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Kultur

Nullrunde für die Wissenschaft

Bundesforschungsministerin Bulmahn eröffnete kürzlich den Wissenschaftsorganisationen, dass die zugesagten Etatzuwächse für 2003 gestrichen würden. Seitdem ist von einer "Katastrophe" für die deutsche Forschung die Rede.

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Die Aussichten für 2003 sind düster.

"Die Schließung von mindestens 20 Abteilungen an unseren Instituten ist unvermeidlich", sagt Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft. Und er schließt auch nicht aus, dass mittelfristig ganze Institute geschlossen werden müssen. Dann nämlich, wenn es bei der für 2003 angekündigten Nullrunde und den ungünstigen Finanzperspektiven für die Zukunft bleiben sollte.

Die jetzt geplante Nullrunde stößt bei allen Wissenschaftsorganisationen auf Unverständnis. Zumal bisher ein parteiübergreifender Konsens bestand, dass weitere Anstrengungen unternommen werden müssen, um weltweite Spitzenleistungen in der deutschen Forschung zu ermöglichen.

Jahrelang hätten die staatlichen Zuschüsse trotz aller Steigerungen schon deutlich unter dem tatsächlichen Finanzbedarf der international ausgewiesenen Spitzenorganisation der Grundlagenforschung gelegen, so Peter Gruss. Die nun von der Bundesregierung vorgesehene Streichung des vereinbarten Zuwachses für die Max-Planck-Gesellschaft bedeute einen zusätzlichen Einnahmeausfall von 28 Millionen Euro. Gegenüber dem tatsächlichen Finanzbedarf für 2003 fehlten der Forschungsorganisation mehr als 50 Millionen Euro pro Jahr. Doch die Teilnahme an der internationalen Wissensgemeinschaft sei teuer und könne nicht durch Trittbrettfahren erreicht werden.

Alle sind betroffen

"Das für 2003 angedachte Nullwachstum ist für die Wettbewerbssituation der Max-Planck-Gesellschaft schlichtweg eine Katastrophe," fasst Gruss zusammen.

Gleiches gilt auch für andere Einrichtungen, beispielsweise für die Fraunhofer Gesellschaft und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Sie alle haben sich der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verschrieben und zeichnen sich durch exzellente Arbeit wie eine internationale Ausrichtung aus.

Ein anderes Problem ist: Bei einer Förderorganisation werde das Geld immer im Voraus ausgegeben, wie Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, erklärt. Das Geld sei per Definition immer schon ausgegeben. "Dementsprechend müssen wir in laufende Verfahren eingreifen, und das müssen wir in allen laufenden Verfahren auch tun."

ln der Max-Planck-Gesellschaft wird über das weitere Vorgehen derzeit intensiv beraten. Dabei wird es auch darum gehen, inwieweit neue Forschungsgebiete in die bestehenden Strukturen aufgenommen werden können. Denn die Forschungsorganisation plant beispielsweise die Einrichtung eines Instituts für Gerontologie. Dieses soll die drängenden Fragen, die eine alternde Gesellschaft an die Zukunft der medizinischen Forschung sowie der Sozial- und Rentensysteme stellt, interdisziplinär erörtern.

Kürzungen trotz verschärftem internationalen Wettbewerb

Der Konsolidierungskurs der Bundesregierung trifft die Forschungsgesellschaften zu einer Zeit, in der verschärfter internationaler Wettbewerb um die besten Forscher und Forscherinnen deutlich mehr Investitionen als früher verlangt. Während der deutschen Forschung Nullrunden drohen, wachsen die Haushalte der führenden Wissenschaftsorganisationen in den USA und in vielen europäischen Ländern weiterhin mit teilweise zweistelligen Raten pro Jahr. "Dieser internationale Wettbewerb um die besten Forscherinnen und Forscher verteuert jede neue Berufung und verlangt eine bessere Ausstattung der Institute", sagte Barbara Bludau, die Generalsekretärin der Max-Planck-Gesellschaft.

Die Schere zwischen wachsenden Kosten und sinkenden Einnahmen bedroht die Wettbewerbsfähigkeit der Forschungsgesellschaften nachhaltig und könnte auch den Standort Deutschland schwächen, weil die Möglichkeiten des wissenschaftlichen Nachwuchses drastisch eingeschränkt werden. Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, macht denn auch keinen Hehl aus seiner Sorge, dass die Politik falsche Prioritäten setze und appelliert an Bund und Länder, die erforderliche finanzielle Planungssicherheit zu gewähren. Das Beispiel USA zeige, welch zentrale Rolle die Grundlagenforschung für die Wirtschaft spiele. Dort gehen rund drei Viertel aller in den Patenten zitierten Publikationen auf Forscher zurück, deren Arbeiten aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.

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