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Fokus Osteuropa

Nur Minderheit der Russen will Atomausstieg

25 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl sieht weniger als die Hälfte der russischen Bevölkerung die Kernkraft als gefährlich an. Ein Drittel ist für den Atomausstieg.

An der Ortseinfahrt von Tschernobyl (Foto: DW)

Atomkraft bei Russen 25 Jahre nach Tschernobyl umstritten

43 Prozent der Russen halten die Kernkraft für gefährlich. 36 Prozent werten sie hingegen als nicht gefährlich. Nur ein Drittel der Bevölkerung Russlands will einen Atomausstieg oder zieht ihn zumindest in Betracht. Das ist das Ergebnis des aktuellen DW-Trends, den das Institut für wirtschaftliche und politische Analysen in Osteuropa (WPA) im Auftrag der Russischen Redaktion der Deutschen Welle ermittelt hat. Die repräsentative Umfrage, bei der in Russland 1.000 Personen interviewt wurden, hat im April 2011 stattgefunden.

Jeder fünfte Russe (21 Prozent) hat keine Meinung zu den Gefahren bei der Nutzung der Atomenergie. 34 Prozent der Befragten geben in dem DW-Trend an, dass sich ihre Einstellung zu dem Thema nach der Katastrophe im japanischen Fukushima geändert habe. Hiervon sind rund 17 Prozent der Meinung, dass auf Grund von schweren Unfällen die Kernkraft verboten werden sollte. Weitere 17 Prozent befürworten Überlegungen zu einem Ausstieg aus der Kernkraft. Unter den 18- bis 29-Jährigen ist die Anzahl der Ausstiegsbefürworter mit 39 Prozent der Befragten am größten. In dieser Altersgruppe ist auch der Anteil derer, die die Kernkraft als gefährlich einstufen, mit 47 Prozent am höchsten. Am wenigsten Bedenken hat die Gruppe der 50- bis 59-Jährigen, in der 41 Prozent die Kernkraft als gefährlich ansehen.

Vertrauen in russische Technologie

44 Prozent aller Befragten sind hingegen der Ansicht, dass ein Unfall wie in Fukushima in Russland nicht passieren könne und haben deshalb ihre Ansicht zur Atomenergie nicht geändert. Am geringsten ist der Anteil in der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, wo nur 39 Prozent dieser Meinung sind. Insbesondere aber in der Gruppe der über 50-Jährigen überwiegt das Vertrauen in die russische Kerntechnologie (49 Prozent). Rund acht Prozent aller Befragten geben an, dass sie den Nutzen der Kernenergie wichtiger fänden als die potentiellen Risiken. 14 Prozent der Befragten haben sich zu diesem Thema keine Meinung gebildet.

DW-Trend-Grafik zur Frage: Ist die Atomkraft gefährlich? (Grafik: DW)

Damit zeigt der DW-Trend, dass die Kernkraft in Russland auf weitaus geringere Skepsis stößt als in Deutschland, wo anderen aktuellen Umfragen zufolge inzwischen eine große Mehrheit der Bevölkerung einen möglichst schnellen Atomausstieg befürwortet. Bezeichnend ist, dass auch in den östlichen Regionen, die sich in unmittelbarer Nähe zu Japan befinden, keine größere Ablehnung der Kernenergie besteht als in den westlichen Regionen Russlands. Somit bleibt die Kernenergie für eine kleine Mehrheit der Russen weiterhin eine gangbare Energieoption für die Zukunft.

Autoren: Bernd Johann / Kishor Sridhar
Redaktion: Markian Ostaptschuk

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