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Wirtschaft

Notenbanken: Zinsen senken und Geld verleihen

An den Finanzmärkten knirscht es heftig. Vor allem die US-Notenbank versucht verzweifelt, die Krise einzudämmen - zum Beispiel durch Zinssenkungen. Kann und soll auch die Europäische Zentralbank gegensteuern?

Die EZB ist nicht die US-Notenbank Fed: Hochhaus der Europäischen Zentralbank in Frankfurt/Main mit dem riesigen Eurozeichen-Denkmal davor (Foto: Bilderbox)

Die EZB ist nicht die US-Notenbank Fed

Finanzkrise und kein Ende: Die Krise, die im Immobilienbereich in den USA ihren Anfang fand, hat inzwischen den Bankensektor weltweit erfasst. Immer mehr Institute müssen plötzlich verkünden, dass in ihren Büchern noch Milliarden-Risiken stecken. Schon droht sich die Krise auf die gesamte Wirtschaft auszuwirken - mit schwerwiegenden Folgen für die Konjunktur sowohl in den USA wie auch in Europa. Vor allem die US-Notenbank versucht verzweifelt, die Krise einzudämmen - zum Beispiel durch deutliche Zinssenkungen. Aber können die Maßnahmen überhaupt Erfolg haben?

Zäher Schmierstoff

Eines der Hauptprobleme der gegenwärtigen Finanzkrise ist der Vertrauensverlust der Banken untereinander. Keiner weiß, welche faulen Eier der andere noch in seinen Büchern stehen hat. Entsprechend gering ist die Bereitschaft, sich untereinander Geld zu leihen - was sich auch auf die Kreditvergabe an die Realwirtschaft auswirkt. Mit anderen Worten: Das Geld, der "Schmierstoff", der die Wirtschaft in Gang hält, wird immer zäher.

Die Notenbanken haben zwei Möglichkeiten, gegenzusteuern: Sie können die Leitzinsen, zu denen sich die Geschäftsbanken gegen Hinterlegung von Wertpapieren von der Zentralbank Geld leihen können, senken. Und sie können außer der Reihe den Märkten in Sonderaktionen zusätzlich Geld zu besonders günstigen Konditionen anbieten.

Keine Angst vor faulen Eiern

Von beiden Möglichkeiten hat die amerikanische Notenbank Fed bereits reichlich Gebrauch gemacht. Sie hat die Leitzinsen in mehreren Schritten drastisch gesenkt und sie hat den Märkten zusätzlich Hunderte von Milliarden Dollar angeboten. Dabei durften nicht nur Geschäftsbanken, sondern auch die Brokerhäuser an der Wall Street mitbieten – ein absolutes Novum. Und: Die Bieter brauchten nicht einmal die sonst üblichen erstklassigen Wertpapiere zu hinterlegen - es genügten auch Zweitrangige. Mit anderen Worten: Die Fed ist momentan sogar bereit, jene faulen Eier in Ihr Portfolio aufzunehmen, die die amerikanischen Banken über Jahre hinweg im Immobiliensektor produziert haben.

Hüter des Euro: Jean-Claude Trichet, Präsident der EZB (Foto: dpa)

Hüter des Euro: Jean-Claude Trichet, Präsident der EZB

Soll die Europäische Zentralbank (EZB), die am Donnerstag (27.3.2008) ihre nächste turnusmäßige Ratssitzung hat, dieses Spiel mitspielen? An einigen Sonderzuteilungsaktionen hat sie sich bereits, abgestimmt mit den anderen Notenbanken, beteiligt. Allein über Ostern hat sie den Banken rund 15 Milliarden Dollar zusätzlich zur Verfügung gestellt. Doch ihre Spritzen haben bislang nie amerikanische Ausmaße erreicht, und ihre Konditionen hatten auch nie den amerikanischen Ausverkaufscharakter.

Die EZB ist nicht die Fed

Und die Leitzinsen? Vermutlich wird die EZB am Donnerstag an den Leitzinsen überhaupt nichts ändern. Und zwar aus zwei Gründen. Der erste hat etwas mit ihrem Selbstverständnis zu tun: Sie ist nicht dazu da, Konjunktur- oder Wechselkurspolitik zu machen. Sondern einzig und allein mit ihrer Geldpolitik die Inflation einzudämmen. Und zweitens sprechen momentan mindestens ebenso viele Gründe für eine Straffung der Geldpolitik wie für eine Lockerung. Sorgen machen der EZB vor allem die gestiegenen Rohstoffpreise. Deshalb hat sie ihre Inflationsprognosen für 2008 und das kommende Jahr nach oben revidiert - was eine Zinssenkung eher unwahrscheinlich macht.

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