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Aktuell Deutschland

NS-Massaker in Italien bleibt ungesühnt

17 Beschuldigten war vorgeworfen worden, 1944 an einem Massaker in einem italienischen Bergdorf beteiligt gewesen zu sein. Doch für eine Anklage reichte es den Ermittlungsbehörden in Stuttgart nicht aus.

So viel steht fest: Am 12. August verübte die deutsche Panzergrenadierdivision "Reichsführer SS" ein Massaker in dem italienischen Bergdorf Sant' Anna di Stazzema. Dabei töteten die Soldaten 560 Zivilisten, darunter waren mindestens 107 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren und 29 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahren.

Für die Ermittlungsbehörden war unklar, ob es sich bei der Tat um eine "befohlene Vernichtungsaktion gegen die Zivilbevölkerung gehandelt habe", womöglich als Vergeltung für Partisanenangriffe. Von diesem Motiv gehen die italienischen Behörden aus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stuttgart konnte dies nicht mit ausreichender Sicherheit nachgewiesen werden.

Die Behörde hatte jahrelang gegen die 17 noch lebenden Beschuldigten ermittelt, weil die vor knapp 70 Jahren begangenen Taten noch nicht verjährt sind. Nun wurde das Verfahren eingestellt.

Individuelle Beteiligung nicht nachgewiesen

In ihrer Begründung schrieben die Staatsanwälte, es bestehe auch die Möglichkeit, dass der Einsatz in dem Bergdorf dazu dienen sollte, arbeitsfähige Männer nach Deutschland zu verschleppen und die Erschießung der Zivilbevölkerung erst befohlen wurde, als dieses Ziel nicht erreicht werden konnte.

Damit sei es aber nicht möglich, eine Mordanklage der mutmaßlichen Täter mit der "bloßen Teilnahme an dem Einsatz" zu begründen. Vielmehr müsse jedem einzelnen Beschuldigten seine Beteiligung am Massaker individuell nachgewiesen werden. Dies sei nicht gelungen.

Erinnerung wach halten

Im August hatte der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, zum Jahrestag des Massakers von Sant' Anna di Stazzema der Opfer des NS-Kriegsverbrechens gedacht. Als Deutscher sei er "tief beschämt angesichts der Unmenschlichkeit der hier im Namen meines Volkes verübten Morde", sagte Schulz bei einer Gedenkstunde in dem toskanischen Bergdorf. Die Aufgabe der nachfolgenden Generationen sei es, die Erinnerung an Massaker wie dieses zu bewahren, "damit niemals wieder menschenverachtende Ideologien und verbrecherische Regime ihre hässliche Fratze in Europa zeigen können".


fab/qu (epd,afp,dpa,ape)