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Aktuell Deutschland

NSU-Anschlag in Köln: Legte ein V-Mann die Bombe?

Bei der Mord- und Anschlagserie des NSU gibt es neue Hinweise auf mögliche Verstrickungen eines Verfassungsschutz-Informanten. Der schlimme Verdacht: Ein V-Mann könnte in Köln eine Bombe gelegt haben.

Polizisten nehmen Glassplitter vor dem iranischen Geschäft auf, in dem eine Bombe explodiert war (Foto: dpa)

Archivbild vom Bombenanschlag 2001 auf ein iranisches Lebensmittelgeschäft in Köln: Legte ein V-Mann die Bombe?

Hat ein geheimer Mitarbeiter des Verfassungsschutzes einen Bombenanschlag auf einen Lebensmittelladen in Köln verübt? Zumindest soll die frühere Leiterin des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes den V-Mann auf dem nach dem Anschlag verbreiteten Phantombild erkannt haben, berichtet die Zeitung "Welt am Sonntag".

Tätersuche mittels Phantombild

Bei dem Bombenanschlag auf ein iranisches Lebensmittelgeschäft in der Kölner Probsteigasse war 2001 die damals 19-jährige Tochter des Ladenbesitzers schwer verletzt worden. Der Sprengsatz befand sich einer Christstollendose, die der Mann in einem Geschenkkorb im Laden zurückgelassen hatte.

Standbild aus dem Bekenner-Video des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) (Foto: picture-alliance/dpa/Der Spiegel)

Mit diesem Video übernahm der NSU auch für den Anschlag 2001in der Probsteigasse die Verantwortung

Der Vater und die Schwester des Opfers hatten den Mann gesehen. Nach ihren Angaben fertigte die Polizei ein Phantombild. Die Suche nach dem Täter verlief damals jedoch ohne Erfolg.

NSU übernahm die Verantwortung

Zu dem Anschlag in dem Kölner Lebensmittelladen bekannte sich 2011 die NSU-Terrorgruppe um die verstorbenen mutmaßlichen Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie die vor Gericht stehende mutmaßliche Komplizin Beate Zschäpe auf einer DVD. Auf den Bildern übernahm die Terrorgruppe ferner die Verantwortung für zehn Morde sowie für den Nagelbombenanschlag 2004 in der Kölner Keupgasse.

"Ähnlichkeit mit einem Kölner Neonazi"

Als das Bundeskriminalamt 2011 die Ermittlungen zu den Taten auf der Bekenner-DVD wieder aufnahm, schickte die damalige Präsidentin des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Mathilde Koller, laut Recherchen der "Welt am Sonntag" der Bundesanwaltschaft ein erstes, "vertrauliches" Schreiben. Dieses liegt der "Welt am Sonntag" nach eigenen Angaben vor. Laut der Zeitung schrieb Koller darin, das nach dem Bombenanschlag auf den Lebensmittelladen erstellt Phantombild habe Ähnlichkeit mit einem Kölner Neonazi. Anhaltspunkte für eine Tatbeteiligung des Mannes bestünden aber nicht, erklärte die Verfassungsschutzpräsidentin laut Zeitungsbericht weiter.

Geheimer Verfassungsschutz-Mitarbeiter

Ebenfalls vorliegen hat die Zeitung nach eigenen Angaben ein weiterer Vermerk Kollers, den sie eine Woche später in die höchste Sicherheitskategorie eingestuft haben soll. Darin erklärt sie laut "Welt am Sonntag", der besagte Kölner Neonazi sei "seit 1989 als Geheimer Mitarbeiter für den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen tätig". Sie verschwieg der Zeitung zufolge dabei, dass der Mann 1985 wegen eines Sprengstoffdelikts verurteilt worden war. Das ermittelte erst im Nachhinein das Bundeskriminalamt.

Vier Monate nachdem die Verfassungsschutz-Präsidentin ihre Vermerke an die Bundesanwaltschaft verschickt hatte, trat sie aus "persönlichen Gründen" von ihrem Posten zurück.

cw/sti (Welt am Sonntag, afp)