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Sport

Nur der Klassenerhalt oder mehr?

Bei der Eishockey-WM in Tschechien wird der deutschen Nationalmannschaft kaum etwas zugetraut. Im Team selbst ist der Glaube an die eigene Stärke ungebrochen, den Titel machen aber andere unter sich aus.

Angst vor dem Abstieg, Traum vom Viertelfinale, Respekt vor dem Mammutprogramm: Mit gemischten Gefühlen haben sich die deutschen Eishockey-Nationalspieler mit dem Bus Richtung Prag in ein ungewisses WM-Abenteuer aufgemacht. Nach einer Absagenflut und der Dauer-Diskussion um Bundestrainer Pat Cortina wollen die Kufencracks den Ruf des deutschen Eishockeys bei der WM in Tschechien (1. bis 17. Mai) mit einer "Jetzt-erst-recht"-Mentalität retten. "Jetzt sind alle heiß drauf, dass es endlich losgeht", sagte der nachnominierte Verteidiger Patrick Köppchen nach dem ersten Training in Prag. Und Torhüter Dennis Endras meinte: "Es macht doch keinen Spaß, um den Trostpreis zu spielen. Wir fahren dahin, um etwas zu erreichen."

Von enormer Bedeutung ist dafür das Auftaktspiel am Freitag gegen Frankreich (16.15 Uhr MESZ). Bei einer Niederlage droht einen Tag später gegen Olympiasieger Kanada ein totaler WM-Fehlstart. Auch danach geht es Schlag auf Schlag, sieben Gruppenspiele in zehn Tagen sind selbst für die Play-off-erfahrensten Haudegen im Team eine große Herausforderung. "Das ist kein Honigschlecken", sagte DEB-Präsident Franz Reindl. "Da ist jedes Spiel ein Endspiel."

Cortina unter Druck

Deutschlands Eishockey-Trainer Pat Cortina (Foto: Armin Weigel/dpa)

Bundestrainer Pat Cortina

Das gilt vor allem für den umstrittenen Bundestrainer Cortina. Für den 50-Jährigen dürfte die WM nach drei größtenteils erfolglosen Jahren eine Abschiedsveranstaltung werden - wenn nicht noch ein kleines Wunder passiert. "Ich bin froh, dass wir jetzt mit viel Leidenschaft loslegen können", sagte Cortina. Die Spekulationen um seine Person und um mögliche Nachfolger - auch der Name von Vor-Vorgänger Uwe Krupp ist schon gefallen - hätten keinen Einfluss auf die Mannschaft, betonte Cortina: "Mein Vertrag entscheidet nicht darüber, wie die Mannschaft spielt."

Die Qualität im WM-Kader dagegen schon. Und die scheint nach den über 20 Absagen, darunter die der NHL-Profis Dennis Seidenberg, Marcel Goc und Christian Ehrhoff, kaum für das von den Spielern anvisierte Ziel Viertelfinale zu reichen. DEB-Boss Reindl sieht daher auch die Gefahr des Abstiegs gegeben: "Das ist natürlich ein Thema, mit dem man sich beschäftigen muss." Ein verpasster Klassenerhalt des Männer-Teams nach den Abstiegen der U18, U20 und der Frauen-Nationalmannschaft in diesem Jahr hätte fatale Folgen für das deutsche Eishockey und das gerade erst ins Leben gerufene Reformkonzept "Powerplay 26".

Um das Heimrecht für das Olympia-Qualifikationsturnier 2016 zu erkämpfen, muss die DEB-Auswahl wohl ins Viertelfinale einziehen. Größter Hoffnungsträger dafür ist Tobias Rieder, der einzige NHL-Profi im 26-köpfigen WM-Kader. Der Stürmer der Arizona Coyotes, der in seiner Rookie-Saison mit 13 Toren und acht Assists voll überzeugen konnte, nimmt die ungewohnte Führungsrolle gerne an: "Das unglaubliche Jahr in der NHL hat mir viel Selbstvertrauen gegeben." Auch die sechs Mannheimer Meisterspieler, die ebenso wie die vier Profis von "Vize" ERC Ingolstadt erst in dieser Woche zum Team gestoßen sind, wollen eine Siegermentalität einbringen. "Unser Tank ist voll, wir freuen uns riesig auf die WM", sagte Adler-Stürmer Christoph Ullmann.

Kanada mit Crosby Top-Favortit

Nach den Partien gegen Frankreich und Kanada trifft das Cortina-Team auf den Erzrivalen Schweiz. Danach warten die Gruppengegner Schweden, Lettland, Tschechien und zum Abschluss Aufsteiger Österreich auf den Weltranglisten-13.

Werbeplakat für die Eishockey WM in Ostrau (Foto: EPA/ARMANDO BABANI)

Tschechien freut sich auf die WM - das eigene Team gehört zum erweiterten Favoritenkreis

Als Top-Favorit gilt Kanada. Der zweite deutsche Gegner ist nur mit NHL-Stars besetzt und hat in Sidney Crosby den vielleicht besten Spieler der Welt in seinen Reihen. "Es wird nur ein, zwei, drei Spiele im Leben gegen so einen Spieler geben. Das sind Momente, die man genießen sollte", meinte Stürmer-Routinier Christoph Ullmann zum Treffen am Sonntag (16.15 Uhr MESZ). Crosby gewann 2009 den Stanley Cup und holte bereits zweimal Olympia-Gold mit Kanada. Nun soll der erste Weltmeistertitel her. Rekord-Weltmeister Russland geht als Titelverteidiger ins Rennen. "Auch Tschechien mit dem Heimvorteil wird eine Bank sein. Eigentlich kann man jede Top-Nation nennen", meinte Reindl. Dazu gehören auch Finnland, Schweden und die USA.

asz/ck (sid)

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