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Asien

Noynoy, Volksheld aus Familientradition

Mutter und Vater sind philippinische Legenden der Demokratie. Jetzt konnte der Sohn Beningno Aquino die Präsidentschaftswahlen gewinnen. Eigene Verdienste kann der 50-Jährige aber kaum vorweisen.

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Ein unscheinbarer Kronprinz - Aquino wird vom Ruhm der Eltern getragen

'Noynoy' wird er auf den Philippinen fast zärtlich genannt, als ob der 50-Jährige noch ein Kind sei. Beningno Aquino ist der Sohn gleich zweier Demokratielegenden: Sein Vater kämpfte gegen den Diktator Fernando Marcos und wurde 1983 erschossen. Seine Mutter Corazon Aquino war wenige Jahre später, nach dem Sturz des Diktators, die erste demokratische gewählte Präsidentin des Landes. Nun scheint Noynoy seinen Eltern alle Ehre zu machen. Bei den Präsidentenwahlen auf den Philippinen konnte der Kandidat aus gutem Hause die Familienehre verteidigen.

Philippinische Ex-Präsidentin Corazon Aquino gestorben

Mutter Corazon Aquino führte den Widerstand gegen die Marcos-Diktatur an

Freiheitskampf vorgelebt

Beningno junior ist 23 Jahre alt, als sein Vater 1983 aus dem US-Exil auf die Philippinen zurückkehrt, um den Kampf gegen den Diktator Ferdinand Marcos anzutreten. Noch auf dem Flughafen wird Beningno Aquino senior von den Marcos-Schergen erschossen. Erst seine Frau Corazon schafft es drei Jahre später, Marcos in einer Revolution zu stürzen, und wird selbst Präsidentin. Die Aquinos gelten in dem südostasiatischen Inselstaat als Helden der Demokratie.

Der einzige Sohn unter den fünf Kindern von Corazon und Beningno Aquino hat an einer Jesuiten-Universität in Manila Wirtschaft studiert. Während der Amtszeit seiner Mutter führte Noynoy die Familiengeschäfte. Und als abtrünnige Soldaten seine Mutter 1987 stürzen wollten, geriet auch der Sohn in die Schusslinie. Rechtsgerichtete Soldaten nahmen Beningno Aquinos Fahrzeugkonvoi unter Beschuss. Drei seiner Bodyguards wurden getötet. Aquino selbst wurde von fünf Kugeln getroffen - eine sitzt heute immer noch in seinem Hals.

Eigentlich ein unbeschriebenes Blatt

Philippinen Benigno Noynoy Aquino kandidiert als Präsident

Der neue Präsident verspricht dem Volk Aufrichtigkeit

In die Politik ging 'Noynoy' Aquino, nachdem seine Mutter 1992 aus dem Amt schied - zunächst als Abgeordneter in Senat und im Repräsentantenhaus. Nach dem Tod von Mutter Corazon im vergangenen August nahm der studierte Ökonom höhere Ziele ins Visier. "Ich nehme die Verantwortung an, diesen Kampf des Volkes weiterzuführen", sagte er unmittelbar nach der 40-tägigen Trauerzeit.

Von vornherein galt er als Favorit für das Amt des nächsten Präsidenten. Und das, obwohl Beningno Aquino eigentlich jede Ausstrahlung fehlt. Er ist weder ein bekannter Schauspieler, noch war er in schlagzeilenträchtige Skandale verwickelt - Eigenschaften, die sonst hoch im Kurs der philippinischen Wähler stehen.

Das Land ist reif für einen Politikwechsel

Gloria Macapagal Arroyo

Gloria Arroyo war während ihrer Amtszeit in viele Korruptionsfälle verstrickt

Was dem Volk dagegen Hoffnung macht, ist sein Versprechen, gegen die Korruption im Land zu kämpfen. Nach fast zehn Regierungsjahren von Staatschefin Gloria Arroyo haben die Philippinos korrupte Politiker satt. Arroyo waren immer wieder Korruption und Mauscheleien vorgeworfen worden.

"Ich glaube, was die Leute an mir mögen, ist meine Aufrichtigkeit", sagt 'Noynoy' Aquino. "Sie wissen, dass ich sie nicht übers Ohr hauen werde." Die Arbeiter auf der familieneigenen Zuckerrohrplantage sind sich da nicht so sicher. Sie streiten seit Jahren um eigenes Land, das ihnen nach einer beschlossenen Landreform eigentlich zusteht. 2004 erschossen Regierungstruppen sieben protestierende Arbeiter auf der Plantage. "Noynoy war unser Abgeordneter im Kongress, aber er hat keinen Finger gehoben", sagt Paulo Cruz, Chef der Jugendorganisation der Plantagenarbeiter. "Wie können wir ihm jetzt vertrauen?"

Autorin: Nicola Reyk / dpa/ afp
Redaktion: Mathias Bölinger

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