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Aktuell Amerika

Nur verurteilt, weil er arm war?

Ob der Afroamerikaner Antony Ray Hinton nun ein glücklicher Mann ist? Jedenfalls ist er ein freier Mann, womit nicht zu rechnen war. Nach fast 30 Jahren in der Todeszelle wurde er aus dem Gefängnis in Alabama entlassen.

"Sie wollten mich für etwas hinrichten, was ich nicht getan habe", sagte der 58-jährige Hinton nach seiner Freilassung. Er war 1985 zum Tode verurteilt worden, weil er bei Überfällen auf Fast-Food-Restaurants zwei Angestellte getötet haben soll. Wichtigstes Indiz war eine bei ihm gefundene Waffe. Doch 2014 wurde ein neues Verfahren angeordnet - nachdem Experten bereits Jahre zuvor Zweifel an der Tatwaffen-Theorie geäußert hatten.

Ein Gericht im Bezirk Jefferson entschied nun, dass jene Beweise gegen Hinton nicht ausreichen. Hinton hatte stets seine Unschuld beteuert. Nach der Ermordung der beiden Mitarbeitern der Fast-Food-Restaurants hatte die Polizei weder Zeugen noch Fingerabdrücke gefunden. Als jedoch später ein drittes Restaurant überfallen wurde, identifizierte der Inhaber Hinton als Verdächtigen - obwohl dieser erklärte, er sei 24 Kilometer entfernt bei seiner Arbeit gewesen.

Doch die falsche Waffe?

Die Polizei stellte bei Hintons Mutter eine Schusswaffe sicher und erklärte, dass diese bei allen drei Überfällen benutzt worden sei. Kriminaltechniker der US-Bundespolizei FBI kamen nun allerdings zu dem Schluss, dass die Waffe nicht mit den Verbrechen in Verbindung steht. Nach all den langen Jahren.

Hintons Anwalt Bryan Stevenson geht davon aus, dass sein Mandant auch wegen seiner Hautfarbe zu Unrecht verurteilt worden sei. "Rassismus, Armut, unzureichender anwaltlicher Beistand und die Gleichgültigkeit der Staatsanwaltschaft machen dies zu einem typischen Beispiel für einen Justizirrtum", erklärte Stevenson. Und weiter: "Dieser Fall ist ein Paradebeispiel, was an unserem System falsch ist", sagte der Verteidiger. "Er wurde verurteilt, weil er arm war."

Nach Angaben des Informationszentrums zur Todesstrafe wurden seit Wiedereinführung der Todesstrafe im Jahr 1973 insgesamt 152 Gefangene in den USA aus der Todeszelle entlassen, nachdem ihre Unschuld anerkannt worden war. Im März wurde im Bundesstaat Arizona das Verfahren gegen die gebürtige Berlinerin Debra Milke endgültig eingestellt. Milke hatte mehr als 25 Jahre im Todestrakt gesessen, weil sie am Mord an ihrem vierjährigen Sohn beteiligt gewesen sein soll. Das Urteil stützte sich damals aber auf ein zweifelhaftes Geständnis.

ml/gmf (dpa,afp)