöfteren sehr besorgt über die Situation in Pakistan und die dortige Regierung - insbesondere, weil "die zivile Regierung dort sehr zerbrechlich ist." So schwindet in den USA das Vertrauen darin, dass die Regierung in Islamabad noch genügend Schulen, eine Gesundheitsversorgung, Rechtsstaatlichkeit und ein Justizsystem zur Verfügung stellen kann, das für die Mehrheit der Menschen funktioniert. Erschwert wird die Lage durch Pakistans Atomwaffenarsenal. Ein Faktor, den die US-Regierung offiziell herunterspielt. Doch gerade die unsichere Situation der Kernwaffen in Pakistan sorgt in Washington für Unbehagen.

Hoffnung auf verbesserte Koordination

Pakistan US Angriff im Grenzgebiet

Verletzter Pakistaner nach einem US-Luftangriff im Grenzgebiet zu Afghanistan

Und so dienen die Gespräche von Präsident Obama mit seinem pakistanischen und afghanischen Kollegen in Washington in dieser Woche zweierlei: Sie sollen Asif Ali Zardari und Hamid Karzai versichern, dass die USA gewillt sind, ihren Ländern militärisch, diplomatisch und wirtschaftlich zur Seite zu stehen. Andererseits wird Präsident Obama auch Gegenleistungen fordern – und Rechenschaft für bereits geleistete Hilfe. Und er wird auch deutlich machen, dass die USA ihre gezielten Raketenangriffe auf Ziele in pakistanischem Gebiet fortsetzen werden, wenn sie dort Extremisten töten können, solange die Pakistanis dazu nicht bereit oder nicht in der Lage sind. Die US-Regierung ist sich im Klaren darüber, dass die neue Marschrichtung nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. Das Treffen diene dazu, so Robert Gibbs, der Sprecher des Weißen Hauses am Montag, die Kommunikation zwischen allen Seiten zu öffnen. Es kann nur der Beginn eines langen Prozesses sein, um die Strategien der drei Länder besser zu koordinieren.

Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Thomas Latschan