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US-Wirtschaft

Notenbank sieht USA vor Vollbeschäftigung

Die Chefin der US-Notenbank stellt der US-Wirtschaft ein gutes Zeugnis aus. Vor dem US-Kongress versprach sie, deshalb die Zinsen weiter anheben und die aufgeblähte Notenbank-Bilanz wieder normalisieren zu wollen.

Die US-Notenbank Federal Reserve sieht die US-Wirtschaft auf Kurs. Die Inflation werde mittelfristig auf die Zielmarke von zwei Prozent klettern, teilte Fed-Chefin Janet Yellen in ihrem am Mittwoch veröffentlichten halbjährlichen Rechenschaftsbericht für den US-Kongress mit. Die Währungshüter erwarten weiteres Wachstum und gehen davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote in diesem Jahr bei 4,3 Prozent einpendeln wird. Damit wäre de facto Vollbeschäftigung erreicht.

Der Kurs der moderaten Erhöhungen des Leitzinses solle in den nächsten Jahren zunächst beibehalten werden. Gleichzeitig werde damit begonnen, das Programm der Anleihekäufe, mit dem die Fed zur Begegnung der Finanzkrise jahrelang Milliarden in die Märkte gepumpt hatte, rückgängig zu machen. "Der Ausschuss erwartet gegenwärtig, sollte die Wirtschaft sich weitgehend wie erwartet entwickeln, dass wir wahrscheinlich dieses Jahr mit dem Programm beginnen werden." Sie bestätigte damit den Kurs, den der Offenmarkt-Ausschuss der Notenbank schon in seiner Juni-Sitzung angedeutet hatte.

"Normales" Niveau in fünf Jahren

Die Ankündigung, angesichts der robusten Konjunkturentwicklung den Kurs behutsamer Zinserhöhungen fortzusetzen, dämpfte die Sorgen vor einer kräftigeren Eindämmung der Flut billigen Geldes. Gleiches gilt für das Versprechen, dass die Federal Reserve wahrscheinlich noch dieses Jahr mit dem Abbau ihrer im Zuge der Finanzkrise aufgeblähten Bilanz beginnen werde: "Das ist etwas, was wir dieses Jahr beginnen sollten und nach meiner Ansicht relativ bald."

Mit diesem Schritt würde die Fed sich endgültig von der jahrelangen Krisenpolitik verabschieden. Yellen zufolge strebt
die Notenbank an, zu einem Portfolio zurückzukehren, das nur Staatsanleihen umfasst. Vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise
im Jahr 2007 hatte die Bilanzsumme der US-Notenbank bei rund 800 Milliarden Dollar gelegen. Durch den massiven Erwerb von
Staatsanleihen und anderen Papieren zur Stützung der Konjunktur wurde sie auf über vier Billionen Dollar ausgeweitet. Bis 2022 könnte wieder ein normales Niveau erreicht werden, so Yellen.

Erleichterte Anleger

Schon die Vorveröffentlichung des Redemanuskriptes von Frau Yellen hatte an den Börsen für Erleichterung gesorgt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte in den ersten Handelsminuten 0,6 Prozent auf 21.538 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg um 0,7 Prozent auf 2441 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,8 Prozent auf 6242 Punkte. Analyst Peter Cardillo vom Broker First Standard Financial warnte aber, dass es am Markt weiter unruhig zugehen dürfte.

Auch in Frankfurt haben Yellens Äußerungen die Anleger ermutigt und den Dax nach oben getrieben. Der Leitindex, der im frühen Handel die Hürde von 12.500 Punkten mehrfach testete, legte bis zum Nachmittag kräftig um 1,12 Prozent auf 12 576,67 Zähler zu. "Die Marktteilnehmer scheinen nach den jüngsten Aussagen mit einer vorsichtigen Gangart der Fed bei den Zinsen zu rechnen", sagte Helaba-Analyst Ulrich Wortberg.

Ein Nachfolger stände schon bereit

Die heutige Anhörung vor dem US-Kongress könnte einer der letzten Auftritte dieser Art für Janet Yellen gewesen sein, denn eine zweite Amtsperiode Yellens als US-Notenbankchefin wird dem Magazin "Politico" zufolge immer unwahrscheinlicher. Präsident Trumps Wirtschaftsberater Cohn habe beste Aussichten, Yellens Nachfolger zu werden. "Gary wird es, wenn er es will, und ich glaube, dass er es will", wurde ein namentlich nicht genannter Republikaner zitiert.

dk/fab (dpa/rtr)