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Politik

Nukleares Damoklesschwert

Vor 60 Jahren begann das Atomwaffenzeitalter: mit zwei verheerenden Atombomben-Abwürfen über Japan, unzähligen Tests auf Südsee-Atollen, einem jahrzehntelangen Wettrüsten und Unmengen Altlasten. Und der steten Bedrohung.

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Französischer Atomtest auf dem Mururoa-Atoll 1971


16. Juli 1945, 5.29 Uhr und 45 Sekunden Ortszeit: Ein gewaltiger Atompilz steigt über dem Gelände Alamogordo in der Wüste im US-Bundesstaat New Mexico auf. Die Detonation reißt einen drei Meter tiefen und 330 Meter breiten Krater in den Wüstenboden. Der Sand schmilzt zu grünlichem Glas. Das Gelände ist bis heute militärische Sperrzone.

US- Chefwissenschaftler Robert Oppenheimer, der "Vater der Atombombe", verfolgte die Zündung aus sicherer Ferne. Ihm ging dabei - der Überlieferung nach - ein Satz aus einer Hinduschrift durch den Kopf: "Nun werde ich der Tod, der Zerstörer der Welt."

Atomares Wettrüsten

Drei Wochen nach dem Test warfen die Amerikaner im August 1945 zwei Atombomben über Japan ab - mit den grauenhaften Folgen, mit denen Hiroshima und Nagasaki noch heute leben müssen. Seitdem sind Nuklearwaffen nicht mehr eingesetzt worden - aber ein Mal noch stand die Welt am Rande eines nuklearen Infernos: im Oktober/November 1962, als die Sowjetunion in Kuba über 150 Atomraketen stationierte. Das Wissen um die apokalyptische Wirkung wurde über Jahrzehnte zur Grundlage eines Sicherheitskonzepts, das auf einem "Gleichgewicht des Schreckens" zwischen den Supermächten USA und Sowjetunion beruhte: der Anhäufung von Atomwaffen auf beiden Seiten.

Mit der Gewissheit, dass ein Angriff unweigerlich die eigene Vernichtung nach sich ziehen würde. Bis Ende der 1980er Jahre häuften die damaligen Atommächte - USA, Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und China - insgesamt rund 50.000 Atomsprengköpfe an. Der Rüstungswettlauf hat Unsummen verschlungen. Seit Ende des Kalten Krieges und einer Serie von Abrüstungsverträgen sind sie zwar stetig abgebaut worden, aber die Bedrohung bleibt.

Immer mehr Atommächte

Nach wie vor verfügen Washington und Moskau über ein riesiges Atom-Arsenal - genug, um die Welt x-fach zu vernichten. Dazu hat sich der Kreis der Atommächte ausgeweitet. Mit Indien, Pakistan und Israel besitzen drei Länder in instabilen Regionen mit regionalen Konflikten Nuklearwaffen, und atomare Ambitionen des radikal-islamischen Iran stellen den Westen vor große Herausforderungen. Nordkorea hat sich offen zum Atomwaffenbesitz bekannt. Bemühungen um eine Einstellung des Programms Pjöngjangs treten auf der Stelle.

Geheimdienstliche Hinweise schließlich, nach denen El-Kaida-Chef Osama bin Laden mehrfach versucht hat, atomares Material zu erwerben, haben das Schreckgespenst von Nuklearwaffen in Terroristenhand zu einer realen Bedrohung werden lassen. Der internationale Handel des pakistanischen Atomwissenschaftlers Abdul Quadeer Khan hat gezeigt, wie schwer es ist, die Weiterverbreitung von Atomtechnologien zu bremsen.

US-Präsident George W. Bush betont, dass so genannte "Problemstaaten" und Terroristen die "neuen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts" seien. Das Problem: Das Sicherheitskonzept der nuklearen Abschreckung, mit dem sich während des Kalten Krieges die Supermächte gegenseitig in Schach hielten, funktioniert bei dieser Art von Bedrohung nicht. (arn)

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