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Nur die Harten kommen in den Garten

Hart: Dieses unschuldige kleine Wort ist wirklich die Härte. Menschen können hartherzig sein, hart drauf sein und knallhart kalkulieren. Mancher trägt das „hart“ sogar im Vornamen – muss aber kein harter Mensch sein.

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Nur die Harten kommen in den Garten

Zunächst einmal ist hart das Gegenteil von weich. Etwas Hartes ist fest, widerstandsfähig und gibt auf Druck nicht nach. Vielleicht schlafen wir ja auf einer harten Matratze, bevor wir uns mit der harten Zahnbürste die Zähne putzen –, um dann ein hartgekochtes Ei mit einer harten Scheibe Brot zu essen, bevor wir unseren Hartschalen-Aktenkoffer nehmen und zur Arbeit fahren. Die ist natürlich auch hart, doch dazu später. Denn das Wörtchen „hart“ hat noch jede Menge übertragene und verwandte Bedeutungen.

Harte, kriegerische Vornamen

Hagen Denkmal in Worms am Rhein @Stock-Foto

Viele alte deutsche Vornamen sind Ausdruck bestimmter Tugenden

„Harti“ bedeutete im Althochdeutschen „stark“, „hart“ und „fest“. Solche Tugenden waren damals im finsteren Mittelalter und davor ziemlich beliebt. Und so entstanden zahlreiche Namen, die genau das ausdrücken sollten.

Die Eltern hatten wohl irgendwie die Hoffnung, dass ihr Nachwuchs mit dem Namen auch die Stärke bekam, die der Name ausdrückte. Es entstanden Vornamen wie „Hartmut“, eine Kombination aus Stärke und Mut, „Edelhard“, die Verbindung von Adel und Stärke oder „Gerhar(d)t“, der Starke mit dem Speer, aber auch seltene Namen wie „Sturmhart“, der, dem der Sturm nichts anhaben kann.

Die Härte: eine männliche Eigenschaft

Ein Turner. Szene aus dem Film: Fest der Schoenheit (Riefenstahl) © picture-alliance/dpa/akg-images

Hartes Muskeltraining sollte die deutschen Männer bei der Olympiade 1936 in München zum Erfolg führen

Das Dritte Reich mit seinem Germanenkult und der Verehrung alles Militärischen mochte solche Namen. Aber nicht nur das. Es wurde hart durchgegriffen, mit harter Hand geführt – und deutsche Männer wurden öffentlich als hart wie Kruppstahl dargestellt.

Hart zu sein galt und gilt als männlich. Es bedeutet, robust und widerstandsfähig, aber auch streng, unbarmherzig und ohne Mitgefühl zu sein. Frauen werden nur dann als hart beschrieben, wenn sie sich verhalten wie Männer. Dann heißt es oft, sie hätten ein hartes Wesen – und das ist dann durchaus negativ gemeint.

Die Härte und ihre Grenzerfahrungen

Ein Segelschiff fährt schräg im Wasser Foto: picture-alliance/dpa/C. Rehder Foto: picture-alliance/dpa/C. Rehder

Immer hart am Wind

Hart kann auch „dicht“, „knapp“ oder „nah“ bedeuten. Da ist ein Kommentar im Internet hart an der Grenze zur Beleidigung, jemand steht hart am Abgrund, und ein Schiff segelt hart am Wind.

Und wenn der Supermarkt seine Preise knallhart kalkuliert, bedeutet das, dass er fast keinen Gewinn mit den Lebensmitteln macht, die er verkauft.

Wenn derselbe Supermarkt seine Lieferanten allerdings knallhart zwingt, ihre Preise zu senken, dann ist hier wieder Stärke und Unbarmherzigkeit gemeint.

Is’ ja hammerhart!

Das ist ja echt hart!“ sagten die Jugendlichen in den 1970er Jahren, wenn sie etwas erstaunlich fanden. Dinge, die besonders frech oder dreist waren, die eine Unverschämtheit darstellten, über die man sich einfach nur wundern oder die man nicht glauben konnte, gehörten ebenfalls dazu.

Wer solche Dinge tat, der war hart drauf, und die Dinge, die er tat, waren die Härte. Doch weil das Wort „hart“ nicht stark genug war, solcherlei Gefühle auszudrücken, suchte es sich Vorsilben. Die wirklich erstaunlichen, dreisten Frechheiten waren dann beinhart, bretthart oder hammerhart.

Harte Sprüche

Schachbrett mit Figuren Foto: Michael Rosenfeld/ dpa -

Aus harten Holz geschnitzt sind nicht nur Figuren, sondern auch manche Menschen

Natürlich haben sich um das Wort „hart“ auch Redewendungen gebildet. Die können sich oft nicht entscheiden, ob sie das Harte nun bewundern oder verachten sollen. Jemand, der hart im Nehmen ist, mag noch dafür gelobt werden, dass ihn so schnell nichts umwirft.

Doch wenn einer ein harter Brocken ist oder aus hartem Holz geschnitzt wurde, dann ist er eben beides: standhaft und gefühllos, hat dann ein hartes Herz. Wer etwas auf die harte Tour lernt, der kann sich im Nachhinein entscheiden, ob das gut für ihn war oder nicht. Doch die harte Schule des Lebens ist in jedem Fall grausam.

Nur die Harten kommen in den Garten

Und der Spruch: „Nur die Harten kommen in den Garten“ drückt in Reimform wunderbar die ganze Unbarmherzigkeit der aktuellen Leistungsgesellschaft aus. Nur die Starken überleben. Die anderen, also die, die nicht mithalten können – die Schwächlinge und

Weicheier

– werden aussortiert. Denjenigen, die da nicht mitmachen wollen, rate ich, nicht so hart zu sich selbst und mit den anderen zu sein.


Arbeitsauftrag
Was ist eine harte Matratze oder ein hartgekochtes Ei? Was bedeutet es, nicht zu hart zu sich selbst zu sein? Erstellt in eurer Lerngruppe zunächst ein Glossar mit den übertragenen Bedeutungen des Begriffs „hart“ aus diesem Text. Formuliert dann in kleinen Arbeitsgruppen Beispielsätze.

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