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Kultur

Notizen eines Fußballreporters

Drei Tage lang weilte DW-Reporter Ludger Schadomsky beim Straßenfußball-Projekt in Lagos. Er erlebte nicht nur etliche spannende und bisweilen ungewöhnliche Situationen sondern traf auch auf viele herzliche Menschen.

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Fairplay bei den Kids: Kollektives Händereichen vor jedem Spiel

"Ich hole Dich morgen früh um 8 Uhr ab", hatte Yomi Kuku am Vorabend angekündigt. Dann steht der - junge - Kopf hinter dem Projekt Search and Groom aber doch schon um 7.30 Uhr auf der Matte. "Wir wissen doch, dass Ihr Deutschen auf Pünktlichkeit steht", grinst der 32-Jährige. Ein kritischer Blick auf mein Trikot mit der Nummer 5 und der Aufschrift: "Libero". "Ich dachte, Du seiest Torwart"?. In dem Auto eines Freundes - über ein eigenes Fahrzeug verfügt Search and Groom noch nicht – geht es im dichten Morgenverkehr der 15 Millionen Metropole nach Ajegunle, eines der ärmsten Viertel Lagos.

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Armutsviertel Ajegunle

Auf den letzten Kilometern, draußen Hafen, passieren wir die riesigen Tanks der Ölmultis - Total, Chevron etc. 2,2, Millionen Barrel Öl fördert Nigeria jeden Tag. Weil die eigenen Raffinerien mutwillig heruntergewirtschaftet wurden, lässt Nigeria sein hochwertiges crude oil im Ausland raffinieren und importiert es dann zurück – ein Milliardengeschäft für einige wenige Geschäftsleute. Die Bewohner von Ajegunle sehen von dem schwarzen Gold dagegen wenig.

Barfuß auf Asphalt

Tagebuch Streetfootball

Der Regen trommelt

Wer einen festen Arbeitsplatz hat, der steht jetzt um 08.30 Uhr an der Bushaltestelle und kämpft um einen Platz in den gelben, klapprigen Minibussen, die jeden Tag einen Bleimantel über die Stadt legen. Die Wracks sind aus Europa importiert, "Schreinerei Hagedorn", steht auf einem. Wer keinen Job hat - und das sind in Nigeria die meisten -, der hat seinen kleinen Marktstand aufgebaut, verkauft Obst, Gemüse, Fleisch. Junge Männer verdingen sich als fliegende Händler an den Ampelkreuzungen. Von Kleiderbügeln über schwarzgebrannte CDs bis zu Handykarten reicht ihr Angebot.

Tagebuch Streetfootball

Letzte Anweisungen unmittelbar vor dem Spiel

Während der Fahrt sind die Wolken über der Stadt immer dunkler geworden, es sieht nach einem der tropischen Güsse aus, die jetzt, in der Regenzeit, täglich über Lagos niedergehen. So kommt es dann auch: Binnen Minuten trommelt der Regen auf die Wellblechdächer der Häuser, die das "Fußballfeld" umgeben. "Fußballfeld" ??? "Ja", lacht Yomi. "Bis vor kurzem war das hier noch ein Sandplatz. Dann hat ein Anwohner entschieden, dass er die Zufahrt zu seinem Haus geteert haben möchte". Yomi zuckt die Achseln. "That’s Nigeria for you". Wer Geld hat, der hat das Sagen. Seitdem spielen die Kinder auf Asphalt, barfuß oder in Flip-Flops, Plastiksandalen.

Unfreiwilliges Schulfrei

Einen Vorteil hat die Teerschicht: Der Regen fließt ab und verwandelt den Platz nicht mehr in ein Schlammfeld. Dafür dient der soccer pitch jetzt als Parkplatz für Minibusse. Es dauert eine halbe Stunde, bis der Platz geräumt ist. Jetzt, kurz nach 9 Uhr, haben sich schon um die 100 Fans am "Spielfeldrand" versammelt. Darunter viele Knirpse im Schulalter. Wieder schüttelt Yomi den Kopf: "Eigentlich sollten die Schulen diese Woche wieder anfangen, aber die Behörden haben die Kinder einfach wieder nach Hause geschickt".

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An der Basis: DW-Reporter befragt Fan

Der Regen ist in Nieseln übergegangen, es kann losgehen. Humphrey, einer der freiwilligen Helfer von Search and Groom, verteilt die roten und blauen Trikots, die ein Sponsor zur Verfügung gestellt hat. Eine Mannschaft umfasst jeweils fünf Spieler. Der Schiedsrichter trommelt beide Mannschaften im "Mittelkreis" zusammen. "Ich will keine Ruppigkeiten sehen, sonst gibt es Karten", sagt er und zeigt demonstrativ den gelben und roten Karton. Bevor es losgeht, reichen sich die Spieler die Hände.