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Fokus Osteuropa

Nur wenige Russen können sich raschen EU-Beitritt vorstellen

Gegner und Befürworter einer EU-Mitgliedschaft halten sich in Russland die Waage. Ein schneller Beitritt wird nicht erwartet. Die Beziehungen zu Deutschland werden nach der neuen DW-Umfrage weiter positiv beurteilt.

Nach wie vor wünscht mehr als jeder dritte Russe den Beitritt seines Landes zur Europäischen Union (insgesamt 38 Prozent). Vor einem Jahr waren es 41 Prozent. Die Zahl derer, die eine EU-Mitgliedschaft grundsätzlich ausschließen ist nur geringfügig größer (40 Prozent). Die Russen sind in dieser Frage also weiterhin geteilter Ansicht.

Dies zeigt der aktuelle DW-Trend für Russland im Monat November. Die repräsentative Umfrage hat das Kiewer Büro des Meinungsforschungsinstituts IFAK im Auftrag der Russischen Redaktion der Deutschen Welle durchgeführt. Dafür wurden in Russland 1000 Bürger im Alter zwischen 18 und 65 Jahren in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern telefonisch befragt.

Offenbar wird ein EU-Beitritt inzwischen eher als ein langfristiges Vorhaben betrachtet. Während vor einem Jahr noch 32 Prozent einen schnellen EU-Beitritt innerhalb von fünf Jahren favorisierten, ist dieser Wert nun auf 22 Prozent gefallen. Damit liegt er auf dem tiefsten Stand seit der Erhebung des DW-Trends. Die Zahl der Menschen, die einen Beitritt ablehnen, ist allerdings nicht gestiegen.

Die Förderung wirtschaftlichen Wachstums ist nach Ansicht von 44 Prozent der Russen ein primäres Ziel der EU. Es wird von 52 Prozent der Befragten auch persönlich unterstützt. Die Entwicklung gemeinsamer Werte, Demokratie und Meinungsfreiheit spielen für die meisten keine große Rolle. Nur eine Minderheit von zehn Prozent hält sie für Ziele der EU und nur ebenso viele würden sie auch persönlich unterstützen.

Das Verhältnis zwischen Russland und der EU wird schlechter bewertet als vor einem Jahr. Damals bezeichneten 57 Prozent die Beziehungen als freundschaftlich oder partnerschaftlich. Inzwischen sind es nur noch 49 Prozent. Dieser Rückgang kann auch eine Erklärung dafür sein, warum sich heute weniger Russen als vor einem Jahr einen schnellen EU-Beitritt vorstellen können.

Infografik DW-TREND November 2013 (Grafik: DW)

Deutlich positiver gesehen wird das Verhältnis zu Deutschland, wenngleich auch hier eine Eintrübung in der Stimmung auszumachen ist. Während vor einem Jahr 69 Prozent der Russen die Beziehungen beider Staaten als partnerschaftlich oder freundschaftlich ansahen, sind es heute 60 Prozent. Niemand spricht allerdings mehr von verfeindeten Beziehungen. Vor einem Jahr taten das noch elf Prozent - offenbar unter dem Eindruck der offensichtlichen politischen Unstimmigkeiten zwischen Moskau und Berlin in Menschenrechtsfragen.

Im Vergleich zur EU und vor allem zu Deutschland lässt sich eine deutlich kritischere Sicht im Bezug auf die Ukraine feststellen. 43 Prozent der Russen beurteilen die Beziehungen zu ihrem Nachbarland positiv. Aber 36 Prozent sehen hier eine angespannte oder sogar feindliche Situation. Im Vergleich zum Vorjahr fällt die Bewertung der Beziehungen zur Ukraine damit noch schlechter aus.

Über das Image ihres Landes in Europa machen sich die meisten Russen keine Illusionen. 35 Prozent glauben, Russland werde vor allem als Lieferant für Rohstoffe und billige Arbeitskräfte gesehen. Nur 20 Prozent meinen, Russland gelte als ein verlässlicher strategischer Partner.

Die EU-Länder bleiben für die meisten Russen attraktive Reiseziele (68 Prozent). 40 Prozent sagen, sie würden häufiger in die EU reisen, wenn es Visafreiheit für russische Staatsbürger gäbe. Für die Mehrheit der Bevölkerung spielt diese Frage aber keine Rolle.