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Europa

Nur Verlierer beim Konflikt im Kaukasus

Militärisch scheint der Südossetien-Konflikt entschieden zu sein, doch weit und breit gibt es nur Verlierer, meint Ingo Mannteufel.

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Ingo Mannteufel

Ingo Mannteufel, Leiter der Russischen Online- und Radio-Redaktion der Deutschen Welle

Nach drei Tagen Krieg um die abtrünnige Region Südossetien hat Georgien einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen. Zwar hat Moskau die Waffenruhe noch nicht bestätigt, doch schon jetzt steht fest, dass alle verloren haben - auch Russland.

Verlierer Saakaschwili und Georgien

Verloren hat Georgiens Präsident Saakaschwili. Im Schatten der Olympischen Spiele wollte er in einem Blitzkrieg die separatistische Region Südossetien nach mehr als 15 Jahren wieder unter seine Kontrolle bringen. Damit ist er nicht nur kläglich gescheitert. Vielmehr hat er eine schwere Niederlage erlitten, weil er sein Wahlversprechen nicht halten konnte, die territoriale Integrität Georgiens wiederherzustellen. Das wird seinen innenpolitischen Gegnern Auftrieb geben.

Die beiden abtrünnigen Regionen Südossetien und Abchasien sind nun fest in Hand der russischen Truppen. Die separatistischen Regime dort sind nun gefestigt. Eine Rückkehr dieser beiden Regionen in den georgischen Staat über eine Verhandlungslösung ist in nächster Zeit völlig unwahrscheinlich. Zudem hat sich Saakaschwili als militärischer Hasardeur entpuppt. Eine NATO-Mitgliedschaft für Georgien ist damit in weite Ferne gerückt.

Verlierer USA und die EU

Verloren haben aber auch die USA und die EU-Staaten. Das militärische Abenteuer von Saakaschwili hat die Regierungen in Washington und Europa völlig auf dem falschen Fuß erwischt. Mag sein, dass sie die Bedeutung des georgischen Vorgehens in Südossetien zu Beginn nicht richtig verstanden haben. In jedem Fall haben die westlichen Regierungen sehr lange gebraucht, den Ernst der Lage zu erkennen. Es reicht eben nicht, naive Aufforderungen zum Frieden zu verkünden. Weder gab es eine rechtzeitige Vermittlungsmission noch wurde ein Sondergipfel einberufen. Die Krise um Südossetien hat die ganze Zerrissenheit der Europäischen Union im Umgang mit seinen östlichen Nachbarn und insbesondere mit Russland offenbart. Es fehlt eine echte Strategie für den europäischen Osten.

Verlierer Medwedew und Russland

Verloren hat aber auch Russland. Es hat sich die ganze Schwäche der Tandemokratie Medwedew-Putin gezeigt. Während sich Präsident Medwedew noch sichtlich schwer in der Rolle des russischen Oberbefehlshabers tat, übernahm sein Vorgänger Putin als Premierminister faktisch wieder die Führungsrolle im Land. Zudem ist auch der bisherige Verdienst Medwedews während seiner fast 100-tägigen Amtszeit verflogen, nämlich eine Teil-Entspannung im Verhältnis zum Westen. Die harte und unnachgiebige militärische Reaktion Russlands im Südossetien-Konflikt wird die Sorge vor Russland im Westen nur weiter erhöhen. Die Selbstgerechtigkeit in Moskau, mit der man den Einmarsch in Georgien als humanitäre Intervention bezeichnet hat, wird im Westen nicht so geteilt.

Auch wenn es in Russland anders gesehen wird, Moskau hat sich aus europäischer Sicht als aggressiver und unkooperativer Akteur erwiesen. Die Entfremdung und damit die Verschlechterungen der Beziehungen zum Westen sind vorprogrammiert. Und während die NATO-Mitgliedschaft Georgiens unwahrscheinlicher geworden ist, so ist mit dem Wochenende die Ukraine der NATO-Mitgliedschaft einen Schritt näher gekommen. Alles keine guten Ergebnisse für die russische Führung.

Zuletzt dürfen die größten Verlierer des blutigen Wochenendes nicht vergessen werden: die Opfer des Krieges auf beiden Seiten, die getöteten Menschen, ihre Angehörigen, die Flüchtlinge und die Überlebenden, die nun vor den Ruinen ihrer Häuser stehen.