1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Nur noch zwei Bewerber für IWF-Chefsessel

Um die Nachfolge des zurückgetretenen Chefs des Internationalen Währungsfonds Strauss-Kahn konkurrieren nur noch Christine Lagarde aus Frankreich und Agustin Carstens aus Mexiko. Den dritten Bewerber lehnte der IWF ab.

Die Kandidaten: Christine Lagarde und Agustin Carstens (Foto: dpa)

Die Kandidaten: Christine Lagarde und Agustin Carstens

Sie hat sehr schnell ihren Hut in den Ring geworfen: Christine Lagarde, 55 Jahre alt, französische Finanzministerin. Sie genießt die Rückendeckung der Europäer, die bisher traditionell den IWF-Direktor stellen, während die USA den Spitzenposten bei der Weltbank besetzen. Die Französin war lange in den USA als Anwältin tätig und kennt die internationale Finanzszene genau. Durch ihre Arbeit als Kabinettsmitglied in Paris hat sich Lagarde während der Finanzkrise einen guten Ruf im Kreis der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer erarbeitet.

IWF-Eingang in Washington (Foto: dapd)

Die IWF-Zentrale in Washington

Als Kandidatin Europas warb Christine Lagarde jüngst auf einer Reise um den Globus um internationale Unterstützung, die Reaktionen darauf waren bei wichtigen Ländern wie Indien oder China aber eher zurückhaltend. Gesichert hat sich Lagarde jedoch die Unterstützung afrikanischer Staaten.

Kompetente Konkurrenz aus Mexiko

Der mexikanische Zentralbankchef Agustin Carstens (Foto: dapd)

Agustin Carstens, der Kandidat aus Mexico

Ihr Kontrahent kommt aus Mexiko: Agustin Carstens, 53 Jahre alt, Zentralbankgouverneur und früherer mexikanischer Finanzminister. Der Ökonom wirkte bereits als Vizechef des IWF und gilt unter Experten als der fachlich bessere Kandidat. In seiner Bewerbung spiegelt sich auch der Anspruch der wirtschaftlich immer bedeutenderen Schwellenländer auf den Spitzenposten des Währungsfonds wider.

Fraglich ist aber, ob der Mexikaner diese Staaten auch geschlossen hinter sich vereinen und zudem noch die Unterstützung der USA gewinnen kann. Bezeichnend ist: Seine Kampagne ist deutlich zurückhaltender als die Werbetour seiner französischen Konkurrentin. In Richtung Europa sagte Carstens in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt", er werde alle Ressourcen mobilisieren, um Europa in der jetzigen Krise zu helfen. Da er den Internationalen Währungsfonds seit vielen Jahren "wie meine Westentasche" kenne, sei er auch der bessere Kandidat.

Israels Zentralbankchef ist zu alt

Der israelische Zentralbankchef Stanley Fischer (Foto: dpa)

Aus Altersgründen abgelehnt: Der israelische Zentralbankchef Stanley Fischer

Dritter Bewerber um den Chefposten beim IWF war zunächst der israelische Zentralbankchef Stanley Fischer. Seine Kandidatur wurde allerdings am Montag (13.06.2011) überraschend abgelehnt. Vertreter des IWF-Direktoriums sagten der Nachrichtenagentur Reuters, es habe keine ausreichende Mehrheit für eine Änderung der Statuten gegeben, was eine Voraussetzung für eine Kandidatur des 67-Jährigen gewesen wäre. Nach den geltenden IWF-Regeln dürfen Kandidaten nicht älter als 65 Jahre sein.

Fischer war von 1994 bis 2001 stellvertretender Direktor des Währungsfonds gewesen. Zudem hat er bei der Weltbank und beim Finanzriesen Citigroup gearbeitet. Er besitzt neben der israelischen auch die US-Staatsbürgerschaft.

Entscheidung für Nachfolge Strauss-Kahns soll bis Ende Juni fallen

Dominique Strauss-Kahn im Gerichtssaal (Foto: dapd)

Seine Karriere ist vorüber: Dominique Strauss-Kahn vor Gericht

Während sich der bisherige IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, der beinahe französischer Präsidentschaftskandidat geworden wäre, in New York vor Gericht gegen den Vorwurf verteidigen muss, ein Zimmermädchen misshandelt zu haben, stellt die mächtige Finanzorganisation damit die Weichen für die Zeit nach "DSK".

Der IWF-Verwaltungsrat will seine Entscheidung über den künftigen Chef der UN-Sonderorganisation bis zum 30. Juni getroffen haben.


Autoren: Marko Langer/Thomas Grimmer (dpa, afp, rtr)
Redaktion: Siegfried Scheithauer/Ursula Kissel

Die Redaktion empfiehlt