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Aktuell Nahost

Obama behält sich militärische Reaktion im Irak vor

Angesichts des Islamisten-Vormarschs hat US-Präsident Obama der irakischen Regierung seine Unterstützung zugesichert. Er prüfe alle Optionen, sagte er. Nördlich von Bagdad zogen US-Unternehmen hunderte Mitarbeiter ab.

"Ich schließe nichts aus", betonte der amerikanische Präsident mit Blick auf Forderungen nach einem militärischen Eingreifen. Der Irak benötige "mehr Hilfe von uns und von der internationalen Gemeinschaft", fügte Barack Obama hinzu. Es müsse sichergestellt werden, dass die Dschihadisten nicht dauerhaft "im Irak oder in Syrien Fuß fassen". Obama traf sich auch mit seinem Team für die nationale Sicherheit.

Die USA unterstützen den Irak bereits mit Waffenlieferungen und Geheimdienstinformationen. Nach Angaben des Pentagon verkaufte Washington dem irakischen Militär unter anderem Apache-Kampfhubschrauber, F-16-Kampfflugzeuge (siehe Artikelbild) sowie Hellfire-Raketen. Der US-Kongress berät über weitere Hilfen im Umfang von einer Milliarde Dollar, darunter Humvee-Geländewagen und Flugzeuge vom Typ AT-6C Texan II.

Nun auch Drohnen im Irak?

Nach Angaben aus Regierungskreisen in Washington befassen sich die USA derzeit zudem mit einer Bitte der irakischen Regierung, gegen die islamistischen Kämpfer mit Drohnenangriffen vorzugehen. Ähnliche Anfragen aus Bagdad wurden in der Vergangenheit abgelehnt.

Mehrere ranghohe Republikaner im US-Kongress warfen Obama vor, von der Eskalation im Irak völlig überrascht worden zu sein. "Holen Sie sich ein neues Team für die Nationale Sicherheit. Sie sind schlecht beraten worden", riet etwa Senator John McCain dem Präsidenten. Es handele sich um " ein kolossales Scheitern" der amerikanischen Sicherheitspolitik. Der republikanische Senator verlangte "drastische Maßnahmen", um die Dschihadisten zu stoppen. Sein Senatskollege Lindsey Graham sagte: "Ich glaube, dass amerikanische Luftangriffe die einzige Hoffnung sind, das Kräfteverhältnis auf dem Schlachtfeld im Irak zu ändern."

Wegen des Vormarschs der Extremistengruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) wurden hunderte US-Bürger von einem Militärflughafen nördlich der Hauptstadt Bagdad in Sicherheit gebracht. Ein US-Militärvertreter sagte, Angestellte von amerikanischer Unternehmen, die auf dem Flughafen Balad 80 Kilometer nördlich von Bagdad die Lieferung von US-Kampfflugzeugen vom Typ F-1 vorbereiten, seien nach Bagdad abgereist. Eine Sprecherin des Außenamts ergänzte, die US-Botschaft und die Konsulate arbeiteten weiter wie bisher.

Teheran bleibt nicht tatenlos

Nach einem Bericht der Zeitung "Wall Street Journal" schickte der Iran bewaffnete Verbände in den benachbarten Irak, um die Dschihadisten der ISIS zurückzudrängen. Mindestens drei Bataillone der Al-Quds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, wurden zur Unterstützung entsandt, wie das Blatt unter Berufung auf iranische Sicherheitskreise meldet.

Das geistliche Oberhaupt der irakischen Schiiten, Ayatollah Ali al-Sistani, rief inzwischen die Iraker zum Widerstand gegen die sunnitischen Dschihadisten auf. Die Bürger sollten zu den Waffen greifen und "ihr Land, ihr Volk und ihre heiligen Stätten verteidigen" sagte ein Sprecher al-Sistanis beim Freitagsgebet in der Schiiten-Hochburg Kerbela.

Sunnitische Blitzoffensive

Die ISIS-Kämpfer waren zuvor weiter in Richtung Bagdad vorgestoßen. Bei ihrer Blitzoffensive hatten sie am Dienstag die nördliche Millionenstadt Mossul und die gesamte Provinz Ninive in ihre Gewalt gebracht und anschließend auch Teile der Provinz Kirkuk und die Stadt Tikrit erobert.

Am Donnerstag rückten sie bis auf 60 Kilometer an Bagdad heran, bevor ihr Vormarsch gestoppt werden konnte. Rund 50 Kämpfer sollen dort laut Medienberichten bei Gefechten mit der irakischen Armee getötet worden sein. Die ISIS habe sich daraufhin zurückgezogen, hieß es. Irakische Truppen bildeten in Bakuba, der Provinzhauptstadt Dijalas, eine gemeinsame Front mit Polizeikräften und freiwilligen Stammeskämpfern. Auch in Kirkuk wurden die ISIS-Kämpfer nach kurzen Gefechten zurückgedrängt. Kurdische Medien meldeten, die ölreiche Stadt im Norden des Iraks sei nun in der Hand der unabhängigen Peschmerga, der Streitkräfte der kurdischen Autonomieregion. Deren Offiziere sagten, sie wollten Kirkuk nicht mehr an irakische Truppen zurückgeben. Seit der US-Invasion 2003 war die Stadt ein ständiger Streitpunkt zwischen irakischen und kurdischen Kräften.

Im Ostirak bereiten sich kurdische Truppen nach dem Vormarsch von Dschihadisten auf eine Gegenoffensive vor. Wie das Nachrichtenportal Sumaria News berichtete, traf am Freitag ein Peschmerga-Regiment ein. Es soll im Großraum der Stadt Dschalula das Machtvakuum füllen, das die irakischen Truppen nach ihrem Abzug hinterlassen hatten. Zuvor hatte der TV-Sender Al-Arabija gemeldet, ISIS-Kämpfer hätten Dschalula und die Ortschaft Saadija in der Provinz Dijala eingenommen.

Eine Million auf der Flucht

Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind mittlerweile rund eine Million Iraker auf der Flucht. Viele versuchten das als stabil geltende kurdische Autonomiegebiet im Nordirak zu erreichen. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

Wegen der jüngsten Entwicklung verschärfte das Auswärtige Amt in Berlin seine Reisehinweise für den Irak und rief Deutsche auf, sofort die Provinzen Ninive, Anbar und Salaheddin zu verlassen. Auch für den Großraum der Hauptstadt Bagdad empfahl es "dringend" die Ausreise. Das Amt begründete seinen Aufruf mit der Gefahr von bewaffneten Auseinandersetzungen und Terroranschlägen.

kle/wa (afp, dpa, rtr)