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Wirtschaft

Nunca más – Niemals mehr

Überalterte einwandige Tanker bedrohen die Umwelt. Ein drastisches Beispiel war der Untergang der "Prestige" vor einem Jahr vor Galizien. Deutsche-Welle-Reporter Johannes Beck hat sich am Jahrestag dort umgesehen.

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Von skrupellosen Profiteuren betrieben: Schrottreife Tanker

Gut ein Jahr ist es her: Am Mittwoch, den 13. November funkte der unter der Flagge der Bahamas fahrende Öltanker "Prestige" ein Mayday. Der 26 Jahre alte Tanker hatte auf dem Weg von Riga nach Gibraltar Schlagseite bekommen und bat darum, die Besatzung zu evakuieren. Was mit einem einfachen Notruf begann, endete in der größten Umweltkatastrophe Nordwestspaniens. 50.000 Tonnen giftiges und klebriges Schweröl überzogen die Küste Galileis mit einem tödlichen Film. Zehntausende Seevögel verendeten jämmerlich, die Fischer mussten ihre Arbeit einstellen, Muschelzüchter blieben auf ihrer Ware sitzen.

Erholung ist spürbar

Heute sind die Folgen nicht mehr sichtbar: Garnelen, Miesmuscheln oder so genannte "Entenfüße" – Meeresfrüchte gibt es bei den Fischverkäuferinnen im Markt am Rande der Altstadt von La Coruña inzwischen wieder in Hülle und Fülle. Nicht etwa importiert, sondern aus heimischer Produktion. Die Kunden kommen wieder, 20 Euro kostet ein Kilo Garnelen. Nach einer lagen Durststrecke, in der der Staat die Fischer unterstützt hat, können diese nun langsam wieder selber Geld verdienen.

Krasse Einbußen verzeichnet

Für die nordwestspanische Region Galizien brachte der Untergang der "Prestige" herbe wirtschaftliche Verluste: Während hier normalerweise pro Jahr etwa 200.000 Tonnen Miesmuscheln in über 3.000 Zuchtbänken in den Rías, den Flussmündungen Galiziens, angebaut werden, durfte nach der Ölpest keine einzige Muschel mehr verkauft werden. Die Aufzucht von Meeresfrüchten und die Fischerei sind zwei der wichtigsten Branchen der Region.

Fischereiwirtschaft läuft wieder

Inzwischen sind fast alle Fischfangverbote an der galizischen Küste aufgehoben. Aber der Tourismus leidet weiter unter den Folgen der Ölpest. In der am stärksten betroffenen Stadt La Coruña ist die Zahl der Reisenden in diesem Jahr um etwa 15 Prozent gesunken. Doch das Image der Katastrophenregion entspricht inzwischen nicht mehr der Realität: Denn wer die Strände Galiziens besucht, egal ob in Bayona im Süden, auf den Vogelinseln Islas Cíes oder in La Coruña im Norden, findet weder an Land noch unter Wasser Reste des Schweröls der Prestige. Wo noch vor einem Jahr nach Schätzungen der spanischen Vogelschutzgesellschaft SEO insgesamt über 100.000 Seevögel starben und Fische durch den hohen Schwefelgehalt des Prestigeöls verendeten, macht die Natur heute einen intakten Eindruck.

Zeitbombe unter Wasser

Nach Angaben des spanischen Umweltministeriums sind nur noch an vier der über 700 Strände Galiziens Ölreste zu finden. Doch ganz erleichtert können die Galizier nicht sein, in vier Kilometern Tiefe befinden sich in dem gesunkenen Tanker noch 37.000 Tonnen Schweröl.

Gefahr droht auch von den zahlreichen einwandigen Tankern, die weiterhin regelmäßig die schwierigen Gewässer um die nordspanische Küste befahren. Zum Ärger zahlreicher Galizier: Sie tragen zum Zeichen ihres Protestes blau-schwarze Anstecker mit der Botschaft "Nunca más" ("Nie wieder"). Für sie ist es an der Zeit, endlich alte Tanker wie die "Prestige" aus dem Verkehr zu ziehen, bevor der Name der Costa da Morte, "Todesküste", wieder buchstäblich Wirklichkeit wird.

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