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Aktuell Amerika

Obama begibt sich auf dünnes Eis

Nach dem tödlichen Amoklauf will US-Präsident Obama die Waffenkontrollen verschärfen. Die Frage, ob die Tat hätte verhindert werden können, steht weiterhin im Raum. Ein Notizbuch des Verdächtigen gibt neue Rätsel auf.

US-Präsident Barack Obama will den Kongress auf seine Seite ziehen, um die Waffenkontrollen in den USA zu verschärfen - als Konsequenz aus dem jüngsten tödlichen Amoklauf in einem Kino in Colorado. Per Verfassung hat jeder US-Bürger das Recht Waffen zu tragen, Obama will die Anzahl der Waffenbesitzer aber senken. Viele Waffenbesitzer dürften der Meinung sein, "dass Sturmgewehre nicht in die Hände von Verbrechern gehören" und "nichts auf den Straßen unserer Städte zu suchen haben", sagte Obama bei einer Veranstaltung in New Orleans.

Zeit des Wandels gekommen?

Viele Maßnahmen für weniger Gewalt seien bisher am Widerstand im Kongress gescheitert - "insbesondere, wenn sie das Thema Waffen berührten", führte Obama weiter aus. Das Rütteln am Waffenrecht in den USA ist ein heikles Thema - es wird von der Verfassung garantiert. Der Widerstand gegen staatliche Regulierung ist immens. Die mächtige Waffenlobby NRA mit ihren rund vier Millionen Mitgliedern sieht sich als Beschützerin des 220 Jahre alten Gesetzes, das Selbstverteidigung zum Grundrecht erhebt.

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USA: Obama fordert schärfere Waffengesetze

Doch Obama sei nun davon überzeugt, dass auch die Mehrheit der Besitzer von Gewehren dafür sei, "dass wir alles tun sollten, um Kriminelle beim Kauf von Waffen zu hindern." Psychisch labile Menschen sollten nicht so einfach an Waffen kommen. Der US-Präsident betonte, dass die Maßnahmen dem "gesunden Menschenverstand" entsprechen sollten. In der ersten Anhörung vor Gericht machte der mutmaßliche Täter, dem vorgeworfen wird, in der Nacht zum vergangenen Freitag zwölf Menschen erschossen und 58 weitere verletzt zu haben, mit seinen rot gefärbten Haaren einen bizarren Eindruck. Zudem hatte er über Wochen hinweg Munition und Waffen gehortet, darunter auch ein AK-47-Sturmgewehr.

Nach Einschätzung des voraussichtlichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hätten schärfere Waffengesetze die Bluttat nicht verhindert. Dem Fernsehsender NBC sagte Romney, der mutmaßliche Schütze habe viele seiner Waffen illegal erworben. "Diese Person hätte keine Waffen oder Bomben haben dürfen", erklärte Romney. Der Verdächtige habe mit dem Besitz vieler seiner Waffen bereits gegen das Gesetz verstoßen. Allerdings hatte der Mann drei seiner Waffen, mit denen er in das Kino in Aurora kam, legal gekauft und auch alle notwendigen Überprüfungen bestanden.

Notizblock des Todes

US-Medienberichten zufolge hatte der Verdächtige vor der Tat ein Notizbuch mit Mordgedanken an einen Psychiater geschickt. Das Paket sei an die Universität von Colorado adressiert gewesen. Es habe Skizzen von Figuren enthalten, die erschossen werden. Außerdem habe er den bevorstehenden Angriff schriftlich beschrieben. Anscheinend sei das Paket bereits mehrere Tage vor der Tat bei der Poststelle der Universität eingegangen, jedoch erst am Montag entdeckt worden - drei Tage nach dem Amoklauf.

Es war auch nicht ganz klar, ob der Verdächtige bereits zuvor Kontakt zu dem Adressaten hatte. NBC News berichtete unter Berufung auf nicht genannte Quellen, der Verdächtige habe die Ermittler auf das Paket hingewiesen. Die Universität von Colorado bestätigte den Eingang eines verdächtigen Pakets. Es sei den Behörden übergeben worden. Weitere Details wurden nicht bekannt.

Erste Beerdigung

Sechs Tage nach dem Amoklauf wurde am Mittwoch unterdessen das erste Opfer zu Grabe getragen. Unter den rund 150 Trauergäste in einer Kirche in Denver waren auch Colorados Gouverneur John Hickenlooper und Auroras Bürgermeister Steve Hogan. Am Eingang der Kirche war ein großes Porträt des 51-jährigen Toten aufgestellt, viele Gäste legten Blumen nieder. Seine beiden Kinder hatten den Amoklauf unverletzt überlebt.

nis/wl (afp, dapd, dpa)

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