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Wissen & Umwelt

Nur ein Stich kann tödlich sein

Malaria ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. Fast 500 Millionen Menschen erkranken jährlich daran, rund eine Million von ihnen sterben. In Hamburg suchen Forscher nach einem Impfstoff.

Eine Stechmücke Anopheles quadrimaculatus, die Malaria übertragen kann (Foto: dpa)

Klein, aber gefährlich: die Anopheles-Mücke

Sie ist winzig klein und kaum zu sehen. Erst in der Nacht oder der Abenddämmerung wird sie aktiv - und ist dann oft lebensgefährlich. Der Stich einer weiblichen Anopheles-Mücke überträgt den Malaria-Erreger, das so genannte Plasmodium. Alle 30 Sekunden stirbt in Afrika, südlich der Sahara ein Kind daran.

Schon vor zehn Jahren verpflichteten sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, die Zahl der Malaria-Erkrankungen bis Ende 2010 zu halbieren. Doch die Bilanz sieht schlecht aus. Es gibt weder einen wirksamen Impfstoff noch genügend Geld, um die Folgen zu bekämpfen.

Infektion im Labor

Die Biologin Maya Kono sitzt in einem Labor und führt einen Versuch mit einer Malaria-Infektion durch (Foto: DW)

Maya Kono möchte mehr über die Malaria-Infektion erfahren

Tausende Kilometer von Afrika entfernt, in einem winzigen Labor direkt am Hamburger Hafen simuliert Maya Kono eine Malaria-Infektion. Die 32-Jährige ist Biologin am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Vorsichtig, mit Handschuhen holt sie ein paar rot schimmernde Petrischalen aus einem Wärmeschrank. In der Schale sind menschliches Blut und Malaria-Parasiten, es herrschen 37 Grad und eine Gasmischung wie im menschlichen Körper.

"Der Erreger dringt in die rote Blutzelle ein und ernährt sich dort vom Blutfarbstoff Hämoglobin", erklärt Maya Kono mit einer sanften Stimme. Nach einem 48-Stunden-Zyklus platzt die Zelle auf und setzt neue Erreger frei. "Für mich war es wichtig, herauszufinden, wie genau die Invasion funktioniert. Irgendwoher muss der Parasit ja wissen, dass das eine rote Blutzelle und keine weiße ist."

Proteine als Schlüssel

Petrischalen mit rotem Material werden in einem Labor von einem Mitarbeiter per Hand geöffnet (Foto: DW)

Ideale Bedingungen für den Malaria-Erreger

Dabei entscheidend sind Proteine. Sie docken nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an die rote Blutzelle an und öffnen diese für den Parasiten. Könnte man die entscheidenden Proteine blockieren, wäre eine Invasion unmöglich. "Doch leider gibt es ziemlich viele von ihnen", schiebt Maya Kono mit einem Lächeln ein.

Die Forschung hat in den letzten 20 Jahren erst 50 Malaria-relevante Proteine gefunden. Die Hamburger Biologin konnte in ihrer Doktorarbeit gleich 20 neue entdecken. Ein Wahnsinnserfolg für eine junge Wissenschaftlerin.

Flexible Erreger

Um die Funktion der Proteine besser bestimmen zu können, hängt Maya Kono ihnen ein fluoreszierendes Molekül an. Unter einem Spezialmikroskop kann sie dann an den leuchtenden Punkten erkennen, wo sich die Proteine am Parasiten befinden. Sind sie an der Oberfläche, spielen sie für die Invasion eine wichtige Rolle.

Ausbreitung der Malaria unter dem Mikroskop (Foto: DW)

Unter dem Mikroskop sichtbar - so breitet sich Malaria aus

"Trotz dieser Erkenntnisse wird die Entwicklung eines Impfstoffes noch Jahre dauern", meint die 32-Jährige. Die Malaria-Infektion sei ein ziemlich komplexer Zyklus. "Das Hauptproblem ist, dass der Erreger ziemlich schlau ist und sehr schnell Resistenzen entwickeln kann. Funktioniert der eine Schlüssel für das Öffnen der roten Blutzelle nicht, ändert er seine Strategie und nimmt einen anderen Schlüssel."

Häufige Fehldiagnose

Professor Rolf Horstmann(Foto: DW)

Rolf Horstmann sieht nur kleine Erfolge in der Malaria-Behandlung und -Prophylaxe

Doch Grundlagen-Forschung alleine hilft nicht im Kampf gegen Malaria. Davon ist Professor Rolf Horstmann überzeugt. Der 61-Jährige leitet das Bernhard-Nocht-Institut und weiß, dass Malaria vor allem eine Armutskrankheit ist. "In Afrika können sich die Betroffenen oft Krankenhäuser und Medikamente nicht leisten", erklärt der erfahrene Mediziner. "Schaffen sie es doch einmal zum Arzt, wird häufig die Diagnose falsch gestellt. Hochfieberhafte Erkrankungen gelten in Afrika oft als Malaria."

Auch Blutproben geben nicht immer Sicherheit. Denn 50 Prozent der gesunden Bevölkerung tragen dort Malaria-Parasiten in sich. Fehlbehandlungen oder zu späte Eingriffe sind in Ländern wie Tansania oder Kamerun Alltag. Vor allem Kinder und Säuglinge sind betroffen, aber eben nicht nur.

Armut als Teufelskreis

"Auch Erwachsene, die produktive Altersgruppe in der Gesellschaft, haben immer wieder Malaria. Dadurch sind sie weniger leistungsfähig", so Horstmann. "Das ist ein Teufelskreis: Die Malaria trägt dazu bei, dass die Gesellschaften arm bleiben."

Die kleines Mädchen presst ihre Hände an ein Moskitonetz (Foto: dpa)

Wichtig, aber nur bei richtigem Gebrauch: Moskitonetze

Forschung müsse Hand in Hand mit Gesundheitspolitik gehen, meint der Forscher mit einem vehementen Unterton und gibt als Beispiel Ghana an. Das westafrikanische Land galt jahrelang als eines der größten Endemiegebiete für Malaria. Vor vier Jahren wurde eine allgemeine Krankenversicherung eingeführt. "Einerseits verbesserte sich dadurch die Malaria-Behandlung. Andererseits sieht man auch viele Menschen mit fortgeschrittener Malaria-Infektion, die früher gar nicht zum Arzt gegangen sind, weil das zu teuer gewesen wäre", beschreibt Rolf Horstmann die Situation. "Wir nehmen an, dass die Dunkelziffer an Malaria-Erkrankungen jetzt geringer wird. Dadurch wird sich auch langfristig die Zahl der Malaria-Toten senken lassen."

Aufklärung als Schutz

Einmalige Kampagnen, bei denen imprägnierte Moskitonetze verteilt werden, seien dagegen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Deswegen kooperieren Horstmann und sein Team mit einheimischen Kollegen und Hilfsorganisationen in Ghana.

Gemeinsam betreiben sie Aufklärungsarbeit in Krankenhäusern und Schulen. Netze regelmäßig besprühen, auf Löcher und Risse achten, sich bei Dämmerung im Inneren aufhalten - einfache Alltagstipps, die vor einer tückischen Mücke schützen und so ein Leben retten können.

Autorin: Aygül Cizmecioglu
Redaktion: Nicole Scherschun

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