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Berlinerisch

Null Drei Null: So tickt Berlin

Berlin ist Hauptstadt! Aus zwei Städten wurde eine und die ist doppelt so groß. Nun ist vieles zweimal vorhanden, vieles wurde neu hergerichtet. Die Berliner nehmen die Änderungen gewohnt gelassen.

Der Regierungsumzug hat die Stadt verändert. Sie hat jetzt ein neues Zentrum, eine bessere Gastronomie, bessere Zeitungen, eine Society und tausend neue wichtige Adressen. Berlin ist allerdings viel zu groß, um von einer Bagatelle wie einem Regierungsumzug von Grund auf verändert zu werden.

Bonn in Berlin
Das Selbstbewusstsein der Hauptstädter ist unerschütterlich wie eh und je. Dass jetzt die Regierung kräftig Wirbel macht, regt hier keinen auf. Nichts ist passiert. Zumindest nicht viel. Berlin ist geblieben, wie es war – ziemlich groß, ziemlich unübersichtlich, proletarisch und ein bisschen chaotisch, schön und hässlich zugleich. Berlin, wird oft gesagt, sei gar keine richtige deutsche Stadt. Berlin sei anders, unaufgeräumter und unordentlicher. Und ewig unfertig.

Geschimpft und gemeckert wird an allen Ecken: Riesenprobleme in der Hauptstadt der Schulden. Berlin ist pleite. Trotz dieser Lage ist die Stimmung gut. Besonders viele Gedanken kreisen zurzeit um den Bezirk Mitte. In Mitte, heißt es, sei die alte Hauptstadt Bonn wieder auferstanden. Der Stadtteil ist Lebensbühne und Zentrum der neuen Berliner Republik.

Denn Berlin war und ist auch ein politisches Symbol: Ein Symbol der preußischen Arroganz der Macht, der gescheiterten Weimarer Demokratie, Symbol für Vernichtung durch die Nazis und der deutschen Teilung. Und nun ein Symbol der deutschen Einheit.

Dickes B an der Spree
Berlin nimmt das Neue auf – ohne nennenswerten Widerstand. Wer zehn Jahre in Berlin gelebt hat, ist zum Berliner geworden, einfach so. Eindrucksvoll ist sie, die Stadt, aber verdammt schwer zu beeindrucken.

Ein bisschen trist und hart ist sie auch. Eine Stadt, die Neulinge gleichgültig von sich stößt und dann urplötzlich an sich ziehen kann. Auch die vielen VIPs gehen hier einfach unter. Ob sie bleiben oder gehen – Berlin kümmert das nicht weiter.

Der typische Berliner zuckt mit den Achseln. Man hat ja im Laufe der Jahre eine Menge gesehen. Die Reichen und die Regierungssysteme, Krisen, Zusammenbrüche, Pleiten und Auferstehungen – sie kommen und gehen. Was bedeutet da ein neuer Minister? Oder Pläne für den Wiederaufbau des zerstörten Stadtschlosses? Gar nichts.

Die Schnauze mit Herz
Messlatte war immer schon der Berliner selbst. Der hat das Herz am rechten Fleck und eine große Schnauze. Ein bisschen Gefühl darf auch sein, ein Hauch Sentimentalität. Der Berliner ist stolz auf seine Weltoffenheit – auf seine Lebensart.

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