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Europa

"Notleidende schwer zu erreichen"

Kristalina Georgieva, EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, erklärt im DW-Interview, welche EU-Staaten sich an der Pakistan Hilfe wie beteiligen. Ein Schwerpunkt liegt auf Wasseraufbereitungsanlagen. Was ist noch nötig?

EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe Kristalina Georgieva (Archivfoto: dpa)

Kristalina Georgieva

DW-WORLD.DE: Frau Kommissarin, was braucht Pakistan jetzt am dringendsten?

Kristalina Georgieva: Pakistan braucht vor allem sauberes Trinkwasser, Nahrungsmittel und Unterkünfte. Die Zahl der betroffenen Menschen ist so groß, dass es eine ungeheure Herausfoderung ist, sie zu erreichen. Das gilt besonders für Regionen, in denen wir bewaffnete Konflikte haben.

Wie können Sie Zelte und Nahrungsmittel transportieren, wenn Straßen und Flughäfen einfach weggespült sind. Haben Sie genügend Helikopter?

Wir arbeiten jetzt vor allem mit Vorräten, die bereits in der Region eingelagert waren. Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass wir bereits vorbereitet sein müssen, bevor die Katastrophe hereinbricht. Die Sachen müssen schon da sein. Wir haben uns mit dem Roten Kreuz, dem Roten Halbmond und den spezialisierten UN-Agenturen zusammengeschlossen.

Menschen bedrängen einen Latwagen der Armee mit Hilfslieferungen (Foto: AP)

Die erste Nothilfe wird mit Lebensmittelreserven vor Ort bestritten

Deshalb haben wir Vorräte in der Nachbarschaft Pakistans. Natürlich brauchen wir Helikopter und kleine Flugzeuge, die manchmal das einzige Verkehrsmittel sind. Wir verlassen uns auf regionale und lokale Partnerorganisationen, die am besten wissen, wo die Notleidenden sind und was sie brauchen.

Die EU-Kommission in Brüssel koordiniert die Hilfsmaßnahmen der EU-Mitgliedsstaaten. Was müssen die Mitgliedsstaaten jetzt zusätzlich auf die Beine stellen?

Wir haben die Mitgliedsstaaten über unser Lage- und Alarmzentrum aufgerufen, mitzumachen und zu helfen. Wir haben ein Verbindungsbüro in Pakistan eingerichtet. Das ist mit den Partnerorganisationen vor Ort in Kontakt. Wir haben schon Angebote aus Österreich und aus Schweden, die von den Behörden in Pakistan auch angenommen wurden. Da geht es vor allem um Wasseraufbereitung. Denn es gibt eine Furcht vor Seuchen. Der Krisenstab hofft jetzt auf weitere Angebote. Schweden bietet zum Beispiel ein Flugzeug für Hilfstransporte anderer Länder an. Ich nutze auch diese Gelegenheit, alle Menschen in Europa aufzurufen, um zu helfen, die größte Katastrophe in Pakistan in den letzten achtzig Jahren zu meistern.

In Deutschland sorgen sich die Nicht-Regierungsorganisationen, dass die Menschen nicht bereit sind, genügend Geld für Pakistan zu spenden. Glauben Sie, dass dies auch in anderen EU-Mitgliedsstaaten der Fall ist?

Ich höre, dass die Menschen jetzt anfangen, Geld und Hilfe auf einem individuellen Level zum Beispiel für das Rote Kreuz bereit zu stellen. Allerdings erleben wir, dass sich in letzter Zeit Naturkatastrophen rund um den Globus häufen. Wir haben sozusagen konkurrierende Überschwemmungen, auch in Europa, oder die Waldbrände in Russland.

Die Vereinten Nationen haben dazu aufgerufen, 350 Millionen Euro an Soforthilfe bereit zu stellen. Welchen Anteil wird Europa daran haben?

Die EU-Kommission selbst hat ihre Hilfe von 30 Millionen Euro auf 40 Millionen Euro erhöht. Natürlich rufen wir die Mitgliedsstaaten zur Hilfe auf, besonders die, die historisch tiefe Beziehungen zu Pakistan haben.

Ein Mann watet durch Wasser (Foto: AP)

Trinkwasseraufbereitung ist eine Priorität der EU

Europa ist in der Regel recht großzügig und wird wohl die Hälfte der erforderlichen Summe bereitstellen. Aber auch die muslimischen Staaten fangen jetzt an zu helfen. Es kommt vor allem darauf an, schnell zu helfen, woher das Geld kommt, ist nicht so wichtig.

Ist es schwierig mit den Behörden Pakistans zu arbeiten. Sind sie sicher, dass Taliban oder Aufständische nicht von den Hilfen profitieren?

Es geht erst einmal darum Leben zu retten. Humanitäre Organisationen in aller Welt schauen nicht auf die Politik, sondern wir versuchen politisch neutral zu sein. Gleichzeitig versuchen wir auch sicherzustellen, dass die knappen Ressourcen eingesetzt werden, um Leben zu retten. Ich möchte die europäischen Organisationen dafür loben, dass sie vor Ort vertreten und erfahren sind. Sie wissen, wo die Probleme sind und wo die Bedürftigen sind.

Das Interview führte Bernd Riegert
Redaktion: Fabian Schmidt

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