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Politik

Nutznießer Nordkorea

Während der amerikanische Präsident über Kriegsplänen für den Irak brütet, schwelt ein anderer außenpolitischer Krisenherd weiter: Nordkorea könnte versuchen, einen möglichen Irak-Krieg für sich zu nutzen.

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Langstreckenbomber der USA halten sich in Nordkoreas Reichweite

Bereits Anfang März hat ein militärischer Zwischenfall den Konflikt zwischen den USA und Nordkorea deutlich verschärft. Vier nordkoreanische Kampfjets näherten sich einem US-Spionageflugzeug bis auf 15 Meter. Mehr als 20 Minuten lang begleiteten die Jets die US-Maschine über dem Japanischen Meer - in internationalem Luftraum, wie die US-Regierung betonte. Einen derartigen Vorfall gab es zuletzt im August 1969.

Der Zeitpunkt erscheint alles andere als zufällig gewählt. Im Konflikt um den Wiederaufbau des nordkoreanischen Atomprogramms vertraut die nordkoreanische Führung offenbar darauf, dank der Irak-Aktivitäten der Vereinigten Staaten freie Hand zu haben.

Langstreckenbomber auf Guam

Doch in Folge dieses "provokativen Akts" – so ein Mitarbeiter des amerikanischen Außenministeriums – gibt sich US-Präsident George W. Bush nicht mehr mit diplomatischen Drohgebärden zufrieden. Am Donnerstag (06.03.2003) haben die USA begonnen, zwei Dutzend Langstreckenbomber auf die Pazifikinsel Guam zu verlegen. Damit will man verhindern, dass Nordkorea einen Irak-Krieg für eigene Militärschläge nutzt. Von der Insel aus, die etwa 3400 Kilometer von der koreanischen Hauptstadt Pjöngjang entfernt liegt, soll Nordkorea nun in Schach gehalten werden.

Die USA haben die Sorge, dass Nordkorea eine Mittelstreckenrakete testen will, mit der Japan getroffen werden könnte. Nach Agenturmeldungen sollen schon etwa 100 dieser Raketen stationiert sein. Doch nicht nur Japan sehen die USA in Gefahr. US-Verteidigungsexperten halten es für ebenso wahrscheinlich, dass nordkoreanische Raketen die Westküste der USA erreichen könnten.

USA sollen Stärke zeigen

Eine wichtige Rolle in der derzeitigen Auseinandersetzung spielt Südkorea, das seit dem Koreakrieg (1950-53) durch eine entmilitarisierte Zone vom Norden getrennt ist. Trotz der jüngst verstärkten Distanzierung von ihrer amerikanischen Schutzmacht hat die Regierung in Seoul die USA dazu aufgerufen, ihr militärisches Engagement aufrechtzuerhalten. Die Fähigkeit zur Abschreckung von Bedrohungen durch Nordkorea müsse erhalten bleiben, stellte der neue südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun klar.

Kim Jong Il

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Il

Zur Stärkung der Zusammenarbeit üben amerikanische und südkoreanische Soldaten in diesen Tagen gemeinsam. Trainiert wird dabei die Abwehr einer nordkoreanischen Invasion in Südkorea – ein Szenario, das eine zentrale Frage im Verhältnis zwischen Nord und Süd aufwirft: das Abwägen zwischen Annäherungspolitik und dem Schutz vor nordkoreanischer Bedrohung. Während der Machthaber in Pjöngjang, Kim Jong Il, sich im militärischen Säbelrasseln übt, wurde erst kürzlich ein erneutes Gipfeltreffen zwischen den Regierungen der beiden Staaten vorgeschlagen. Bereits seit einigen Monaten entsteht zudem erstmals wieder eine Eisenbahnverbindung zwischen Nord und Süd.

Politik der Sozialisierung

Für den Politikwissenschaftler Hanns Maull von der Universität Trier haben die militärischen Aktivitäten Nordkoreas Methode. Gerade Massenvernichtungswaffen, so Maull, "stellen eine besonders attraktive Form der Absicherung und der Erpressung nach außen dar". Gleichzeitig würde ein tatsächlicher Einsatz solcher Waffen den "Selbstmord des Regimes" bedeuten. Da ein möglicher Angriff gegen das Land allerdings unberechenbare Gefahren mit sich brächte, sei eine "Politik der Sozialisierung" der einzig richtige Weg.

Den Demokraten in den USA ist Bushs Haltung indes noch zu zurückhaltend. Die Regierung lehne sich zurück und schaue zu, wie die Krise sich verschärfe, erklärte der Minderheitsführer im Senat, Tom Daschle. Der Präsident könne angesichts der eskalierenden Krise nicht länger auf Zeit spielen und "an der Seitenlinie" sitzen. Doch Bush bleibt dabei: Gemeinsam mit China, Russland, Japan und Südkorea will man eine diplomatische Lösung finden. Die Langstreckenbomber sind ohnehin schon vor Ort. (5.3.2003)

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